Die Bürger müssen ab Januar für die Müllabfuhr mehr Geld bezahlen. Die Leerung der grauen Tonnen wird im Landkreis um rund vier Prozent teurer. Der Kreistag beschloss im zweiten Anlauf eine Erhöhung, mit der die Leerungsgebühr nicht so stark steigt, wie beim ersten Verwaltungsvorschlag. Für die 60-Liter-Tonne bezahlen die Bürger fürs nächste Jahr 106 Euro Grundgebühr und pro Leerung dazu 3 Euro – bisher zahlten die Bürger 103 Euro Grundgebühr und pro Leerung 2,90 Euro. Die Erhöhung ist zum Teil auf die Einführung der Biotonne 2019 zurückzuführen.

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Die separate Abfuhr von biologischen Küchenabfällen mit der braunen Tonne war wohl auch der Grund für die sechs Gegenstimmen im Gremium, wie sie etwa FW-Fraktionssprecher Michael Thater begründete. Allerdings erfüllte der Kreistag mit dem Beschluss zur Einführung der braunen Tonne nur einen Gesetzesauftrag des Landes. Laut Sitzungsvorlage von Landrat Martin Kistler trägt die Biotonne zur Kostensteigerung beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises nur zu 41 Prozent bei.

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Auf 1,4 Millionen Euro schätzt die Verwaltung die Mehrkosten für Abfuhr und Bioabfallvergärung, die Ersparnis bei der Verbrennung des Restmülls gegengerechnet, bleiben unter dem Strich noch 1,19 Millionen Euro. Insgesamt aber sind 2,9 Millionen Mehraufwand bei der Abfallwirtschaft auszugleichen. Teilweise erhöhten die privaten Firmen in der Entsorgungskette ihre Preise, etwa für die Expressabholung für Sperrmüll oder die Verbrennung. Schon zum Januar 2017 hatte der Kreistag die Gebühren stark erhöht, die Jahresgrundgebühr für die Müllabfuhr um über 18 Prozent.

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Nach schweren Bedenken der Kreisräte bei der ersten Beratung verteilt sich die Kostendeckung für die Hausmüllabfuhr ab kommendem Jahr nun zu 65 Prozent auf die Jahresgebühr und zu 35 Prozent auf die zusätzliche Gebühr pro Leerung der grauen Tonne. Bei einer stärkeren Erhöhung der Leerungsgebühr befürchteten Kreispolitiker einen Anreiz für Bürger, ihren Abfall in der freien Landschaft zu entsorgen, um Geld zu sparen. Ab Januar kostet die Leerung nur wenig mehr als bisher, die Jahresgrundgebühr erhöht sich für den 60-Liter-Eimer um 3,53 Euro, für den 770-Liter-Behälter um 30,99 Euro.

Bild: Orlowski, Birgit

Das Kreisparlament lehnte eine gesonderte Abfuhr für Windeln – von Kleinkindern oder Inkontinenzpatienten – ab, um nicht andere Nutzergruppen mit den zusätzlichen Kosten zu belasten. Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Kreises hatte mehrere Anfragen von Bürgern erhalten.

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Mit der spürbaren Verteuerung der blauen Müllsäcke will der Landkreis die Nutzung zurückdrängen. Teils wegen der Hygiene, teils weil die Säcke das zulässige Füllgewicht von maximal 15 Kilogramm überschreiten, was der Unternehmer mit Hinweis auf den Arbeitsschutz nicht länger hinnehmen will. Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis 247 500 Müllsäcke verkauft. Spürbar nach oben bewegen sich auch die Gebühren für die Direktanlieferung auf den Kreisdeponien. Vom Straßenaufbruch bis zu hochbelasteten Hölzern liegt die Gebührensteigerung bei über acht Prozent.

Neben der Kritik an der Einführung der Biotonne im Januar gab es auch Lob von Kreisrat Peter Schanz: "Die Grünen freuen sich."

Was wird konkret teurer? Einige Rechenbeispiele

  • Restmüll: Der Müllwagen für die graue Tonne kommt nur noch alle zwei Wochen, dafür können die Haushalte eine Biotonne (gratis) bestellen, die jede zweite Woche geleert wird. Für eine 40-Liter-Tonne müssen die Bürger eine Jahresgebühr von 89,59 Euro (bisher: 86,62 Euro) bezahlen, die Leerungsgebühr kostet künftig 2,13 euro (bisher: 2,04 Euro). Für den 240-Liter-Behälter fällt eine Gebühr von 268,78 Euro an (bisher: 259,86 Euro) , pro Leerung werden 6,48 Euro fällig (bisher: 6,19 Euro).

Besondere Hygieneprobleme werden berücksichtigt: Für Krankenhäusern, Pflegeheime, Kläranlagen und Kommunen bleibt es bei der wöchentlichen Abfuhr des Restmülls.

  • Deponien: Direktanlieferer müssen auf den Deponien deutlich mehr bezahlen, die Gebühren steigen um etwa 8,5 Prozent. Beispiele: Erdaushub kostet 22,30 Euro pro Tonne (bisher: 20,50 Euro); die Entsorgung von Aschen, Brandschutt, Asbesthaltiges kostet 162,80 Euro (bisher: 150 Euro).
  • Müllsäcke: Für die Entsporgung der amtlichen Müllsäcke müssen die Bürger deutlich mehr bezahlen: Ein Sack kostet ab 2019 4,50 Euro statt bisher 3,40 Euro.
  • Altreifen, die immer häufiger in Münchingen und Wehr angeliefert werden, kosten für Personenwagen 4,30 Euro, Lastwagen-Reifen 29,50 Euro, jeweils ohne Felgen.
  • Sperrmüll: Die Schnellabholung von Sperrmüll und Altreifen kostet 110 Euro statt bisher 85  Euro für zwei Kubikmeter Sperrmüll.