Wenn die Grenzkontrollen zwischen Deutschland und der Schweiz nach drei Monaten eingestellt werden, dürfte davon nicht zuletzt der Handel und das Gewerbe in der Stadt deutlich profitieren. Denn dann dürfen endgültig auch wieder die Einkaufstouristen kommen. Wie sich Händler und Gewerbetreibende in der Trompeterstadt darauf vorbereiten und wie sie die vergangenen Monate erlebt haben, schildern sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Schweizer Kunden fehlten in den vergangenen Monaten: Michael Schmidt, Geschäftsführer der Schmidts Märkte freut sich auf mehr Normalität.
Die Schweizer Kunden fehlten in den vergangenen Monaten: Michael Schmidt, Geschäftsführer der Schmidts Märkte freut sich auf mehr Normalität. | Bild: Susanne Eschbach

Schmidts Markt

„Wir freuen uns sehr, dass wieder Normalbetrieb einkehrt“, kommentiert Michael Schmidt, Geschäftsführer der Schmidts Märkte, die Aussicht auf die komplette Grenzöffnung. Damit ende für die Schmidts Märkte, die auf dem Brennet-Areal und in der Lohgerbe zwei Läden betreiben, eine „nicht ganz einfache Zeit“, sagt Schmidt, denn die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ausbleibens der Schweizer Kundschaft haben die Schmidtsmärkte deutlich zu spüren bekommen: „Allerdings waren die Folgen bei uns nicht so schlimm wie in anderen Sparten, denn wir durften wenigstens durchgehend die Geschäfte geöffnet lassen.“ Dennoch wurden Öffnungszeiten vorübergehend reduziert und 200 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt: „Das war für uns eine völlig neue Situation. In über 40 Jahren Tätigkeit im Lebensmitteleinzelhandel habe ich so etwas noch nie tun müssen. „

Aber nun soll es eben wieder zum regulären Betrieb übergehen, wobei gewisse neue Vorzeichen fürs Erste miteinkalkuliert werden müssen, sagt Schmidt: „Wir müssen erst einmal wieder grundlegend Vertrauen und den Glauben an Servicekompetenz aufbauen, denn bei unseren Kunden herrscht nach der turbulenten Krisenzeit mit ihrer Vielzahl an Verordnungen eine große Verunsicherung.“

Das könnte Sie auch interessieren

Wie stark sich die Grenzöffnung tatsächlich bemerkbar machen wird, lasse sich laut Schmidt noch nicht genau abschätzen. Insofern könne er vorab noch nicht sagen, inwieweit Regelungen für den Zutritt notwendig sein werden. Grundsätzlich seien alle Schmidts Märkte groß genug, dass Abstandsregelungen eingehalten werden können, ohne dass gravierende Veränderungen notwendig sind. Es könne aber durchaus zu Stoßzeiten kommen, zu denen sich Warteschlangen vor den Märkten bilden: „Wir sind jedenfalls auf alle denkbaren Möglichkeiten vorbereitet und werden auch etwaige Wartezeiten durch kleine Aktionen so angenehm wie möglich gestalten“, verspricht Schmidt.

Infektionsschutz im Geschäft: Dino Betto, Filialleiter beim Elektronikmarkt Expert Villringer in Bad Säckingen bedient eine Kundin. Beide tragen Mundschutz, zusätzlich trennt eine Scheibe Kundin und Kassierer. An den Sicherheitsvorkehrungen soll nicht gerüttelt werden. Bild: Susanne Eschbach
Infektionsschutz im Geschäft: Dino Betto, Filialleiter beim Elektronikmarkt Expert Villringer in Bad Säckingen bedient eine Kundin. Beide tragen Mundschutz, zusätzlich trennt eine Scheibe Kundin und Kassierer. An den Sicherheitsvorkehrungen soll nicht gerüttelt werden. Bild: Susanne Eschbach | Bild: Susanne Eschbach

Expert Villringer

„Wir haben unter der Komplettschließung während des Corona-Lockdowns wesentlich stärker gelitten als unter dem Ausbleiben der Schweizer Kundschaft.“ So bilanziert Bruno Hall, Geschäftsführer der Elektronik-Fachmarktkette Expert Villringer, die vergangenen Monate. Der Anteil an Schweizer Kunden sei bei den Elektromärkten in der Regel wesentlich geringer als in anderen Sparten, insofern gehe er nicht davon aus, dass die Märkte nach der Grenzöffnung überrannt werden.

Grundsätzlich sei es aber schwierig, Erwartungen zu formulieren, denn während der Corona-Krise seien Pläne immer wieder kurzfristig ausgehebelt und Vorhaben auf den Kopf gestellt worden, sagt Hall. Generell stelle er allerdings eine stärkere Kundenzurückhaltung fest. Dies habe augenscheinlich mit der generellen Krisenstimmung zu tun, in der die Menschen verunsichert seien und auch eine gewisse Sorge um den Arbeitsplatz haben, weswegen sie kostspieligere Anschaffungen eher zögerlich tätigen. „Ich gehe davon aus, dass sich die Lage erst im Frühherbst wieder einigermaßen entspannt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Aufgabe des Handels sei es, in dieser Situation einen Beitrag zu leisten, indem etwa auch nach Rückkehr der Schweizer Kunden die Einhaltung der Hygiene-Regelungen strikt kontrolliert werde: „Wir passen etwa genau auf, wie viele Kunden sich im Laden befinden und dass jeder einen Mundschutz trägt“, so Hall. Das gelte sowohl für das Personal als auch für die Kundschaft.

Bei Simon Kühn, Inhaber von My Paketshop in Wallbach, warten rund 12.000 Pakte auf ihre Abholung.
Bei Simon Kühn, Inhaber von My Paketshop in Wallbach, warten rund 12.000 Pakte auf ihre Abholung. | Bild: Susanne Eschbach

Mypaketshop

Eine Branche, die durch die Grenzschließung besonders hart getroffen wurde, sind Grenzland-Paketservices, die Schweizer Privatleuten und Unternehmen eine Lieferadresse in Deutschland zur Verfügung stellt. Denn infolge der Grenzschließung war auch die Wareneinfuhr in die Schweiz erschwert. Wie Simon Kühn, Inhaber von My Paketshop in Wallbach, darstellt, kämen seit Mitte Mai wieder mehr Kunden, wobei viele sich einen Arzttermin holten, um einen Grund zum Grenzübertritt zu haben. In den Wochen davor beschränkte sich das Geschäft ausschließlich auf Gewerbekunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Grenzöffnung fiebere sein Unternehmen besonders stark entgegen, wobei auch in verschiedener Form gewährleistet werde, dass der Kundenverkehr reibungslos und möglichst ohne Wartezeiten oder gar „chaotische Zustände“ vonstatten gehe, so Kühn: „Wir setzen die maximale Anzahl an Mitarbeitern ein, um eine schnelle Paketausgabe zu gewährleisten.“

Dazu wurde organisatorisch bereits ein Menge in die Wege geleitet, gerade im Hinblick auf die möglichst umfassende Kundeninformation. Zudem wurden Überlagerungsgebühren bis Ende Juni gestrichen, wodurch Kühn eine Entzerrung der Kundenströme gewährleisten möchte. Dennoch geht auch er mit eher bedachten Erwartungen an die neue Situation: „Aus unserer Sicht werden sich die Verhältnisse nur langsam wieder den Vorcorona-Zeiten angleichen.“ Frühestens im September rechnet er mit einer Rückkehr zum Normalbetrieb.

Das könnte Sie auch interessieren

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €