Die Corona-Pandemie ist seit gut zehn Monaten für viele Menschen in der Region wohl eher gleichbedeutend mit Stillstand, denn mit Aufbruch. Doch es gibt auch Ausnahmen. Zwei Beispiele sind die Restaurants „Black Forest Burger“ in Waldshu

t und die „Gaststube zur Schlücht“ in Gurtweil. Beide Betreiber haben kurz vor beziehungsweise kurz nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und ihre Lokale eröffnet. Seit Beginn des zweiten Lockdowns im Dezember halten beide Gastronomen ihre Betriebe mit Abhol- und Lieferangeboten am Laufen.

Zum Liefern: Natalia Stab packt im Gurtweiler Restaurant „Gaststube zur Schlücht“ fertige Speisen in Transportboxen, die ihr Mann Roger Wiesner wenig später an die Kunden ausliefert.
Zum Liefern: Natalia Stab packt im Gurtweiler Restaurant „Gaststube zur Schlücht“ fertige Speisen in Transportboxen, die ihr Mann Roger Wiesner wenig später an die Kunden ausliefert. | Bild: Vanessa Amann

Vor Jahresfrist standen beide vor dem gleichen Dilemma. Die Verträge waren unterschrieben und wegen Corona war ein regulärer Start in die Selbstständigkeit beinahe schon unmöglich. Dennoch hielten die Gastronomen an ihren Plänen fest und starteten durch. Das Wagnis hat funktioniert. Während die Inhaber der „Gaststube zur Schlücht“ nach eigenen Angaben immer noch auf die staatlichen Hilfen von November und Dezember warten, kam ihnen der rege Betrieb auf dem Campingplatz im Sommer zugute. Die Betreiber des Restaurants „Black Forest Burger“ bekamen Geld aus Berlin, müssen nach eigener Aussage aber ans Ersparte.

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Seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres wird die „Gaststube zur Schlücht“ und der dazugehörige Campingplatz als Familienbetrieb geführt. Dass es gerade diese Kombination aus Restaurant und Campingplatz werden sollte, stand zu Beginn für die Inhaber, Roger Wiesner und seine Lebensgefährtin Natalia Stab, noch nicht fest. „Mein Traum war eigentlich eine Pension mit einem Frühstücksangebot“, erklärt die gelernte Augenoptikerin. Mit an ihrer Seite arbeitet ihr Sohn Devis, ein gelernter Koch mit internationaler Erfahrung.

Doch gerade dieses zweigeteilte Konzept spielte der Familie nach eigenen Aussagen in Zeiten von Corona „in die Karten“, wie sie im Gespräch mit dieser Zeitung erklären. „Neuanfänge sind natürlich immer schwer. Wir hatten zu Beginn jedoch das Glück, viele Gäste vom Campingplatz bewirten zu können“, erinnert sich Natalia Stab. „Herausfordernd war für mich und meinen Lebensgefährten als Quereinsteiger weniger die Corona-Pandemie, als das Einleben und Einstellen auf die neuen Arbeitsabläufe“, erklärt Natalia Stab.

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Die Tatsache, dass das Restaurant am Gurtweiler Campingplatz derzeit wie alle anderen gastronomischen Betriebe für den klassischen Betrieb geschlossen ist, sieht die Familie auch als Chance: „Wenn die Gäste nicht zu uns kommen können, kommen wir eben zu ihnen.“ Da der Campingplatz zur Zeit geschlossen ist, kann Roger Wiesner die Speisen selbst ausliefern. „Für uns sind die Auslieferungen die beste und einfachste Art Werbung für unsere Gaststube zu machen“, so Wiesner. Die schätzungsweise zehn Auslieferungen pro Tag würden sich zwar rein finanziell nicht rechnen, doch bedacht auf die Zukunft, bleibe die Gaststube so in Erinnerung, erklärt Roger Wiesner.

An Erfahrung mangelt es den Inhabern des Restaurants „Black Forest Burgers“, Fabian Sihler und Julian Puth, nicht. Die gelernten Restaurantfachmänner aus dem Raum Stuttgart bringen zusammen 36 Jahre an Erfahrung mit und haben ihr Restaurant Ende März 2020 in der Wallstraße in Waldshut eröffnet. „Bereits während der Ausbildung hatte ich den Traum, mich eines Tages selbstständig zu machen“, berichtet Julian Puth. Nicht weil er gerne sein eigener Chef ist, wie er schmunzelnd sagt, „vielmehr reizt mich die Herausforderung“.

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Als Subunternehmer habe er bereits viele Restaurantkonzepte geplant und neu entwickelt, „denn alleine die Planung macht mir schon richtig Spaß“, erzählt Puth. Als ein Grundkonzept des Burger-Restaurants und der Standort in der Waldshuter Innenstadt feststand, holte er Fabian Sihler mit ins Boot, der unter anderem zehn Jahre auf einem renommierten Kreuzfahrtschiff gearbeitet hat. Danach folgten Stationen in Berlin und Zermatt.

Julian Puth erinnert sich knapp ein Jahr nach der Eröffnung noch zu gut an den holprigen Start: „Die inoffizielle Eröffnung fand nur vier Tage vor dem ersten Lockdown statt, dann war unser Geschäft erst mal acht Wochen geschlossen.“ Auch über die Sommermonate, als 50 Prozent der Sitzplätze aus Hygienegründen gesperrt werden mussten, konnte das angestrebte Umsatzziel nicht erreicht werden. Ein Lieferservice komme für das Duo ebenfalls nicht infrage, da die Investitionen in zusätzliches Personal und einen Fuhrpark zu hoch wären. Trotz dieser Startschwierigkeiten und der derzeit eher langweiligen Tage, motiviere sie die bis zum zweiten Lockdown erfahrene „tolle Resonanz der Kunden“ im Jahr 2021 bald „richtig Gas zu geben“.