Zum 16. Mal hatdie Wehrer SPD am Aschermittwoch den Gustav-Struve-Hut überreicht – mit Leni Breymaier in diesem Jahr an eine Politikerin, die sich als Gewerkschafterin und Bundestagsabgeordnete besonders um soziale Themen von Mindestlohn bis zum Kampf gegen Menschenhandel und Prostitution verdient gemacht hat.

Es war ein Abend der starken Frauen: Neben der ehemaligen Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Leni Breymaier auch mit den Gästen wie Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter und der ehemaligen Bundestagsabgeordneten, SPD Fraktionsvorsitzenden im Kreistag und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Karin Rehbock-Zureich. Mit der Organisatorin und Altstadträtin Angelika Buchmann-Flaitz und ihrer Vorgängerin, der Altstadträtin Karin Kaiser, mit der Wehrer Fraktionsvorsitzenden und Kreisrätin Karin Gallmann.

Eingeladen: Der SPD-Ortsverein, vertreten durch (von links) Karin Gallmann, André Langbein, Angelika Buchmann-Flaitz, Kurt Wenk und Tina Wunderle, freute sich, Leni Breymaier (Mitte) in Wehr zu begrüßen. Auch die Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter und die ehemalige Bundestagsabgeordnete Karin Rehbock-Zureich ließen sich die Gelegenheit für einen Besuch nicht entgehen.
Eingeladen: Der SPD-Ortsverein, vertreten durch (von links) Karin Gallmann, André Langbein, Angelika Buchmann-Flaitz, Kurt Wenk und Tina Wunderle, freute sich, Leni Breymaier (Mitte) in Wehr zu begrüßen. Auch die Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter und die ehemalige Bundestagsabgeordnete Karin Rehbock-Zureich ließen sich die Gelegenheit für einen Besuch nicht entgehen. | Bild: Julia Becker
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„Ich freue mich einfach, dass ich diesen Hut aufhabe“, sagte Breymaier nach der feierlichen Übergabe. „Zum fünften Mal geht dieser Hut an eine Frau. Und auch heute Abend sind viele Frauen anwesend – das ist meine SPD!“ Vor 100 Jahren habe die SPD das Frauenwahlrecht initiiert, „jetzt müssen wir gefälligst auch über Parität im Parlament reden“, sagte Breymaier. Viele für Frauen erstrittene Rechte würden heute wieder infrage gestellt – teils sogar vom Koalitionspartner selbst, so Breymaier.

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Ihr Leidenschaftsthema ist der Kampf gegen Menschenhandel und Prostitution. Breymaier berichtet von Arbeitern und Frauen aus Osteuropa, denen die Pässe abgenommen werden und die unter unwürdigsten Bedingungen arbeiten oder sich prostituieren müssten. Ziel müsse das skandinavische Model sein, so Breymaier: Ein Verbot der Sexarbeit und die Bestrafung der Freier. Es liege einfach in der DNA der SPD, sich für andere einzusetzen und dabei den Blick auf alle Menschen zu haben, so Breymaier: vom Mindestlohn über eine sichere Rente und Krankenversicherung.

Altstadträtin Angelika Buchmann-Flaitz durfte am Mittwoch zum ersten mal den maßgefertigten Hut überreichen.
Altstadträtin Angelika Buchmann-Flaitz durfte am Mittwoch zum ersten mal den maßgefertigten Hut überreichen. | Bild: Julia Becker
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Klare Worte fand Breymaier auch zur AfD: „Seit 1949 haben wir das Grundgesetz, haben einen Teppich der Anständigkeit gewebt.“ Dieser sei nicht immer vollständig gewesen, doch mit der Zeit immer besser geworden. „Wir haben gelernt, dass man manche Sachen nicht mehr macht“, so Breymaier mit Blick auf Antisemitismus, Homophobie und Diskriminierung. „Und nun knüpft die AfD nicht weiter, sondern macht Brandlöcher hinein, entleert sich auf diesen Teppich.“ Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern etwas, wofür man kämpfen müsse. „Man muss kein Struve, Hecker, keine Sophie Scholl oder Dietrich Bonhoeffer sein. Es ist nicht bloß mein Recht, sondern meine Pflicht, das Maul aufzumachen, wenn Unrecht geschieht.“

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Schon längst eine hochgeschätzte Tradition war die Laudatio vom ersten Struvehut-Träger Alfred Winkler. Gleichheit, Freiheit und Solidarität waren die Schlagworte der Badischen Revolution und heute so aktuell wie damals. „Gustav Struve war der Sozialdemokrat unter den Revolutionären“, sagte Winkler. Seine Forderung nach Wohlstand und Bildung für alle habe Leni Breymaier in ihrer eigenen Arbeit verinnerlicht, ebenso wie den Mut, sich dafür deutlich einzustehen.

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Ihr Weg sei keineswegs vorgezeichnet gewesen, als die Gewerkschafterin Anfang der 80er Jahre der SPD beitrat. Breit aufgestellt mit einem starken Engagement gegen Menschenhandel und Prostitution, mit einer klaren Sprache habe Breymaier sich nach oben gearbeitet und wurde 2016 Landesvorsitzende, so Winkler. „Du hast die SPD in einer schwierigen Zeit übernommen“, sagte er. Leider habe die Partei die Tendenz, in solchen Zeiten nicht an ihrer Führung festzuhalten: „Ich hätte mir viel, viel mehr Geduld gewünscht.“

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