Herr Uhl, wie bereitet man sich am besten auf eine Prüfung vor? Haben Sie ein paar Tricks auf Lager?

Um eine Prüfung erfolgreich vorzubereiten, braucht man zuallererst die passende Strategie. Ein Schlüssel zum Erfolg ist hierbei ein Lernplan. Sich einfach etwas vorzunehmen ohne es aufzuschreiben, funktioniert nämlich nicht wirklich gut.

Man sollte sich Zeit nehmen, um sich genau zu überlegen, welche Anforderungen in der Prüfung an einen gestellt werden. Diese sollte man alle in seinen Lernplan eintragen.

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Danach plant man, welche Lerneinheiten und Übungen geeignet sind, um sich auf diese Anforderungen bestmöglich vorzubereiten.

Im nächsten Schritt schätzt man die Zeit ab, die man für die Prüfungsvorbereitung brauchen wird. Diese Lernzeit verteilt man dann auf mehrere Tage beziehungsweise bei großen Prüfungen wie zum Beispiel im Studium auch auf mehrere Wochen oder sogar Monate.

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Wichtig sind genug Zeit für die Prüfungsvorbereitung sowie ein entspannter Ausgleich zwischen Lernen und Freizeit. Denn das Gehirn kann unter Stress und Zeitdruck nicht gut lernen. Hier kann es sonst zu einer Lernblockade kommen, die vom Prinzip ähnlich abläuft wie der vorher beschriebene Blackout.

Abschließend ist die eigene Einstellung ein entscheidender Faktor für den Prüfungserfolg: Prüfungen zu bestehen, ist nicht einfach und erfordert viel Disziplin. Genau das macht das Bestehen ja so begehrt und man freut sich, es geschafft zu haben. Dass man sich zuerst stark ins Zeug legen muss, um diesen Erfolg zu sichern, sollte man akzeptieren und die Herausforderung annehmen. Denn sich zu beschweren, dass die Prüfung zu schwer ist oder Dinge gelernt werden müssen, die man später nicht mehr braucht, ist zwar inhaltlich oft richtig. Aber den Prüfungsstoff kann man leider nicht ändern. Deshalb sollte man seine komplette Energie in das Lernen investieren anstatt damit zu hadern, wie schwer man es hat.

Der Psychologe Tobias Uhl aus Rickenbach ist Experte für die gezielte Vorbereitung auf das erfolgreiche Bestehen von Prüfungen.
Der Psychologe Tobias Uhl aus Rickenbach ist Experte für die gezielte Vorbereitung auf das erfolgreiche Bestehen von Prüfungen. | Bild: Leonie Baumgärtner

Kann man auch zu viel für eine Prüfung lernen?

Ja, das kann man definitiv. Zwar haben die meisten eher das Problem, dass sie zu spät mit dem Lernen anfangen und deshalb nicht mehr den kompletten Stoff bearbeiten können. Ein Großteil der Menschen lernt also zu wenig bzw. versucht, sich alles in zu kurzer Zeit zu merken.

Allerdings habe ich auch regelmäßig Coachings, bei denen jemand schon Monate im Voraus auf eine Prüfung lernt. Wenn hierbei keine Pausentage eingelegt werden und das Lernen sowie Gedanken an die kommende Prüfung das komplette Leben bestimmen, ist das nicht förderlich für den Prüfungserfolg.

Ganz im Gegenteil: Das viele Lernen laugt aus und lässt die Lernmotivation immer weiter sinken. Viele, die so viel lernen, sind kurz vor der Prüfung schon so erschöpft, dass sie in den letzten ein bis zwei Wochen keine Lust oder Energie mehr zur Prüfungsvorbereitung haben. Aber auch wenn ich generell eine langfristige Prüfungsvorbereitung empfehle, sind diese letzten Tage vor der Prüfung sehr wichtig. Deshalb sollte man hier noch genug Reserven haben. Das geht nur, wenn man sich vorher seine Kräfte einteilt und nicht zu viel lernt.

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Generell ist es am wichtigsten für den Erfolg in einer Prüfung, dass Sie Prioritäten setzen: Versuchen Sie nie, alles zu können. Konzentrieren Sie sich stattdessen darauf, die wichtigsten Dinge, die die meisten Punkte in der Prüfung bringen, besonders gut zu können. Wenn man versucht, sich jedes Detail zu merken, kostet das sehr viel Zeit und Mühe, ist aber nicht sehr zielführend für eine gute Note. Die Lernzeit ist immer begrenzt, deshalb sollte man sie clever planen!

Kann man auch erfolgreich in einer Prüfung sein, wenn man erst auf den letzten Drücker lernt?

Ja, generell geht das. Allerdings ist diese Fähigkeit nur einigen wenigen vorbehalten. Dazu gehören beispielsweise Menschen, die ein fotografisches Gedächtnis besitzen oder spezielle psychologische Lerntechniken besitzen.

Allerdings machen auch diese Menschen es sich deutlich schwerer als nötig, wenn sie auf den letzten Drücker lernen. Wenn es nur ums Bestehen geht und die Note egal ist, mag das noch gehen.

Wenn aber beispielsweise jemand eine Prüfung mit diesem Hau-Ruck-Lernen gerade so mit der Note 4 besteht, hätte er sicher mit einer langfristigen Prüfungsvorbereitung deutlich besser abschneiden können.

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Selbst wenn man die Noten außen vor lässt, hat das Lernen auf den letzten Drücker eigentlich nur Nachteile. Denn mit dieser Methode ist das Wissen vielleicht in der Prüfung gerade noch abrufbar, wird aber in den nächsten Tagen wieder vergessen. Da das Gelernte aber ja meist länger gebraucht wird (zum Beispiel im Beruf), ist es dieses Vorgehen nicht zu empfehlen.

Abgesehen davon ist genau durch das späte Anfangen für viele das Lernen so ein rotes Tuch: Denn unter Zeitdruck macht Lernen nie Spaß und ist der pure Stress. Und genau wegen diesen schlechten Erfahrungen fangen viele beim nächsten Mal noch später an, um das unliebsame Lernen so weit aufzuschieben wie möglich. Ein Teufelskreis!

Deshalb mein Rat: Früher anfangen und in kleinen Einheiten entspannt lernen. Sie werden sehen, dass alles gar nicht so schlimm sein muss und Lernen sogar Spaß machen kann!

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