„Ich berühre die Waage nicht“, beeilt sich eine Kundin zu versichern, als sie auf dem Waldshuter Wochenmarkt am Stand des Dogerner Eulenhofs ihr Gemüse ausgewählt hat und nun zum Bezahlen bereit legt. In den Zeiten der Corona-Krise steht auch der Einkauf unter freiem Himmel unter besonderen Vorzeichen. Am ersten Wochenmarkttag, der nach Schließung der Grenze zur Schweiz stattfand, waren die Erfahrungen der Händler unterschiedlich. Berichtet wird sowohl über Umsatzrückgänge als auch über verstärkte Nachfrage.

Matthias Indlekofer unterhält in Albbruck-Birkingen einen Obstbaubetrieb und ist Sprecher der Händler auf dem Waldshuter Wochenmarkt.
„Normalerweise haben wir zu 50 Prozent Kundschaft aus der Schweiz“, sagt Indlekofer über seinen Stand, an dem er selbst angebautes Obst sowie Gemüse von anderen Erzeugern aus der Region anbietet. Er verweist auf den Umstand, dass für die Einkaufstouristen der Besuch Waldshuts ein Gesamterlebnis ist – jedenfalls zu normalen Zeiten. Der Gärtnermeister für Obstbau: „Das ist alles gekoppelt. Die wollen frühstücken gehen, die wollen shoppen.“ Doch auch ohne die Kunden aus dem Nachbarland ist an jenem Mittwochvormittag ein geschäftiges Treiben an den Ständen in der Fußgängerzone zu beobachten. „Bis jetzt läuft es ganz normal“, sagt Matthias Indlekofer, als das Zifferblatt am nahen Unteren Tor 10.45 Uhr anzeigt. Mit Blick auf die Corona-Krise meint er: „Der Wochenmarkt ist jetzt das Beste für die Kunden.“ Den empfohlenen Abstand zu halten, falle unter freiem Himmel schließlich leichter als im Supermarkt.

„Die Stammkunden bleiben uns auch in dieser Lage treu“, freut sich der 45-Jährige. Am Ende des Markttages um 13 Uhr muss Indlekofer gleichwohl einen leichten Umsatzrückgang von etwa 20 Prozent feststellen: „Die Schweizer Kundschaft hat natürlich gefehlt.“ Ein Kollege habe an seinem Apfelstand sogar 50 Prozent weniger als sonst in der Kasse gehabt.

Ulrike Ehnes, Mitinhaberin des am Wochenmarkt ebenfalls präsenten Eulenhofs aus Dogern, meint hingegen: Am ersten Tag ohne Schweizer Kunden sei das Ausbleiben der Einkaufstouristen durch verstärkte Nachfrage deutscher Käufer mehr als ausgeglichen worden. Generell sei die Nachfrage bei dem Bioland-Betrieb gut: „Wir haben deutlich mehr Umsatz in den letzten 14 Tagen als sonst.“

Auch am Stand des Breitwiesenhofs aus Ühlingen, der Demeter- und Bioware anbietet, hat sich die Grenzschließung nicht nachteilig ausgewirkt, im Gegenteil: „Wir hatten ein kleines bisschen mehr Umsatz als an einem normalen Wochenmarkttag“, berichtet Mitarbeiter Johannes Hoopmann. Wie andere Markthändler achtet der 33-Jährige angesichts der Corona-Krise verstärkt auf Hygiene: „Ich versuche den Kunden klarzumachen, dass sie nur das anfassen, was sie mitnehmen.“

Zu den regelmäßigen Besuchern des Wochenmarkts zählt die pensionierte Lehrerin Marianne Hahn aus Waldshut. Sie meint: „Die Lagerung an frischer Luft ist gut für die Qualität der Ware.“ Hartmut Schäfer, Bankkaufmann im Ruhestand und ebenfalls in der Hochrheinstadt lebend, steht an einem Obststand und sagt: „Auf dem Markt gibt es die Äpfel auch in der für mich vernünftigen Größe.“

Eine Kundin aus der Gemeinde Weilheim meint: „Ich bin gerne auf dem Wochenmarkt, aber die Parkplatzsituation in Waldshut stresst mich.“ An diesem Tag hat sie allerdings keine Schwierigkeiten gehabt, ihr Auto abzustellen. Denn das Problem ist seit der vorläufigen Grenzschließung erst einmal erledigt.

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