Nach den Umstellungen im Zuge der Einführung der Biotonne im Landkreis, läuft in Sachen Müllentsorgung längst noch nicht alles rund. Die Auslieferung der Biotonne stockt, die neue Leerungsfrequenz, die eine Restmüllleerung nur alle zwei Wochen vorsieht, sorgt für Verwirrung und erhöhtes Müllaufkommen an Leerungstagen.

Auch das Geschäftsleben der Region hat mit den neuen Regelungen seine liebe Not. Viele Betriebe sehen erheblichen Nachbesserungsbedarf, auch wenn es für einige Branchen bereits Sonderregelungen gibt.

Bei 14-tägiger Müllabfuhr kommt ordentlich was zusammen. Bild: Andreas Gerber
Bei 14-tägiger Müllabfuhr kommt ordentlich was zusammen. Bild: Andreas Gerber | Bild: Gerber, Andreas

Pro Bad Säckingen sieht dringenden Handlungsbedarf

Eine große Unzufriedenheit macht der Stadtmarketingverein Pro Bad Säckingen bei den Händlern, Gewerbetreibenden und Gastronomen in der Stadt aus. Das geht aus einer Blitzumfrage hervor, die die Vereinsvorsitzende Elisabeth Vogt auf Nachfrage unserer Zeitung vornahm.

Ergebnis: "30 Mitgliedsbetriebe haben sich bei mir gemeldet. Zwei Drittel davon sind über die neue Regelung absolut bestürzt", so Vogt. Die nur noch alle 14 Tage stattfindende Leerung des Restmülls mache die Anschaffung zusätzlicher Mülltonnen notwendig.

"30 Mitgliedsbetriebe haben sich bei mir gemeldet. Zwei Drittel davon sind über die neue Regelung absolut bestürzt." – Elisabeth Vogt, Vorsitzende von Pro Bad Säckingen
"30 Mitgliedsbetriebe haben sich bei mir gemeldet. Zwei Drittel davon sind über die neue Regelung absolut bestürzt." – Elisabeth Vogt, Vorsitzende von Pro Bad Säckingen | Bild: Gerber, Andreas

Das wiederum bedeute eine Preiserhöhung und gehe mit einem erhöhten Platzbedarf einher. Nicht selten falle es den Geschäftsleuten schwer, diesen Platzbedarf zu erfüllen, zumal die Biotonne längst nicht für alle eine echte Alternative darstelle, so Elisabeth Vogt weiter.

Vor allem hätten viele Mitgliedsbetriebe Sorgen vor den negativen Auswirkungen, wenn sich der Müll im Keller ansammle – gerade Betriebe, die mit Lebensmitteln zu tun haben. Denn nicht nur mit Geruchsbelästigungen sei zu rechnen, wenn es erst einmal warm wird, sondern auch mit Problemen durch Ungeziefer. Namens seiner Mitgliedsbetriebe fordert Pro Bad Säckingen daher eine Ausweitung der Ausnahmeregelungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Ausnahmen strikt begrenzt

Ausnahmen gibt es bisher lediglich für Altenheime, Krankenhäuser, Arztpraxen, Kläranlagen und Öffentlichkeitsmüllcontainer. Hier wird weiterhin wöchentlich der Restmüll geleert. "Wir konnten die neue Leerungsfrequenz durch die Biotonne nicht akzeptieren", schildert Hartmut Fricke, Leiter des Marienhauses und des St. Franziskus-Seniorenheims.

Denn die Heime hätten allenfalls marginalen Bedarf für die Biotonne. Dafür sei die Menge an Restmüll, von dem hygienische und Geruchs-Probleme ausgehen könnten, konstant, und Raum für die Anschaffung zusätzlicher Müllcontainer begrenzt. Dass der Restmüll nur noch 14-tägig geleert werde, "funktioniert nicht für uns".

Das könnte Sie auch interessieren

Entsprechende Ausnahmen müssten nach Ansicht des Vermieters einer medizinischen Facheinrichtung im Kreis noch deutlich ausgeweitet werden, denn: "Wo mit verderblichen Waren, Verbandsmaterialien und dergleichen gearbeitet wird, können Abfälle nicht nur alle zwei Wochen abgeholt werden."

Zudem stellen sich massive Platzprobleme ein, wenn zusätzliche Müllbehälter angeschafft werden müssten. In dieser Sache stehe er in einem guten Austausch mit dem Landratsamt und er habe "positive Signale" erhalten, dass weitere Änderungen folgen könnten.

Hofft auf "faire Lösung": Metzgermeister Friedrich Hauber aus Herrischried setzt sich als stellvertretender Obermeister der Fleischerinnung beim Landratsamt für eine Ausnahmeregelung bei der Müllentsorgung für Metzgereien ein. Bild: Markus Baier
"Wir brauchen eine wöchentliche Leerung." Metzgermeister Friedrich Hauber aus Herrischried, stellvertretender Obermeister der Fleischerinnung des Landkreises Waldshut. | Bild: Baier, Markus

Metzger-Innung will Ausnahmeregel

Für den sensiblen Bereich Lebensmittelproduktion, der strenge Auflagen erfüllen muss, sei die Umstellung auf 14-tägige Leerungsfrequenz "ein echter Rückschritt", sagt der Herrischrieder Metzgermeister Friedrich Hauber, stellvertretender Obermeister der Fleischerinnung des Landkreises Waldshut: "Wenn sich daran nichts ändert, haben wir im Handumdrehen ein gewaltiges Problem mit Ungeziefer und Geruchsbelästigung."

Daran ändere auch der Umstand nichts, dass er eine zweite Mülltonne bestellt habe, und tierische Abfälle wie Knochen oder Fett ohnehin durch die Tierkörperverwertung abgeholt werden.

Hauber ist überzeugt, dass das Lebensmittelhandwerk bei der Schaffung von Ausnahmeregelungen schlicht übersehen wurde, und setzt sich daher dafür ein, dass dies korrigiert werde: "Wir brauchen eine wöchentliche Leerung.

Alles andere geht auf Dauer nicht." Er stehe mit dem Landratsamt in dieser Sache in Kontakt. Auch Mitglieder des Kreistages wolle er für die Problematik sensibilisieren, denn das Gremium muss gegebenenfalls Änderungen beschließen. Die Landesinnung des Metzgerhandwerks wie auch die Handwerkskammer Konstanz habe er ebenfalls ins Boot geholt, so Hauber.

Daher sei er zuversichtlich, dass er mit dem Anliegen, das er mit seinen Berufsgenossen teilt, Gehör findet und am Ende eine faire Lösung für alle Beteiligten gefunden werden könne.

Mehrkosten für Gastronomie

"Noch mehr sortieren und noch mehr Kosten für mich. Zuerst dachte ich, dass wir sparen. Doch die Realität sieht anders aus", so fasst Andrea Scalabrin, Inhaberin der Osteria Bar Eden die Veränderungen bei der Müllentsorgung zusammen.

Das Gespräch mit der Wirtin in voller Länge lesen Sie hier:

Das könnte Sie auch interessieren