In der Einwohnerversammlung in der Gemeindehalle Eggingen wurde über den künftig möglichen Betrieb des Naturbadesees Eggingen durch den sich in Gründung befindenden Verein informiert. Dabei geht Eggingen innovativ vor, die Naturbadesee-Anlage soll ohne Badeaufsicht betrieben werden. Der Zugang ist nur Mitgliedern (und Tagesmitgliedern) per Transponder-Chip möglich, welche Vereinssatzung und Badeordnung akzeptieren und keine Haftungsansprüche stellen.

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  • 30 Bürger aktiv für Badesee: Im Anschluss an die jüngste öffentliche Sitzung Mitte September hatte Bürgermeister-Stellvertreter Holger Kostenbader im nichtöffentlichen Teil die Aktivitäten der Gruppe Badesee vorgestellt. Dies nahm der Gemeinderat Eggingen zum Anlass für eine Einwohnerversammlung. Etwa 30 interessierte Bürger hatten sich nach der ersten Einwohnerversammlung zum Thema Zukunft Badesee im Mai 2019 zusammengefunden und waren bereits sehr aktiv gewesen, ohne dass dies öffentlich bekannt wurde. Arbeitseinsätze nach der Winterpause, während der Sommermonate, darunter auch im Anschluss an die Eröffnung 2021 aufgrund der Überschwemmung der Regenerationsbecken, wurden von den 30 Bürgern gemeinsam mit dem Bauhof Eggingen bewältigt. Die Suche der Gemeindeverwaltung nach einer Badeaufsicht gestaltete sich erneut schwierig (wir hatten berichtet). Dies nahm Holger Kostenbader zum Anlass, seine im Juni 2019 vorgeschlagene Lösung eines Privatbades ohne Badeaufsicht weiter voranzutreiben: „Die ständige Abhängigkeit von einem Bademeister hat mich motiviert, dies wieder in den Blick zu nehmen.“ Im gut 300 Kilometer entfernten „Schwimmbad am Wäldchen“ in Ober-Beerbach bei Darmstadt wird seit bereits 25 Jahren erfolgreich das Baden ohne Badeaufsicht betrieben. Die Homepage www.schwimmbad-am-waeldchen.de informiert im Detail, wie der Verein das Schwimmen dort handhabt. Nach Gesprächen mit dem Vorstand in Ober-Beerbach und den 30 Eggingern wurde eine passgenaue Lösung für Eggingen gesucht, die 30 Helfer hatten in Arbeitsgruppen bereits darauf hin gearbeitet.
: Bereits vor der Vereinsgründung hatten sie in diversen Arbeitsbereichen den Betrieb der Naturbadesee-Anlage Eggingen abgeklappert und durchgerechnet. Von links: Bauhofmitarbeiter Robert Gantert, Gemeinderat Christian Schmutz, Udo Schilling, Inhaber von Elektro Kriechbaum, Bürgermeister Karlheinz Gantert, Hauptamtsleiterin Susanne Kaemmer, Rechtsanwalt Erich Böhrer, Bürgermeisterstellvertreter und Initiator des Badesee-Vereins Holger Kostenbader.
: Bereits vor der Vereinsgründung hatten sie in diversen Arbeitsbereichen den Betrieb der Naturbadesee-Anlage Eggingen abgeklappert und durchgerechnet. Von links: Bauhofmitarbeiter Robert Gantert, Gemeinderat Christian Schmutz, Udo Schilling, Inhaber von Elektro Kriechbaum, Bürgermeister Karlheinz Gantert, Hauptamtsleiterin Susanne Kaemmer, Rechtsanwalt Erich Böhrer, Bürgermeisterstellvertreter und Initiator des Badesee-Vereins Holger Kostenbader. | Bild: Yvonne Würth
  • Vor der Vereinsgründung: „Was hier oben sitzt, ist kein Verein. Die Kollegen waren zuständig für gewisse Fachbereiche“, erklärte Holger Kostenbader den zahlreich erschienen Bürger aus Eggingen und umliegenden Orten. Rechtsanwalt Erich Böhrer hatte eine Satzung erstellt und sämtliche Haftungsthemen hinsichtlich des Verzichts auf eine Badeaufsicht durchleuchtet.
