Die Rundfunk-Meldung von einer Explosion im Atomkraftwerk Leibstadt gegenüber Waldshut und Dogern sorgte im August vor 25 Jahren mächtig für Unruhe unter der Bevölkerung. Selbst die nächstzuständige deutsche Behörde, das Landratsamt, das vom A-Werk in Störfällen sofort verständigt werden muss, erfuhr von der Explosion zuerst aus dem Radio. Das machte das anfängliche Informationschaos perfekt.

Der damalige Pressesprecher des A-Werks sprach denn auch selbstkritisch-ironisch von einem „Medien-Gau“, der da durch TV, Radio und Zeitungen gefegt war, ehe sich alles in Wohlgefallen auflöste. Wobei der Sprecher einräumte, dass auch die Werksleitung ihren Teil zum Gau (in der A-Werk-Sprache der „größte anzunehmende Unfall“) beigetragen hatte.

Was war passiert? Das A-Werk war damals zur Revision stillgelegt, als sich um 8.25 Uhr im nicht-nuklearen Turbinenbereich in einem Stahlbehälter eine Verpuffung von Gasen ereignete. Dabei erlitten zwei Monteure mittelschwere Verbrennungen. Sie liefen noch selbst zur Sanitätsstation zur Erstversorgung und wurden dann mit einem Hubschrauber nach Zürich in die Uni-Klinik geflogen. Mit Radioaktivität hatte dieser Arbeitsunfall nichts zu tun. Die A-Werk-Leute hielten deshalb einen größeren Informationsaufwand nicht für nötig.

Doch da hatten sie sich gründlich getäuscht. Denn als der Rundfunk kurz nach neun Uhr eine erste knappe Nachricht sendete und von „Explosion im Atomkraftwerk„ sprach, ging der Trubel los. Besorgte Menschen riefen bei der Polizei an und forderten Aufklärung, die ihnen jedoch keiner geben konnte. Auch im A-Werk klingelte ununterbrochen das Telefon, TV-Leute und Zeitungs-Redakteure verlangten nach Infos. Am Apparat auch verärgerte deutsche Behörden, die fragten, warum sie noch nicht benachrichtigt worden waren. Und das alles, weil das Werk nicht schnellstens und ausführlich von sich aus informiert hatte, weshalb in einer Gerüchte-Kettenreaktion die Begriffe „Atomkraftwerk„ und „Explosion„ zum Schreckenswort „Atomexplosion“ verschmelzen konnten.

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