Bis spätestens 2027 soll die Hochrheinstrecke elektrifiziert werden. Damit die Züge künftig mit Strom statt wie bisher mit Diesel angetrieben werden können, sind an den Bahnhöfen entlang der rund 75 Kilometer langen Strecke zwischen Basel und Erzingen Umbauten notwendig. Ronald Heil, Projektleiter bei der Deutschen Bahn für die Hochrheinstrecke, informierte am Montag die Mitglieder des Waldshut-Tiengener Gemeinderats zunächst vor Ort am Bahnhof Waldshut und später in der Sitzung des Gemeinderats über die geplanten Maßnahmen.

Weil die Kolpingbrücke nicht hoch genug für die neuen Oberleitungen ist, werden die Gleise in diesem Bereich abgesenkt, zählte Ronald Heil eine der Maßnahmen auf. Veränderungen seien auch auf den Bahnsteigen notwendig: Diese werden an allen Bahnstationen auf eine Länge von 155 Metern und eine Höhe von 55 Zentimetern erweitert, um einen barrierefreien Ausstieg aus den Zügen zu ermöglichen. Das Gleis, das direkt an der Robert-Gerwig-Straße entlang führt, erhält einen Bahnsteig mit Überdachung. „Damit die Fahrgäste im Trockenen warten können“, erklärte Heil.

Die neue Plattform werde über eine Rampe barrierefrei zugänglich sein. Denkbar sei, an diesem Zugang zum Bahnhof Fahrradboxen zu errichten. „Wir diskutieren über Flächen vor und hinter den Gleisen“, merkte Oberbürgermeister Philipp Frank an. Denkbar sei auch, den bestehenden Kiosk am Busbahnhof aufzulösen und an dieser Stelle Abstellmöglichkeiten für Fahrräder zu schaffen.

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In der bestehenden Bahnhofsunterführung, die die Innenstadt mit den Einkaufsmärkten an der Robert-Gerwig-Straße verbindet, erklärte Ronald Heil den Stadträten und dem Verwaltungschef die Stelle, wo die Bahn einen Aufzug errichten will. „Hier schneiden wir die Wand auf“, sagte der Projektleiter und zeigte auf die Wand zwischen den Gleisen 2 und 3. Bislang sind diese beiden Bahnsteige nicht barrierefrei.

Die Aufzug-Lösung stieß bei dem Gremium auf starke Kritik. Mehrere Mitglieder forderten stattdessen auch für diesen Bereich eine Rampe. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Petra Thyen verwies auf die Wartungs- und Störanfälligkeit von Aufzügen und nannte als Beispiel den vorhandenen Lift, der von der Bahnhofsunterführung zum Lidl-Markt führt.

Bürgermeister Joachim Baumert bestätigte, dass dieser regelmäßig Opfer mutwilliger Zerstörungen und dadurch sehr häufig außer Betrieb sei. Er sprach sich ebenfalls zwischen den Gleisen 2 und 3 für eine Rampe aus. „Wir bekommen hier keine Rampe unter. Wir sind breitenmäßig limitiert“, betonte Heil. Zwar werde das bestehende Gleis 3 versetzt und das dahinter liegende Gleis abmontiert, um den kompletten Bahnsteig auf 155 Metern Länge zugänglich zu machen. Doch für eine Rampe reiche der Platz nicht aus.

Der frühere CDU-Stadtrat und Eisenbahnexperte Gerd Jacobshagen schlug dennoch eine sogenannte U-Rampe vor. „Wir erachten den Aufzug als vertretbar, deswegen haben wir ihn in die Unterlagen aufgenommen“, verteidigte Heil die Pläne der Bahn, verwies jedoch auf die Möglichkeit, dagegen Einspruch zu erheben. Walter Scheifele, der als Dezernatsleiter beim Landratsamt Waldshut unter anderem für Verkehr zuständig ist, kam dem Gemeinderat einen Schritt entgegen, denn die Rampe „liegt Ihnen stärker am Herzen, als wir angenommen haben“. Scheifele versprach: „Die Idee von Gerd Jacobshagen nehmen wir einfach noch mal mit.“

Für eine Rampen-Lösung sprach sich auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter in einer Pressemitteilung aus. Die Staatssekretärin aus dem Bundesumweltministerium verwies in diesem Zusammenhang auf aktuelle Förderprogramme, mit denen zukunftsorientierte Mobilitätskonzepte von Kommunen unterstützt würden.

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Beim Gleis 1 soll ebenfalls ein Aufzug von der Unterführung barrierefrei auf den Bahnsteig führen. Dagegen äußerten die Stadträte keine Bedenken. „Dort ist eine Rampe nicht ganz so notwendig“, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzende Claudia Hecht und verwies auf die Möglichkeit, über die Rampe vor dem Bahnhofsgebäude und über den Bahnsteig 5, wo die Züge Richtung Schweiz abfahren, zum Gleis 1 zu gelangen. Ronald Heil teilte mit, dass die Züge aus Koblenz künftig durchgängig an das Netz der Hochrheinbahn angeschlossen werden. Das bisherige Sackgleis 5 werde dafür mit dem Gleis 1 verbunden.

In der Fußgängerunterführung zwischen B 34 und Robert-Gerwig-Straße erklärte Ronald Heil den Stadträten, warum aus Sicht der Bahn die Verbindung geschlossen werden soll.
In der Fußgängerunterführung zwischen B 34 und Robert-Gerwig-Straße erklärte Ronald Heil den Stadträten, warum aus Sicht der Bahn die Verbindung geschlossen werden soll. | Bild: Juliane Schlichter

Weil im östlichen Bereich der Bahnanlage Richtung Rheinschloss die Gleise neu angeordnet werden, um unter anderem eine schnellere Einfahrt der Züge in den Bahnhof zu ermöglichen, plant die Deutsche Bahn, die darunter liegende Fußgängerunterführung zwischen B 34 und Robert-Gerwig-Straße auf Höhe des Rewe-Markts zu schließen. Dagegen regte sich großer Widerspruch bei den Stadträten und bei der Verwaltung. „Wir wollen diese Unterführung erhalten“, betonte Philipp Frank im Gemeinderat. „Wir brauchen die Verbindung für die Radfahrer“, erklärte Harald Würtenberger, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler.

Der OB kündigte an, dass die Stadt von ihrem Einwendungsrecht Gebrauch mache. Am Dienstag begannen die sogenannte Offenlage und die Einwendungsfrist für die Pläne. Insgesamt will die Deutsche Bahn 14 Millionen Euro am Bahnhof Waldshut investieren.

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