Die Suche der Schweiz nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll ist um eine Komponente reicher. Lag der Fokus bislang darauf, einen Standort für ein Tiefenlager zu finden, nebst einer sogenannten Oberflächenanlage, in der die ausgedienten Brennstäbe für den Transport unter die Erde vorbereitet werden sollen, werden nun auch externe Verpackungsstationen untersucht.

Einer könnte profitieren

Welche Überlegungen sich dahinter verbergen, wird erst auf den zweiten Blick sichtbar. Erst dann macht dieses Modell – für dessen Erfinder – Sinn. Und nur für diese.

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Bislang war geplant, alte Brennstäbe auf dem Gelände des jeweiligen Atomkraftwerks in als sicher geltenden Behältern, beispielsweise Castoren, zu verpacken und von dort via Straße und/oder Schiene in Richtung Tiefenlager zu transportieren.

In den angeschlossenen Oberflächenanlagen sollten die Brennstäbe dann in Endlagerbehälter umgepackt und unter die Erde geschickt werden. Diese heiße Zelle könnte nun vom Tiefenlager abgekoppelt und beispielsweise auf das Gelände des Atomkraftwerks Leibstadt verlagert werden.

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Käme dieses Modell, würde sämtlicher hochradioaktiver Atommüll der gesamten Schweiz nach Leibstadt transportiert und von sicheren Castor-Behältern in, so unsere Informationen, weniger sichere Endlagerbehälter umgeladen. Um diese transportsicher zu machen, bräuchte es nochmals eine spezielle, strahlensichere Umverpackung.

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Die heiße Zelle würde also noch heißer werden und die Gefahr einer radioaktiven Belastung von Mensch und Natur könnte deutlich erhöht werden. Und: In Leibstadt würde auch nach der Stilllegung des dortigen Reaktors Mitte der 2040er Jahre weiter eine atomare Anlage in Betrieb sein. Und zwar so lange, bis auch der letzte Rest des Schweizer Atommülls unter der Erde ist.

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Die Nagra selbst hat stets argumentiert, dass eine räumliche Kombination aus Tiefenlager und Verpackungsstation die sicherste Variante sei. Weshalb also davon abrücken? Die Antwort könnte bei den Betreibern der Kraftwerke in Gösgen und Leibstadt liegen.

Elegante Nachnutzung

Einer von beiden hätte so eine elegante Nachnutzung seines Betriebsgeländes. Und vielleicht könnte einer der beiden Akw-Betreiber auch noch eine Stange Geld sparen. Bislang ist eine Summe von etwa 800 Millionen Franken im Gespräch, was die Stromkonzerne die sogenannte Abgeltung, also Zahlungen an die Gemeinden rund um ein Tiefenlager, kosten könnte.

Experten gehen davon aus, dass diese Summe mit einer externen Verpackungsstation deutlich geringer ausfallen könne. Sollte eine externe Verpackung für Atommüll einzig aus Kostengründen realisiert werden, kann die Antwort darauf nur lauten: Ablehnen – und zwar um jeden Preis.

 

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