Rechtsanwalt Erich Böhrer hatte die Satzung für den zu gründenden Badesee-Verein erstellt. Ein wichtiger Punkt in den Vorüberlegungen ist die Haftung, denn auf eine Badeaufsicht wird verzichtet. Mit der Mitgliedschaft (als festes Mitglied wie auch als Tagesmitglied) erklärt sich jeder einverstanden, die Badeordnung und die Satzung zu akzeptieren. Mitglieder können keinerlei Haftungsansprüche stellen, das Baden erfolgt auf eigene Gefahr, wie auch bei anderen Gewässern.
Rechtsanwalt Erich Böhrer hatte die Satzung für den zu gründenden Badesee-Verein erstellt. Ein wichtiger Punkt in den Vorüberlegungen ist die Haftung, denn auf eine Badeaufsicht wird verzichtet. Mit der Mitgliedschaft (als festes Mitglied wie auch als Tagesmitglied) erklärt sich jeder einverstanden, die Badeordnung und die Satzung zu akzeptieren. Mitglieder können keinerlei Haftungsansprüche stellen, das Baden erfolgt auf eigene Gefahr, wie auch bei anderen Gewässern. | Bild: Yvonne Würth
  • Udo Schilling und Ralf Schönle kümmerten sich um die Kameraüberwachung und den Transponder, der personalisiert und minutengenau den Zugang zur Badeseeanlage ermöglicht, je nach Voreinstellungen. So kommt ein Vorstandsmitglied beispielsweise in alle Räume, ein Vereinsmitglied auf die Anlage und in die sanitären Anlagen, ein Tagesmitglied beispielsweise vom Landhotel „Wilder Mann“ kann zu bestimmten Tagen schwimmen.
5 Eggingen: Bürgermeisterstellvertreter und Initiator des Badesee-Vereins Holger Kostenbader stellte in der Bürgerversammlung in der Halle Eggingen die Vorüberlegungen des Badesee-Vereins vor. Die Anlage wird ohne Badeaufsicht betrieben, jedes Mitglied (Vollmitglieder sowie Tagesgäste) erklären sich einverstanden, die Badeordnung und Satzung zu akzeptieren. Sie können keinerlei Haftungsansprüche stellen. Ziel ist, durch Schwimmkurse verstärkt aus Nichtschwimmern gute Schwimmer zu machen, außerdem soll das Vereinsleben in Eggingen gestärkt werden mit Veranstaltungen auf der schönen Anlage. Bild: Yvonne Würth
5 Eggingen: Bürgermeisterstellvertreter und Initiator des Badesee-Vereins Holger Kostenbader stellte in der Bürgerversammlung in der Halle Eggingen die Vorüberlegungen des Badesee-Vereins vor. Die Anlage wird ohne Badeaufsicht betrieben, jedes Mitglied (Vollmitglieder sowie Tagesgäste) erklären sich einverstanden, die Badeordnung und Satzung zu akzeptieren. Sie können keinerlei Haftungsansprüche stellen. Ziel ist, durch Schwimmkurse verstärkt aus Nichtschwimmern gute Schwimmer zu machen, außerdem soll das Vereinsleben in Eggingen gestärkt werden mit Veranstaltungen auf der schönen Anlage. Bild: Yvonne Würth
  • Auch Familienmitglieder von außerhalb sowie Interessenten aus der Region können unter gewissen Voraussetzungen das kühle Nass genießen. Eine Kameraüberwachung soll nicht nur den Eintritt kontrollieren, sondern auch den Badeseebereich selbst. Die Aufnahmen werden nach 48 Stunden wieder überschrieben. Christian Schmutz und Robert Gantert hatten den Arbeitsaufwand aufgestellt, der notwendig ist, um die Anlage zu pflegen. „Bei 100 Mitgliedern ist es ein Tag je Mitglied Arbeitsaufwand“, erklärte Kostenbader.
