Sie gelten als besonders gefährdete Risikogruppe: Die Bewohner von Seniorenheimen. Um sie zu schützen, wurde in der Corona-Verordnung ein Besuchsverbot erlassen. Dieses ist nun unter bestimmten Voraussetzungen aufgehoben. Die Heime in und rund um Bad Säckingen erzählen, wie sie mit den Besuchsregeln umgehen.

Seniorenzentrum St. Franziskus Bad Säckingen

Schon vor der Änderung der letzten Verordnung, und zwar seit dem 4. Mai, steht am Seniorenzentrum St. Franziskus ein Besuchshäuchsen „Vis-a-vis“ der Bad Säckinger Schreinerei Matt. Und die Umsetzung der Besuche von Angehörigen gelingt raffiniert: Die Bewohner werden vom Pflegepersonal in den Raum „Kapelle“ gebracht und setzen sich dort an das geöffnete Fenster. Auf der gegenüberliegenden Seite steht die voll verglaste Rückseite des Besuchshäuschens, wo der Angehörige sitzt. Mit einer Gegensprächanlage kann sich der Bewohner dann mit seinem Angehörigen unterhalten, erklärt Heimleiter Hartmut Fricke.

Die Besuchshäuschen Vis à Vis im Seniorenzentrum St. Franziskus.
Die Besuchshäuschen Vis à Vis im Seniorenzentrum St. Franziskus. | Bild: Hartmut Fricke

„Das funktioniert ganz gut“, so Fricke. Zuerst ging das Projekt in eine Testphase, jetzt gehört es zum Alltag und ist die einzige Möglichkeit im Seniorenzentrum St. Franziskus Besuche zu empfangen. Besuche innerhalb des Heims sind weiterhin nicht möglich. Bereits 45 Besucher konnten so empfangen werden. Auch die Angehörigen und Bewohner nähmen das Angebot sehr positiv entgegen, auch wenn es den physischen Kontakt nicht ersetzen könnte, so Fricke. „Von einem persönlichen Kontakt sind wir noch weit entfernt“, so der Heimleiter. Immerhin sei das Gefährungspotention der Bewohner, sich mit dem Virus anzustecken und daran sogar zu sterben, deutlich höher, sagt Fricke. Der Personenkreis sei in einer besonderen Weise zu schützen.

Die Besuchshäuschen Vis a Vis im Seniorenzentrum St. Franziskus. Hier können sich Angehörige endlich wieder sehen.
Die Besuchshäuschen Vis a Vis im Seniorenzentrum St. Franziskus. Hier können sich Angehörige endlich wieder sehen. | Bild: Hartmut Fricke

St. Franziskus war laut Fricke das erste Haus, das die Besuchshäuschen erprobt hat. Diese Möglichkeit habe der Förderkreis des St. Franziskus geschaffen, der dafür die finanziellen Mittel bereit stellte. Im St. Franziskus gilt aktuell ein klares Besuchskonzept: Wer seinen Angehörigen besuchen möchte, muss sich vorher anmelden, sich registrieren lassen und wird befragt, erklärt Fricke das Verfahren. Die Besucher tragen einen Mund-Nasen-Schutz und dürfen nur zu vorgegebenen Zeiten kommen.

Hartmut Fricke, Heimleiter des Seniorenzentrums St. Franziskus in Bad Säckingen
Hartmut Fricke, Heimleiter des Seniorenzentrums St. Franziskus in Bad Säckingen | Bild: Linke, Frank

„Es ist sehr bedeutsam, dass sich Bewohner und Angehörige endlich wieder sehen können“, sagt Fricke. Meist handle es sich um enge Verwandte oder Ehepartner, die man lange nicht sehen konnte.

