Die Umstellungen in der Müllentsorgung infolge der Einführung der Biotonne im Landkreis Waldshut haben sich keineswegs so gut etabliert, wie dies die Pressesprecherin des Landratsamts, Susanna Heim, kürzlich auf Anfrage unserer Zeitung dargestellt hat. „Das ist reine Selbstbeweihräucherung, die wahrscheinlich angesichts der aufgetretenen Probleme dringend geboten war“, kritisiert Jürgen Wagner aus Laufenburg. Und noch immer fehle es an den entscheidenden Stellen an der Bereitschaft, begangene Fehler einzusehen und Kritik ernst zu nehmen.

Restmüll-Leerung alle zwei Wochen? Das reicht nicht aus, sagt Jürgen Wagner aus Laufenburg. Er ist inzwischen zum Sprachrohr der Menschen geworden, die große Probleme bei den Neuerungen im Bereich Abfall-Entsorgung sehen.
Restmüll-Leerung alle zwei Wochen? Das reicht nicht aus, sagt Jürgen Wagner aus Laufenburg. Er ist inzwischen zum Sprachrohr der Menschen geworden, die große Probleme bei den Neuerungen im Bereich Abfall-Entsorgung sehen. | Bild: Baier, Markus

Sprachrohr der Betroffenen

Viele Menschen aus dem ganzen Landkreis – Singles, Ehepaare, junge Eltern, Unternehmer wie auch Senioren – haben Jürgen Wagner in den vergangenen Monaten in Gesprächen auf anhaltende Probleme im Bereich Müllentsorgung hingewiesen, wie er sagt: „Die meisten haben die Veränderungen zähneknirschend hingenommen, die Unzufriedenheit ist aber weiter groß – und die Zweifel, ob sich noch etwas zum Besseren ändern lässt“, berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wagner selbst scheute den Konflikt mit dem Eigenbetrieb Abfallwirtschaft nicht. So sei er inzwischen – nicht ganz freiwillig, wie der Diplom-Ingenieur im Ruhestand einräumt, aber mit Überzeugung – zum Sprachrohr derer geworden, die sich nicht öffentlich zu Wort trauen: „Wer etwas ändern will, muss den Verantwortlichen erst einmal mitteilen, was schief läuft. Sonst denken sie tatsächlich, dass alles gut ist“, sagt Wagner, der in der Region unter anderem als Vorsitzender des Laufenburger Stadtseniorenrates und Mitglied des Lions Clubs bekannt ist.

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Und das wäre im Fall der Müllentsorgung ein gravierender Fehler, denn hier seien viele Folgen nicht genügend bedacht worden: „Das mag aus juristischer Sicht alles gut ausgearbeitet sein. Es ist aber insgesamt alles sehr kurzsichtig und unter dem Strich ein Rückschritt für die Menschen im Kreis.“

Alles andere als appetitlich: Vom Landkreis gibt es zwar Tipps zur richtigen Befüllung und Reinigung der Biotonnen. Diese ändern nach Ansicht der Kritiker aber nichts an den hygienischen Problemen, die gerade im Sommer durch die alle zwei Wochen stattfindende Leerung entstehen.
Alles andere als appetitlich: Vom Landkreis gibt es zwar Tipps zur richtigen Befüllung und Reinigung der Biotonnen. Diese ändern nach Ansicht der Kritiker aber nichts an den hygienischen Problemen, die gerade im Sommer durch die alle zwei Wochen stattfindende Leerung entstehen. | Bild: Arno Burgi

Zweiwöchiger Leerungszyklus – ein „hygienischer Albtraum“

Der zweiwöchige Leerungszyklus bei Restmüll wie auch bei der Biotonne ist nach Jürgen Wagners Einschätzung schon allein aus hygienischer Sicht „ein Unding“, wie er auch in einem Schriftwechsel mit dem Eigenbetrieb Abfallwirtschaft, der unserer Zeitung vorliegt, ausführt.

Gerade junge Familien mit Kleinkindern, die noch Windeln brauchen, aber auch viele Senioren hätten Schwierigkeiten. Da nimmt Wagner sich selbst nicht aus: „Bei der aktuellen Hitze habe ich Maden in meinem Mülleimer, und das obwohl meine Tonne an einem relativ schattigen Platz in der Garage steht.“ Wie die Lage bei Menschen aussieht, die ihre Tonne im Freien stehen haben, oder bei Arztpraxen oder lebensmittelverarbeitenden Betrieben, wolle er sich gar nicht vorstellen, wie er sagt.

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Und bei der Biotonne sei das alles noch viel schlimmer. Allein die Maßregeln, das Landratsamt den Bürgern an die Hand gegeben habe, um „einigermaßen hygienische Verhältnisse“ zu erzielen seien schwer in der Realität umsetzbar.

Außerdem seien sie ein Beweis dafür, dass die Kreisverwaltung sehr wohl um die hygienischen Probleme wisse, die mit der Biotonne einhergehen. Durch die zweiwöchige Leerungsphase werde die Situation nicht besser.

Die Müllgebühren sind gestiegen, der Service wurde dabei halbiert, kritisiert Jürgen Wagner.
Die Müllgebühren sind gestiegen, der Service wurde dabei halbiert, kritisiert Jürgen Wagner. | Bild: unbekannt

„Faktische Verdoppelung“ der Müllgebühren

Ganz abgesehen davon: Im Zuge der Systemumstellung wurde die Müllgebühr erhöht, bei gleichzeitiger Reduzierung des Services, rechnet Wagner vor: Die Leerung erfolge nur noch alle zwei Wochen, die Anzahl der Mindestleerungen wurde von zwölf auf zehn heruntergeschraubt.

Faktisch, so Wagner, sei die Müllgebühr somit verdoppelt worden. Und die Gebühren müssten von allen gleichermaßen bezahlt werden – ob sie nun eine Biotonne nutzen oder nicht: „Ich selbst kompostiere meine Bioabfälle auch im Garten. Dennoch subventioniere ich die Biotonne mit meinen Müllgebühren mit“, so Wagner.

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Forderung: Müllabfuhr im Sommer wöchentlich

Wagners Kritik an den akuten Problemen gipfeln in seinem Schreiben an den Leiter des Eigenbetriebs Abfallentsorgung, Elmar Weißenberger, in der Forderung, zumindest in den Sommermonaten wieder wöchentlich den Müll abzuholen.

Das wird seitens der Behörde aber abgelehnt. Die Begründung: „Der Landkreis Waldshut hat die 14-tägige Leerung der Biotonnen ausgeschrieben, wie sie vom zuständigen Kreistag beschlossen wurde“, entgegnet Weißenberger in seiner Antwort.

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Ohnehin solle das erste Jahr mit Biotonne genutzt werden, um Erfahrungswerte zu sammeln. Dabei orientiere sich der Kreis Waldshut auch an den Erfahrungen des Landkreises Lörrach, wo das 14-tägige Leerungssystem ebenfalls erfolgreich etabliert worden sei.

Im Übrigen seien die Bürger selbst für die Einhaltung hygienischer Standards bei der Biotonne verantwortlich. Hierzu gebe es ja entsprechende Nutzungshinweise, die im Zuge der Einführung veröffentlicht wurden, so das Abfallwirtschaftsamt.

Mehr Weitblick bei der nächsten Ausschreibung

Jürgen Wagner empfindet eine derartige Beantwortung seiner Hinweise als „pauschal und stereotyp“. Auch der gebetsmühlenartig wiederholte Hinweis auf die Situation im Nachbarlandkreis, bringe ihn als Bürger des Landkreises Waldshut, der hier konkrete Probleme feststelle, nicht weiter.

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Ganz abgesehen davon: „Auftragsvergaben sind ja auch immer auf einen gewissen Zeitraum festgelegt. Ich hoffe sehr, dass bei der nächsten Ausschreibung die zutage getretenen Fehler erkannt und berücksichtigt werden.“

Dass es bei den Beschlüssen auch Gegenwind aus dem Kreistag gegeben habe, mache ihm durchaus Mut, dass „zumindest mittelfristig die Kritik ernst genommen und darauf reagiert wird.“ Dass sich kurzfristig etwas zum Besseren wende, diese Hoffnung habe er aufgegeben. Die Art und Weise wie er mit seinen Hinweisen „abgespeist“ worden sei, zeige dies zur Genüge.

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