Kleine Besorgungen erledigen, Gesellschaft leisten oder einfach mal einen Blick auf das Kind der Nachbarn werfen. Früher eine Selbstverständlichkeit unter Nachbarn, heute werden Vereine dafür gegründet. In den zurückliegenden Jahren sind in Wallbach, Harpolingen, Murg und Görwihl gleich mehrere Soziale Börsen, Bürgervereine oder Nachbarschaftshilfen gegründet worden und sie arbeiten erfolgreich.

Blick auf zwei Vereine in der Umgebung

Viele Arbeitsstunden werden ehrenamtlich eingebracht, um die Menschen in der Umgebung in ihrem Alltag zu unterstützen und damit zu erleichtern. Nachbarschafts- und Bürgervereine gibt es in ganz unterschiedlichen Formen. Wir haben uns zwei Vereine näher angeschaut: Den Bürgerverein Harpolingen und die Nachbarschaftshilfe Murg.

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Aufgrund der Grenznähe ist die Hochrheinschiene beliebt, vor allem bei jungen Familien. Das sorgt für knappen Wohnraum sowie hohe Grundstücks- und Wohnungspreise in der Kernstadt von Bad Säckingen, weshalb sich Familien auch auf den ländlichen Raum konzentrieren. Dort wiederum schrecken fehlende oder schlechte Anbindungen an die öffentlichen Nahverkehrsmittel ab.

Hilfe mit vielen Facetten

Auch die festen Strukturen in einer Dorfgemeinschaft machen es den Zugezogenen schwer, Anschluss zu finden. Die erwachsenen Kinder arbeiten und leben inzwischen in einer anderen Stadt und die Eltern bleiben alleine zurück. „Wenn man sich da in keinem Verein engagiert, wird es schwierig und bleibt allein“, sagt die Vorsitzende des Bürgervereins „Daheim in Harpolingen“, Christine Oechslein.

Der Bürgerverein in Harpolingen ist keine klassische Nachbarschaftshilfe, sondern regt Projekte im Ort an, die das Leben auf dem Land noch lebenswerter machen. „Bei uns profitieren keine einzelnen Gruppen, sondern bei uns hat die Gemeinschaft etwas davon“, erklärt Christine Oechslein. Auch in Harpolingen leben inzwischen viele Zugezogene und der Bürgerverein rekrutiert sich vor allem aus Mitgliedern, die vor wenigen Jahren oder gerade erst, nach Harpolingen gezogen sind, wie die Vorsitzende bestätigt.

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Realisierung von Projekten

Erst kürzlich ist durch den Verein eine Boule-Bahn eröffnet worden und aktuell arbeiten die Mitglieder an der Realisierung eines Mountainbike-Trails für Kinder und Jugendliche. Der Verein hat aber auch schon eine Mostaktion gestartet. Mit dem überschüssigen Obst aus Harpolinger Familien, wurde Most gemacht und als „Harpolinger Apfelsaft“ angeboten. Auch das Angebot eines gemeinsamen Mittagstisches im Abstand von 14 Tagen, wird gerne angenommen. Und das „Mitfahrbänkle“ für Harpolinger Bürger, die vom Ort aus nach Bad Säckingen oder zurückwollen, ist eine Idee des Bürgervereins, der sich vor knapp zwei Jahren gegründet hatte.

Bürgerverein in Aktion: Als Ergebnis der Zukunftswerkstatt „Lebendige Dorfmitte“ entstand das Mitfahrerbänkle beim ehemaligen Dorfladen. Von links: Christine Oechslein (Vorsitzende), Christina Büche (Fachbereich Grünpflege), Martin Maier, Jonas Baumgartner (Erbauer des Wartehäuschens), Doris Neufahrt und Klaus Fischer (Bürgerverein).
Bürgerverein in Aktion: Als Ergebnis der Zukunftswerkstatt „Lebendige Dorfmitte“ entstand das Mitfahrerbänkle beim ehemaligen Dorfladen. Von links: Christine Oechslein (Vorsitzende), Christina Büche (Fachbereich Grünpflege), Martin Maier, Jonas Baumgartner (Erbauer des Wartehäuschens), Doris Neufahrt und Klaus Fischer (Bürgerverein). | Bild: Hans-Walter Mark

Doch benötigt es diese Vereine wirklich? Es sollte doch gerade im ländlichen Raum eine Selbstverständlichkeit sein, dass man sich gegenseitig unterstützt. „Die erste Reaktion der ‚Ureinwohner‘ von Harpolingen war Unverständnis“, so Oechslein weiter. „Sie dachten, was wollt ihr uns noch vormachen“. Doch mit den Ideen und deren erfolgreichen Umsetzung kam dann auch die Anerkennung. „Inzwischen kommen immer mehr alteingesessene Harpolinger zu uns, melden sich als Passivmitglied an oder arbeiten an einzelnen Projekten mit“, erklärt sie weiter. Und genau das macht die erfolgreiche Arbeit des Bürgervereins aus. „Wir folgen keinen starren Regeln, sondern es kann jeder mitarbeiten wie und wie oft er möchte“, erklärt es die Vorsitzende. Niemand wird gezwungen, regelmäßig an diesen Treffen dabei zu sein. „Jeder wie er möchte“.

Anfragen häufen sich

Die Nachbarschaftshilfe in Murg, steht kurz vor ihrem ersten Geburtstag. „Unser Angebot richtet sich an Familien und Senioren“, erklärt Alexandra Bäumle, die als Einsatzleiterin die Anfragen koordiniert und die Hilfen organisiert. Auch in Murg häufen sich die Anfragen, wobei: „Wir sind ein junger Verein und arbeiten noch im Kleinen“, sagt die Einsatzleiterin. Es sind vor allem Senioren aus Murg, die die Hilfe der Mitglieder in Anspruch nehmen.

Alexandra Bäumle, Einsatzleiterin bei der Nachbarschaftshilfe in Murg.
Alexandra Bäumle, Einsatzleiterin bei der Nachbarschaftshilfe in Murg. | Bild: Tanja Oldenburg

„Es werden Besorgungen erledigt, Spaziergänge unternommen oder auch gemeinsam gekocht“, so Bäumle weiter. Nicht nur die Senioren freuen sich über die Arbeit des Vereins. Auch die Mitglieder selbst profitieren. „Wir haben zum Beispiel eine Altenpflegerin im Ruhestand, die sich fit genug fühlt, noch etwas zu tun“, so die Einsatzleiterin. Der Verein besteht vor allem aus weiblichen Mitgliedern. „Es sind Frauen dabei, deren eigene Kinder inzwischen aus dem Haus sind und sie so wieder mehr Zeit haben. Sie wollen der Gesellschaft wieder etwas zurückgeben“.

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Begleitung im Alltag haben

In regelmäßigen Abständen fragt Alexandra Bäumle bei den Klienten nach: „Es ist schön, zu hören, wie sehr sich die Leute über dieses Angebot freuen, weil sie wieder Begleitung im Alltag haben und sich auf eine gemeinsame Zeit freuen können“. Es ist aber auch ein Vorteil für die Bewohner, dass sie eine zuverlässige Größe in ihrem Alltag haben. „Es erleichtert ungemein, wenn man bei Bedarf auf jemanden zurückgreifen kann, ohne vorher auf eine lange Suche zu gehen und vielleicht Kompromisse machen zu müssen“, bestätigt die Einsatzleiterin. Das gilt auch für junge Familien, deren Kinder aus der Schule oder den Kindergarten abgeholt werden oder die nachmittags eine Betreuung für ihre Kinder haben.