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  • Was braucht der Verein von der Gemeinde? Mit der Verpachtung geht die Gemeinde die Verpflichtung ein, einen jährlichen Zuschuss weiter zu tragen. Außerdem sollen weitere Instandhaltungskosten von der Gemeinde getragen werden. Durch den Badesee-Verein werden jährlich 24.000 Euro an Betriebskosten eingespart. Außerdem gewinnen Verwaltung und der Bauhof Arbeitszeit, es gab kein Jahr, an dem diese weniger als 250 Stunden für den Badesee aufgebracht hatte. 2019 waren es 285 Stunden. 2020 war die Anlage wegen Corona geschlossen, 2021 gab es durch die Überflutung des Ackers in die Regenerationsteiche mehr Aufwand. Zudem sollen Kosten für bestimmte Instandhaltungsmaßnahmen eingespart werden, da Mitglieder Eigenleistungen erbringen können.
  • Fragen der Bürger: Warum eine Tür in der Nähe des Sportvereins verlegt werden muss (Reinhard Limberger), welche Arbeiten anstehen und wie eine Pflichtverletzung der Haftung eines Elternteils zugeordnet oder nachgewiesen werden soll (Christof Benz), wurde gefragt. Mithilfe einer Kameraüberwachung und einer Überprüfung durch die Polizei soll dies ermöglicht werden. Die Tür wird versetzt, damit kein unbefugter Zugang von Nichtmitgliedern möglich sei. „Der Verein ist raus. Wenn ein Elternteil dies missbräuchlich zulässt, und es passiert was, sind die Eltern haftbar“, erklärte Holger Kostenbader. „Wenn mein Kind an die Wutach geht, dann bin ich gleich weit. Aber ich weiß nicht, wer sonst noch alles da ist.“ Lucia van Kreuningen wollte in der Einwohnerversammlung wissen, ob auch jemand von außerhalb der Gemeinde Mitglied werden darf. Dies sei selbstverständlich möglich, erklärte Holger Kostenbader. Ein Mitglied soll eine festgelegte Anzahl an Arbeitsstunden erledigen, je mehr Mitglieder es sind, umso weniger Arbeit fällt für den Einzelnen an. Aber es werden auch individuelle Vereinbarungen getroffen vom Vorstand, für Mitglieder, die körperlich nicht fit genug sind. Diese können dann Geld statt Stunden einsetzen, in Betracht komme auch ein 450 Euro Jobber. „Wenn es nicht läuft, geht das Ding wieder an die Gemeinde zurück. Es sind nicht mal 21.000 Euro Investitionskosten, das Risiko ist überschaubar“. „Ein anderes Konzept gibt es nicht? Was passiert mit dem Badesee, wenn kein Verein gegründet wird?“ wollte Silvia Ebi wissen. Dann bleibe alles, wie es ist, allerdings sei dies keine Dauerlösung, erklärte Bürgermeister Karlheinz Gantert. Denn bei der kommenden finanziellen Situation werde das Geld für Pflichtaufgaben benötigt, der Badesee sei eine freiwillige Leistung der Gemeinde. Er sicherte allerdings die Unterstützung der Gemeinde für den Badesee-Verein zu: „Hier in Eggingen wird viel in Eigenregie von den Vereinen geleistet. Es ist immer ein miteinander gewesen mit den jeweiligen Vereinen, wir haben immer eine Möglichkeit gefunden.“
Bürgermeister Karlheinz Gantert gab in der Bürgerversammlung einen historischen Rückblick seit dem Bau des Heidelbads Eggingen 1970 und dem Umbau 2000 in einen Naturbadesee ohne Chlorierung.
Bürgermeister Karlheinz Gantert gab in der Bürgerversammlung einen historischen Rückblick seit dem Bau des Heidelbads Eggingen 1970 und dem Umbau 2000 in einen Naturbadesee ohne Chlorierung. | Bild: Yvonne Würth