Die Männer und Frauen der Feuerwehr Waldshut-Tiengen sind bei Einsätzen künftig besser geschützt. Dafür sorgt eine neue Einsatzkleidung, die die Stadt in drei Etappen anschafft. Die 240 Schutzanzüge kosten 240 000 Euro. Neben der Farbe unterscheidet sich die Einsatzkleidung vor allem in einem weiteren Punkt von dem Vorgängermodell: Die Feuerwehrleute können damit länger der Hitze ausgesetzt sein. Dafür sorgt eine eingebaute Membran mit einem moderneren Aufbau.

Geschützt vor Benzin, Öl und Lauge

Die Feuerwehrleute tragen nicht mehr Schwarz, sondern Sand. Durch die Naturfarbe und ihr spezielles Gewebe verfärbe sich die Einsatzkleidung nicht mehr. Die Jacke, so Stadtkommandant Peter Wolf bei der Präsentation, sei technisch auf dem neusten Stand. Mehrere Lagen sollen die Feuerwehrleute besser als bisher vor verschiedenen Belastungen wie etwa Benzin, Öl oder eine leichte Lauge schützen. „Und die eingewobene Membran hält uns das Feuer vom Hals“, fügt er hinzu.

Durch die vielen Lagen wirke die Schutzkleidung jedoch bei heißem Sommerwetter wie ein Skianzug. „Der Feuerwehrmann überhitzt darin schnell“, so Wolf. Doch mit dem Panikverschluss könne die Jacke schnell geöffnet werden. „Das ist in vielen Situationen wichtig, etwa wenn der Feuerwehrmann aus dem brennenden Haus kommt und überhitzt ist oder, wenn er sich verletzt hat“, erklärt der stellvertretende Kommandant Ralf Rieple den Verschluss, den es schon viele Jahre gibt.

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Uniform hat viele neue Details

Drei Stoffe übereinander plus Futter machten die Kleidung laut Peter Wolf so teuer. Eine Kombination aus Jacke und Hose kostet 1004 Euro. Viele Details seien für die neue Ausrüstung weiterentwickelt worden. So seien etwa Taschen auf die Ausrüstungsgegenstände abgestimmt worden. Künftig passt die Taschenlampe in die Brusttasche, ihr Licht schaut aus dieser heraus und kann von dort aus dem Feuerwehrmann den Weg nach vorne leuchten, damit er die Hände frei hat.

In der neuen Brusttasche kann die Taschenlampe dem Feuerwehrmann den Weg nach vorne leuchten.
In der neuen Brusttasche kann die Taschenlampe dem Feuerwehrmann den Weg nach vorne leuchten. | Bild: Verena Wehrle

Rettungsgurt jetzt auf Brusthöhe

Ebenfalls neu ist das integrierte Rettungssystem. Die allseits bekannten breiten Feuerwehrgurte entfallen, sie sind jetzt bereits in die Jacke integriert, befinden sich jedoch auf Brusthöhe. Mit diesem Gurt kann ein Feuerwehrmann sich und andere sichern, retten oder auch abseilen.

Mit dem neuen integrierten Rettungssystem können sich die Feuerwehrleute beim Abseilen selbst retten.
Mit dem neuen integrierten Rettungssystem können sich die Feuerwehrleute beim Abseilen selbst retten. | Bild: Verena Wehrle

Häuser brennen heute schneller

Die Kleidung der Feuerwehr Waldshut-Tiengen hat eine rasante Entwicklung hinter sich. Die Einsatzkräfte trugen in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch Jacken aus Schurwolle. 2006 ist die Wehr laut Wolf von der alten baden-württembergischen einlagigen Uniform (orange) auf die jetzt ausgetauschte schwarze Uniform umgestiegen. „Die Lufpolster-Membran in dieser Jacke hält eigentlich nur fünf Jahre“, erklärt Wolf, „wir tragen sie jetzt schon 13 Jahre.“ Auch die Anforderungen an die Uniformen an sich haben sich geändert. Denn: „Heute brennt es viel schneller und heißer als damals, da es viel mehr Kunststoff in den Häusern gibt“, erklärt Wolf.

Der Wandel der Einsatzkleidung von damals bis heute: Oberbürgermeister Philipp Frank trägt die Jacke aus Schurwolle aus den 90ern, der Kommandant Peter Wolf trägt die rote Jacke von 1996, sein Stellvertreter Ralf Riepfle trägt die bisherige Uniform in Schwarz und die neue Uniform in Sandfarben trägt Timo Hestler, der stellvertretende Amtsleiter (von links).
Der Wandel der Einsatzkleidung von damals bis heute: Oberbürgermeister Philipp Frank trägt die Jacke aus Schurwolle aus den 90ern, der Kommandant Peter Wolf trägt die rote Jacke von 1996, sein Stellvertreter Ralf Riepfle trägt die bisherige Uniform in Schwarz und die neue Uniform in Sandfarben trägt Timo Hestler, der stellvertretende Amtsleiter (von links). | Bild: Verena Wehrle

„Sicherheit ist ein Standortfaktor jeder Stadt und das gilt auch für die Feuerwehr, deswegen investieren wir auch in ihre Infrastruktur“, so Oberbürgermeister Philipp Frank. Er fügt hinzu: „Wenn wir heutzutage jemanden fürs Ehrenamt gewinnen wollen, müssen wir ihm auch Sicherheit bieten.“

Kosten wurden auf drei Jahre verteilt

Die erste Lieferung mit 80 Anzügen kam im vergangenen Jahr, weitere 80 Männer und Frauen werden nach den Sommerferien mit der neuen Schutzkleidung ausgestattet, die dritte Tranche folgt im kommenden Jahr. So konnten die Kosten auf drei Jahre verteilt werden. Neben all den technischen Entwicklungen und den vielen Neuerungen bleibt eines aber immer noch klar: „Das wichtigste Utensil bei einem Einsatz ist der Kopf“, sagt Timo Hestler, der stellvertretende Amtsleiter der Feuerwehr Waldshut-Tiengen.