Monika Olheide und Andreas Gerber

Die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen erhebt jetzt Anklage gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Bad Säckinger Stadtwerke, Martin Ritter. Dem Ex-Geschäftsführer wird Untreue und Beihilfe zur Untreue vorgeworfen. Die Ermittlungen dauerten seit September 2021.

Weitere Untreuestraftaten stehen im Raum

Neben den Stadtwerken soll der nun Angeklagte zusammen mit einem ebenfalls beschuldigten Geschäftspartner auch Untreuestraftaten bei einem Freiburger Netzwerkbetreiber begangen haben, wie es hieß. Um welches Unternehmen es sich handelt wollte, die Staatsanwaltschaft nicht sagen.

Bevor Ritter Stadtwerke-Chef in Bad Säckingen wurde, war er bei der Badenova in Freiburg beschäftigt. Insgesamt sei den beiden betroffenen Unternehmen ein Schaden von 700.000 Euro entstanden. Die Anklage wurde beim Schöffengericht Bad Säckingen erhoben.

Der frühere Stadtwerkechef Martin Ritter (Archivbild Oktober 2020).
Der frühere Stadtwerkechef Martin Ritter (Archivbild Oktober 2020). | Bild: Gerber, Andreas

Laut Staatsanwaltschaft hätten Ritter und sein Partner die Stadtwerke Bad Säckingen mittels sogenannter Scheinrechnungen geprellt.

Stadtwerke mit Scheinrechnungen geprellt?

Das soll folgendermaßen funktioniert haben: Der Geschäftsführer habe vom Konto der Stadtwerke Gelder an seinen Partner überwiesen, so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft. Grundlage für diese Überweisungen seien Scheinrechnungen gewesen, mit denen Leistungen abgerechnet worden seien, die gar nicht existierten.

200.000 Euro Schaden bei den Stadtwerken

Laut Staatsanwaltschaft sei den Stadtwerken so zwischen November 2017 und Dezember 2020 ein Schaden von rund 200.000 Euro entstanden. Das Geld hätten sich die beiden geteilt. Ex-Geschäftsführer Ritter habe seinen Anteil von seinem Geschäftspartner jeweils in bar erhalten.

Auch Stadtwerke klagen gegen Ritter

Die Stadtwerke Bad Säckingen gehen ebenfalls gegen den ehemaligen Chef gerichtlich vor. Alexander Guhl, Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, bestätigte, dass der Versorger zivilrechtliche Schritte gegen den Ex-Geschäftsführer eingeleitet habe.

Ritter soll nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft schon vor seiner Tätigkeit bei den Stadtwerken als Angestellter eines Freiburger Netzbetreibers mit Scheinrechnungen gearbeitet und jenes Unternehmen damit um rund eine halbe Million Euro gebracht haben. Dies sei allerdings verjährt.

Die Staatsanwaltschaft hat zwischenzeitlich die Einziehung von Wertersatz in einer Gesamthöhe von 710.000 Euro beantragt. Einziehung von Wertersatz bedeutet: Damit soll sichergestellt werden, dass Vermögen, das ein Täter aus einer Straftat ergaunert, diesem wieder entzogen werden.

Letzte bekannte Station Stadtwerke Straubing

Im September 2021 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen gegen Ritter wegen Untreue ermittelt. Der hatte zu diesem Zeitpunkt Bad Säckingen bereits verlassen und war als Geschäftsführer zu den Stadtwerken Straubing gewechselt. Dort wurden im September 2021 seine Büro- und seine Privaträume durchsucht. Über das Verfahren gegen Martin Ritter berichtete der SÜDKURIER.

Ritter war seit Januar 2021 als Geschäftsführer der Stadtwerke Straubing angestellt. Der Arbeitgeber in Bayern gab im Dezember 2021 in einer Pressemitteilung bekannt, dass Ritter mit sofortiger Wirkung als Geschäftsführer abberufen werde. Während der laufenden Ermittlungen verlor Ritter seinen Geschäftsführerposten in Straubing. Das Vertrauensverhältnis sei gebrochen, hieß es dort es.

Ritters Aufenthaltsort ist unbekannt. Die Redaktion hat während der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen auf mehreren Wegen versucht, mit Martin Ritter selbst Kontakt aufzunehmen, damit er Stellung nehmen kann. Dies gelang jedoch nicht. Schon im September 2021 wollte sich Ritter zu den Vorfällen nicht äußern.

Bis das Verfahren abgeschlossen ist, gilt die Unschuldsvermutung.

Finanzielle Schieflage der Stadtwerke Bad Säckingen

Im Sommer 2022 drohte den Stadtwerken Bad Säckingen kurzzeitig die Insolvenz. Eine Millionenspritze musste her und diese kam nur eine Woche später: Die beiden Gesellschafter, Stadt Bad Säckingen und Energiedienst, pumpen 15 Millionen Euro in das Unternehmen, um es zu retten.

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(dpa/sk)