Nutella-Toast zum Frühstück, mittags schnell eine Currywurst mit Pommes, zum Abendessen asiatische Reispfanne mit Bambussprossen und Ingwer – seit dem Aschermittwoch sind solche Speisen für mich tabu. Aber nicht etwa, weil ich abnehmen möchte oder aus religiösen Gründen in den kommenden Wochen auf Fleisch, Süßes oder Alkohol verzichten will, sondern weil ich einen besonderen Selbstversuch starte: In der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern möchte ich mich ausschließlich von regionalen Produkten ernähren.

Im Winter gibt es beim Gemüse nur wenig Auswahl

Konkret bedeutet dies, dass ich in den kommenden sechs Wochen nur Lebensmittel essen und trinken will, die aus einem Umkreis von maximal 100 Kilometern stammen. Ist dies überhaupt möglich? Und wenn ja, läuft mein Experiment auf eine Kohlsuppendiät hinaus? Der Blick in den Saisonkalender hat mir bereits verraten, dass die Auswahl an Gemüsesorten zur jetzigen Jahreszeit ziemlich eingeschränkt ist und fast nur Kohlarten erhältlich sind. In den kommenden Wochen bis Ostern können Sie in dieser Serie verfolgen, wie mein Selbstversuch verläuft, welche Einschränkungen ich auf mich nehmen muss und wo ich die Produkte für mein Experiment herbekomme.

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Verzicht auf Bequemlichkeit

Fasten bedeutet Verzicht. Egal ob bei der häufigsten Form des Fastens – für 40 Tage Fleisch, Süßem und Alkohol zu entsagen – oder neuen Varianten wie dem digitalen Fasten, bei dem man sich für eine Weile aus dem Internet und den sozialen Netzwerken ausloggt. Bei meinem Selbstversuch verzichte ich auf Bequemlichkeit. Denn ich gebe zu: Auch ich greife in der Hektik des Alltags hin und wieder wahllos ins Supermarktregal nach Produkten, bei denen ich weder darauf achte, was darin ist, noch wo sie herkommen. Und wenn es besonders schnell gehen muss, landet auch schon mal ein Fertigprodukt im Einkaufswagen. Dies möchte ich in den kommenden Wochen anders machen.

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Obst aus Übersee im Supermarkt

Auch wenn ich vor dem Start meines Experiments vermute, dass ich zumindest einen Teil meiner Einkäufe künftig auf Wochenmärkten und in Bauernläden tätigen muss, führt mich mein erster Weg in den Supermarkt. Mein Verdacht bestätigt sich gleich am Eingang in der Obst- und Gemüseabteilung: Hier werde ich nicht fündig. Denn die Brombeeren kommen aus Mexiko, die Erdbeeren aus Marokko, ein Teil der angebotenen Tomaten sogar aus dem Senegal und die Lauchzwiebeln aus Ägypten.

Dass es frische Früchte derzeit nicht aus der Region gibt, damit hatte ich gerechnet, aber wenn derzeit in unseren Breitengraden laut Saisonkalender Lauch wächst, warum kommen die Lauchzwiebeln dann aus dem afrikanischen Norden?, frage ich mich. Allerdings gibt es auch Einkaufsmärkte, die explizit gelagerte Äpfel von einheimischen Obstbauern anbieten.

Bevor ich mich schließlich mit saisonalem und regionalem Obst und Gemüse auf dem Waldshuter Wochenmarkt eindecke – über diesen Besuch werde ich in der nächsten Folge meines Selbstversuchs ausführlich berichten –, finde ich im Supermarkt dennoch ein paar Produkte aus der Region, die in meinen Einkaufskorb wandern: ein Glas Blütenhonig von einer Imkerin aus Krenkingen und eine Tüte Weizenmehl von der Albtalmühle in Görwihl-Tiefenstein, aus dem ich demnächst selber Nudeln herstellen will, falls ich der Kartoffeln nach einer Weile überdrüssig geworden sein sollte.

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Getreide für Mehl wächst in der Region

Doch woher kommen die Zutaten für das Mehl, will ich wissen und frage bei Thomas Gampp, Inhaber der Albtalmühle, nach: "Unser Getreide für Mehl kommt ausschließlich aus dem Kreis Waldshut. Es wächst in der Umgebung: in Buch, Birndorf und Breitenfeld", sagt er. Das Müsli, das es von der Albtalmühle ebenfalls zu kaufen gibt, kann ich allerdings während meines Experiments nicht essen: "Das Müsli kaufen wir hinzu. Das kommt aus Lahr", sagt Gampp.

Frühstück aus regionalen Produkten: Brot mit Mehl aus der Albtalmühle, Honig aus Krenkingen und Butter, die aus Milch aus der Region hergestellt wurde.
Frühstück aus regionalen Produkten: Brot mit Mehl aus der Albtalmühle, Honig aus Krenkingen und Butter, die aus Milch aus der Region hergestellt wurde. | Bild: Juliane Schlichter

Zum Frühstück esse ich seit Aschermittwoch Brot von der Bäckerei Gamp statt Toast aus dem Supermarkt. "Man sollte immer regional einkaufen, nicht nur für kurze Zeit", sagt Seniorchefin Erika Gamp, als ich ihr von meinem Selbstversuch erzähle. In den kommenden Wochen werde ich versuchen, ihren Rat zu befolgen.

Achten Sie beim Einkaufen darauf, wo die Produkte herkommen? Wenn Sie schon interessante Erfahrungen gemacht haben und mir Tipps für den Einkauf geben können, dann schreiben Sie mir eine E-Mail (http://juliane.schlichter@suedkurier.de) oder rufen mich in der Redaktion an (07751/83 25 74 41).

Hintergrund zur Selbstversuch-Serie

  1. Wie kam es zu der Idee, in der Fastenzeit nur regionale Lebensmittel zu kaufen und zu essen? Hintergrund zur Serie ist die Aktion "7 Wochen Ohne", die seit mehr als 30 Jahren von der evangelischen Kirche organisiert wird. Dabei verzichten Menschen zwischen Aschermittwoch und Ostern bewusst sieben Wochen lang auf bestimmte Dinge wie Autofahren, Süßigkeiten oder Facebook. Juliane Schlichter, Redakteurin in der Lokalredaktion Waldshut, hatte die Idee, während der Fastenzeit auf Produkte zu verzichten, die von weit her angeliefert werden oder sogar aus Übersee kommen. Stattdessen will sie sich von Lebensmitteln ernähren, die im Umkreis von bis zu 100 Kilometern rund um Waldshut gewachsen oder hergestellt worden sind. Ob ihr das gelingt, können Sie in den kommenden Wochen in dieser Zeitung verfolgen.
  2. Wieso wird überhaupt gefastet? Die sogenannte Fasten- oder Passionszeit beginnt mit dem Aschermittwoch und endet am Karsamstag vor Ostern. In dieser Zeit erinnern sich gläubige Christen an das Leiden und Sterben Jesu Christi. Gemeint damit sind die 40 Tage und Nächte, die Jesus nach seiner Taufe in der Wüste verbrachte und fastete. Wenn man die Sonntage jedoch dazu rechnet, die formal nicht zur Fastenzeit zählen, ergibt sich ein Zeitraum von mehr als 40 Tagen.