Der Abriss der maroden und seit März dieses Jahres für Fußgänger und Radfahrer gesperrten Schlüchtbrücke in Gurtweil ist laut Einschätzung von Experten unumgänglich. „Sie darf nicht ins Bachbett fallen“, warnte Bernhard Sandmann von der Ingenieurgruppe Flösser aus Bad Säckingen in der jüngsten Sitzung des Waldshut-Tiengener Gemeinderats.

Sandmann und der städtische Tiefbauamtsleiter Theo Merz informierten die Stadträte über den aktuellen Zustand des 95 Jahre alten Bauwerks und stellten Optionen für einen Neubau vor.

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„Die Verantwortung für die Standfestigkeit kann keiner mehr übernehmen“, nannte Merz den Grund für die Sperrung der 24 Meter langen Brücke in der Gurtweiler Pater-Jordan-Straße im Frühjahr 2020. Bei einer routinemäßigen Überprüfung der Stahlbetonbrücke waren damals so gravierende Mängel entdeckt worden, dass eine sofortige Schließung des Verbindungsstegs über die Schlücht unausweichlich war.

Über Jahrzehnte ist Wasser in das Bauwerk eingedrungen, so dass sich an der Unterseite der Brücke bereits stalaktitenähnliche Gebilde zeigen.
Über Jahrzehnte ist Wasser in das Bauwerk eingedrungen, so dass sich an der Unterseite der Brücke bereits stalaktitenähnliche Gebilde zeigen. | Bild: Juliane Schlichter

„Dramatisch wird es, wenn man die Brücke von unten anschaut“, bemerkte Sandmann. Über Jahrzehnte drang Wasser in das Bauwerk ein, so dass sich an der Unterseite bereits stalaktitenähnliche Gebilde zeigen. Die Schäden sind laut Bernhard Sandmann nicht nur punktuell, sondern flächendeckend.

Verbindungsweg über die Schlücht

Dass ein Ersatz für die nicht mehr benutzbare Schlüchtbrücke gebaut werden muss, darüber zeigten sich alle Mitglieder des Gremiums einig. Gurtweils Ortsvorsteher Claudio Helling betonte: „Diese Brücke ist extrem wichtig für Gurtweil.“

Auch Oberbürgermeister Philipp Frank sprach sich für einen Neubau aus: „Minimal als Fußgängerbrücke, maximal für den Autoverkehr.“ Die Frage der Grünen-Fraktionssprecherin Petra Thyen nach den Kosten für eine neue Brücke vermag Bernhard Sandmann zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu beantworten: „Das kommt darauf an, was die Brücke können soll“, sagte der Ingenieur und verwies darauf, dass es noch gar keine Planung gebe.

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Der Oberbürgermeister merkte an, dass im laufenden Haushalt keine Mittel für das Projekt eingestellt seien. Die Planungskosten sollen jedoch in die kommenden Haushaltsberatungen aufgenommen werden. „Vor 2022 geht nichts“, sagte Theo Merz lapidar über den Zeithorizont, wann die neue Brücke stehen könnte. „Solange können wir nicht warten“, betonte Claudio Helling und sprach sich genau wie der CDU-Fraktionssprecher Philipp Studinger für eine Behelfsbrücke aus.

Seit 2008 ist die Brücke für den motorisierten Verkehr gesperrt, seit März 2020 zusätzlich für Radfahrer und Fußgänger.
Seit 2008 ist die Brücke für den motorisierten Verkehr gesperrt, seit März 2020 zusätzlich für Radfahrer und Fußgänger. | Bild: Juliane Schlichter

Diese könnte laut Theo Merz für die Dauer von zwei Jahren bis zum Neubau vom Technischen Hilfswerk für rund 130.000 Euro errichtet werden. Beispiele für eine solche Notbrücke gebe es im Stühlinger Ortsteil Weizen und am Schluchsee. Allerdings, gab der Tiefbauamtsleiter zu bedenken, könne diese ebenfalls nicht sofort errichtet werden. „Auch für eine Behelfsbrücke brauchen wir ein sogenanntes Wasserrechtsverfahren. Das kostet seine Zeit.“

Theo Merz und Bernhard Sandmann rechnen für eine dauerhafte Brücke mit einem Jahr für die Planungszeit sowie für die Ausschreibungen der einzelnen Gewerke. Die Art der künftigen Belastung – je nachdem, ob nur Fußgänger und Radfahrer oder motorisierte Fahrzeuge die Brücke nutzen – bestimme anschließend die Länge der Bauzeit. „Wir wählen den schnellsten gangbaren Weg, aber zaubern können wir nicht“, sagte Philipp Frank abschließend.

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