Vor zwei Wochen habe ich meinen Selbstversuch gestartet. Seitdem versuche ich, mich ausschließlich von regionalen Produkten, die in einem Umkreis von maximal 100 Kilometern angebaut oder hergestellt werden, zu ernähren. Bislang gelingt mir dies ziemlich gut.

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Mit Gemüse und Äpfeln, Fisch und Fleisch sowie Milchprodukten, Mehl und Honig von regionalen Produzenten sind mein Kühlschrank und Vorratsschrank gut gefüllt, und aus den einzelnen Zutaten lassen sich wider Erwarten ziemlich abwechslungsreiche Gerichte zubereiten. Auf eine Kohlsuppendiät ist mein Fastenexperiment nun zum Glück doch nicht hinausgelaufen.

Die ersten regionalen Radieschen sind seit wenigen Tagen auf dem Markt erhältlich.
Die ersten regionalen Radieschen sind seit wenigen Tagen auf dem Markt erhältlich. | Bild: Juliane Schlichter

Eine Mahlzeit besteht aber aus mehr als den Grundzutaten wie Kartoffeln, Gemüse und Fleisch. Den richtigen Kick bekommt das Essen erst durch die richtige Würze. Bedingt durch die Einschränkung, die ich mir für meinen Selbstversuch auferlegt habe, sieht es mit Gewürzen bei mir jedoch gerade sehr mau aus. Wir wohnen nun mal nicht dort, wo der Pfeffer wächst. Auch an meinen Kartoffelbrei kann ich derzeit keine Muskatnuss reiben.

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Küchenkräuter sind derzeit ebenfalls Mangelware. Nur der Rosmarin hat auf meinem Balkon den Winter überlebt. Ansonsten habe ich noch eingefrorene Petersilie, Salbei und Koriander im Tiefkühlfach. Da ich diese aber im Supermarkt gekauft hatte, erfüllen sie nicht meinem Kriterium von einem regionalen Produkt. Auf dem Waldshuter Wochenmarkt suche ich deshalb nach Alternativen. "Das ist jetzt nicht die Zeit für Kräuter", sagt Ulrike Ehnes, die mit ihrem Mann den Eulenhof in Dogern bewirtschaftet.

Kräuter gibt es erst wieder im Mai

Ulrike Ehnes erzählt mir, dass sie derzeit den Kräutergarten für dieses Jahr vorbereiten. Aber erst ab Mai können auf dem Eulenhof rund 20 verschiedene Kräuter geerntet werden. Immerhin gibt es seit vergangener Woche die ersten Radieschen frisch vom Feld. Die bringen etwas Schärfe in meinen Salat.

Mit Essig aus Schönau im Schwarzwald und Öl aus Donaueschingen ist dieser Salat aus Roter Bete, Chicorée und Äpfeln – natürlich aus der Region – angemacht.
Mit Essig aus Schönau im Schwarzwald und Öl aus Donaueschingen ist dieser Salat aus Roter Bete, Chicorée und Äpfeln – natürlich aus der Region – angemacht. | Bild: Juliane Schlichter

Ich glaube, ich hätte mein Experiment schon längst abgebrochen, wenn mir neben Pfeffer und Petersilie ein weiteres Gewürz nicht zur Verfügung stehen würde: Salz. Ohne Speisesalz würde alles fad schmecken, was ich zubereite. Zum Glück habe ich Salz aus der Region entdeckt. Genauer gesagt in der Nordwestschweiz. In der Nähe von Rheinfelden, das in meinem selbst festgelegten Radius von 100 Kilometern liegt, wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts Salz abgebaut. Kaufen kann man es in jedem Schweizer Einkaufsmarkt.

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Übrigens gab es früher auch Salz in der näheren Nachbarschaft von Waldshut-Tiengen: 1914 entdeckte man bei Zurzach ein unterirdisches Salzlager, das mit Salinen bis zum Jahr 1995 ausgebeutet wurde. Die hölzernen Bohrtürme in der Salzstrasse sind heute noch Zeuge dieser Zeit.

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Auch Salate mit Zutaten vom Markt stehen seit Beginn des Fastenexperiments auf meinem Speiseplan. Ohne Dressing sind Salate allerdings eine ziemlich trockene Angelegenheit. Zum Glück habe ich Öl und vermeintlichen Essig aus der Region entdeckt. In Schönau im Nachbarlandkreis Lörrach ist das Feinkost-Unternehmen Steck beheimatet.

Von Steck habe ich eine Flasche Apfelessig gekauft, in der Hoffnung, dass die Äpfel darin aus der Region kommen. Auf meine Nachfrage muss mich Geschäftsführer Bilfried Schwaab leider enttäuschen: "Regionaler Apfelsaft ist irgendwo in der Flasche drin, aber es wird auch dazu gekauft", sagt er. In Zeiten von Lieferengpässen komme der Apfelsaft auch schon mal aus Nachbarländern wie Frankreich, Polen und Österreich. "Aber der überwiegende Teil des Apfelessigs kommt aus Deutschland", betont Schwaab.

Apfelessig, Rapsöl und Salz – diese drei größtenteils regionalen Produkte stehen derzeit nur zum Würzen und Verfeinern zur Verfügung. Bilder: Juliane Schlichter
Apfelessig, Rapsöl und Salz – diese drei größtenteils regionalen Produkte stehen derzeit nur zum Würzen und Verfeinern zur Verfügung. Bilder: Juliane Schlichter | Bild: Schlichter, Juliane

Im Bauernmarkt in Frohnschwand, der eine große Auswahl an regionalen Produkten hat, bin ich auf Baargold gestoßen. Der Rapsöl-Produzent aus Donaueschingen listet auf seiner Webseite Name und Ort seiner Raps-Anbauer auf. Diese kommen aus Bad Dürrheim und Konstanz-Dettingen. Beides liegt in meinem 100-Kilometer-Radius.