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St. Vinzentiushaus Murg

„Wir bieten unseren Bewohnern und Angehörigen seit mehr als drei Wochen Besuchsmöglichkeiten, entweder am Gartenzaun, oder am offenen Fenster unter Wahrung des Sicherheitsabstandes“, schreibt Renate Howk, Heimleiterin des St. Vinzentiushauses in Murg. Nun sind unter bestimmten Voraussetzungen auch wieder Besuche im Haus möglich. Dass dies für einen Mehraufwand sorgt, macht Howk klar: „Durch die neuen Regelungen werden täglich mindestens zwei Mitarbeiter der Pflege und Betreuung nur damit beschfäftigt sein, damit wir den Besuchen im Haus gerecht werden können. Diese Arbeitszeit wäre sicherlich sinnvoller in anderen Art und Weise mit und für den Bewohner gewesen.“

Das Altenpfegeheim St. Vinzentiushaus in Murg
Das Altenpfegeheim St. Vinzentiushaus in Murg | Bild: Chymo, Brigitte

Es gelten auch hier klare Regeln: Pro Bewohner und Tag ist maximal ein Besuch erlaubt, von maximal zwei Personen. Die Dauer des Besuchs darf maximal dreißig Minuten betragne. Besuche sind nur in den dafür ausgewiesenen Besucherzimmern möglich. Das ist die ehemalige Cafeteria im Erdgeschoss, sowie der Festsaal im dritten Obergeschoss. „Ein Besuch in den Zimmern der Bewohner ist auch jetzt noch nicht möglich zum Schutz aller Bewohner, die aus vielerlei Gründen die notwendigen Maßnahmen gar nicht umsetzten können“, steht in der neuen Besuchsverordnung des St. Vinzentiushaus. Das Betreten des Besuchzimmers ist nur in Begleitung eines Mitarbeiters gestattet. Die Besucher müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen, weiterhin die Abstandsregeln einhalten und sich einen Tag zuvor anmelden sowie registrieren lassen sowie beim Ende des Besuchs wieder abmelden. Die Einschränkungen gelten nicht für nahestehende Personen im Rahmen der Sterbebegleitung.

Pflegeheim der Bürgerstiftung Wehr

„Zum einen möchten wir Besuche ermöglichen zum anderen dabei niemanden gefährden.
Diesen Spagat zu schaffen ist eine Herausforderung“, sagt Boris Blazevic, Einrichtungsleitung des Pflegeheims der Bürgerstiftung Wehr. Im Eingangsbereich der Cafeteria hat das Pflegeheim eine „Besucherkabine“ eingerichtet. Besuche in den Heimbewohnerzimmern sind nur unter besonderen Bedingungen zulässig und bedürfen einer vorherigen Absprache und Genehmigung von der Einrichtungsleitung. Wer zu zweit seine Angehörigen besuchen möchte, muss einen Mund-Nasen-Schutz tragen, da in der Besuchskabine der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann.

Mit Abstand: Heimleiter Boris Blazevic und Stationsleiterin Schwester Katja sowie ihre 79 Kollegen kümmern sich mit viel Einsatz um die 65 Senioren im Wehrer Pflegeheim. Dabei sind Mundschutz und Abstand selbstverständlich.
Mit Abstand: Heimleiter Boris Blazevic und Stationsleiterin Schwester Katja sowie ihre 79 Kollegen kümmern sich mit viel Einsatz um die 65 Senioren im Wehrer Pflegeheim. Dabei sind Mundschutz und Abstand selbstverständlich. | Bild: Julia Becker
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Seniorenzentrum „Rheinblick“ Laufenburg

„Die Bewohnenden freuen sich sehr über die Besuche nach der Zeit sozialer Distanz, unser wichtigstes Ziel ist nach wie vor der Schutz der Menschen in unseren Einrichtungen“, sagt Simone Baumgartner, Pressesprecherin des betreibenden Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Baden-Württemberg. Es wurde ein Besucherzimmer eingerichtet, welches Angehörige und Besucher mit einer Plexiglasscheibe trennt. Während des Besuchs muss ein Mund-Nasenschutz getragen werden, die Hände müssen ebenfalls desinfiziert werden. Besuche müssen spätestens 24 Stunden vorher angemeldet und genehmigt werden. Maximal zwei Besuchende gleichzeitig sind erlaubt und die Besuchszeit ist auf 45 Minuten begrenzt, damit wir auch möglichst viele Besuche ermöglichen können.

Das Seniorenzentrum „Rheinblick“ in Laufenburg.
Das Seniorenzentrum „Rheinblick“ in Laufenburg. | Bild: Charlotte Fröse

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