Anfahren, Abbremsen, Anhalten. Anfahren, Bremsen, Warten: Die Strecke zwischen Singen und Waldshut-Tiengen ist etappenweise kein Vergnügen für die Verkehrsteilnehmer. Besonders zermürbend: Die langwierige Fahrt durch das schweizerische Neuhausen am Rheinfall und die umständliche Streckenführung auf deutscher Seite durch die Gemeinde Oberlauchringen hindurch auf die Autobahn. Doch das soll sich in absehbarer Zeit ändern.

Zwei Großprojekte beschäftigen derzeit die Planer und Ausführenden in Deutschland und der Schweiz. Bereits im Dezember 2019 soll der Galgenbucktunnel eröffnet werden, der Neuhausen am Rheinfall vom Durchgangsverkehr – bis zu 25 000 Fahrzeuge sind hier täglich unterwegs – entlastet. Mit der Ortsumfahrung Oberlauchringen soll ab Ende 2021 auch auf deutscher Seite der Verkehr besser fließen können.

1,1 Kilometer durch den Berg

"Aktuell laufen die Ausrüstungsarbeiten im Tunnel, der Rohbau ist seit Ende 2018 fertig", erklärt Projektleiter Andreas Weidinger vom Schweizerischen Bundesamt für Straßen ASTRA. Auf einer Länge von 1,1 Kilometern verläuft der Tunnel bis zum westlichen Ende in der Engi durch den Berg, und unterquert den Charlottenfelstunnel der Bahnstrecke und ein Wohngebiet. 240 Millionen Franken waren für das Projekt veranschlagt.

Fahrt durch den Galgenbucktunnel in Schaffhausen. Im Dezember 2019 soll der Tunnel für den Verkehr freigegeben werden.
Fahrt durch den Galgenbucktunnel in Schaffhausen. Im Dezember 2019 soll der Tunnel für den Verkehr freigegeben werden. | Bild: Olheide, Monika

"Wir werden den Zeitplan voraussichtlich auf den Monat genau einhalten können und liegen hinsichtlich der Kosten sogar unter dem veranschlagten Budget", sagt Weidinger. Ein großer Erfolg für das gesamte Projektteam. Derzeit wird vor allem im Bereich des Anschlusses Engi noch gebaut. Hier entsteht ein Kreisverkehr, über den die Einfahrt in den Tunnel von Westen her möglich ist.

Im Bereich Bahntal ist dann über eine Brücke die direkte Weiterfahrt auf die Autobahn Richtung Zürich möglich. Um Richtung Singen zu fahren, müssen die Verkehrsteilnehmer hier über eine Rampe auf die Schaffhauserstraße abfahren und dann, wie bisher, auf die Autobahn Richtung Osten auffahren. Von Singen ins Klettgau wird die Fahrt ohne Unterbrechungen möglich sein.

Ortsumfahrung Oberlauchringen soll 2021 fertig werden

Noch nicht ganz so weit ist man auf deutscher Seite mit der Ortsumfahrung Oberlauchringen, östlich der großen Kreisstadt Waldshut-Tiengen. Doch die Planung ist abgeschlossen und auch einen Fertigstellungstermin gibt es bereits: Ende 2021 soll der Verkehr elegant zwischen Erzingen und der A98 auf der neuen Straße vorbeiziehen.

Bislang müssen die Fahrzeuge, die in Ost-West-Richtung unterwegs sind, durch den Ortsteil Oberlauchringen und hier umständlich auf die Autobahn auffahren. Nicht zuletzt auch eine Belastung für die Anwohner.

Dieter Bollinger, beim Regierungspräsidium Freiburg zuständig für die Planung der Ortsumfahrung Oberlauchringen. Die Strecke soll bis 2021 fertiggestellt werden.
Dieter Bollinger, beim Regierungspräsidium Freiburg zuständig für die Planung der Ortsumfahrung Oberlauchringen. Die Strecke soll bis 2021 fertiggestellt werden. | Bild: Olheide Monika

Nicht ganz sicher ist aktuell, wie die Abfahrt der Autobahn 98 aus Richtung Waldshut aussehen wird, wenn alles fertig ist. Dieter Bollinger ist als leitender Baudirektor beim Regierungspräsidium Freiburg für das Projekt zuständig erklärt: "Aufgrund des Rückstaus durch den Linksabbiegeverkehr ins Wutachtal wird es eine Umgestaltung geben." Wie die aber tatsächlich aussehen wird, ob ein Kreisverkehr gebaut, oder eine Ampelanlage installiert wird, stehe derzeit noch nicht fest, so der Baudirektor.

Hoher Planungsaufwand

Ein hoher Planungsaufwand zeichnet die Ortsumfahrung aus, für die mit Kosten von rund 15,2 Millionen Euro gerechnet wird: Eine Brücke über die Wutachbahnlinie ist nötig, eine Brücke für die Hochrheinschiene – um nur zwei der planerischen Herausforderungen zu nennen. "Wir werden im ersten Halbjahr 2019 alle wesentlichen Leistungen ausgeschrieben und vergeben haben", erklärt Dieter Bollinger. Er ist sich sicher: "Ende 2021 wird der Verkehr auf der Ortsumfahrung fließen. Diesen Zeitplan wollen wir einhalten."

Zeit spielt auch auf der Straße eine Rolle. Für die Strecke von Waldshut-Tiengen nach Singen wird, je nach Tageszeit und Verkehrslage rund eineinhalb Stunden mit dem Auto benötigt. Sind beide Großprojekte fertig, werden Verkehrsteilnehmer in der Summe voraussichtlich bis zu 35 Minuten schneller ihr Ziel erreichen.

Blick auf den Verkehr im Bereich des östlichen Tunnelportals "Bahntal" mit der mächtigen Stützmauer. Alle Baumaßnahmen erfolgten trotz des Verkehrsflusses. Rund 25 000 Fahrzeuge sind hier täglich unterwegs.
Blick auf den Verkehr im Bereich des östlichen Tunnelportals "Bahntal" mit der mächtigen Stützmauer. Alle Baumaßnahmen erfolgten trotz des Verkehrsflusses. Rund 25 000 Fahrzeuge sind hier täglich unterwegs. | Bild: Olheide, Monika

Andreas Weidinger schätzt im Fall der Gemeinde am Rheinfall: "Je nach Verkehrslage nimmt die Fahrt durch Neuhausen unterschiedlich viel Zeit in Anspruch. Eine Durchfahrt, die in fünf Minuten möglich wäre, kann durchaus bis zu 25 Minuten dauern bei entsprechender Verkehrslage." Das liege in erster Linie an den hohen Verkehrsbelastungen in den Morgen- und Abendstunden sowie den Ampelanlagen innerorts.

Zwei Projekte – eine Gemeinsamkeit

Im Bereich Oberlauchringen ist vor allem die aktuelle Streckenführung ein Zeitfresser. Mit der Umfahrung soll der Verkehr von und ins Klettgau direkt profitieren, wie Dieter Bollinger ausführt: "Ich schätze, dass es mindestens fünf bis zehn Minuten sein werden, die man einspart durch die direkte Anbindung." Für die Verkehrsteilnehmer aus dem Wutachtal auf der Nord-Süd-Achse wird sich bis zur Autobahnauffahrt allerdings nichts ändern.

Der Verkehrsknoten Lauchringen. Von der A 98 abfahrende LKW müssen teils lange warten, bis sie auf die B 314, besonders nach links Richtung Wutöschingen, auffahren können. Das Ergebnis ist häufiger Rückstau bis auf die A 98. Schon bald soll der Ausbau der Ortsumfahrung Oberlauchringen hier aber weitergehen und bis zur Fertigstellung im Jahr 2021 soll die problematische T-Einmündung durch eine Ampel oder einen Kreisverkehr entschärft werden.
Der Verkehrsknoten Lauchringen. Von der A 98 abfahrende LKW müssen teils lange warten, bis sie auf die B 314, besonders nach links Richtung Wutöschingen, auffahren können. Das Ergebnis ist häufiger Rückstau bis auf die A 98. Schon bald soll der Ausbau der Ortsumfahrung Oberlauchringen hier aber weitergehen und bis zur Fertigstellung im Jahr 2021 soll die problematische T-Einmündung durch eine Ampel oder einen Kreisverkehr entschärft werden. | Bild: Peter Rosa

Die entscheidende Gemeinsamkeit beider Bauprojekte: Beide Bauvorhaben sollen nach ihrer Fertigstellung den Verkehrsfluss verbessern und für die Menschen, die an der bisherigen Streckenführung leben, Entlastung bringen.

Das könnte Sie auch interessieren