Das Krankenhaus Waldshut hat seit Anfang Mai ein neues Zentrum für Orthopädie, Wirbelsäulen- und Unfallchirurgie. Direktor des Zentrums ist Wolf-Dieter Nagel, Chirurg für Spezielle Orthopädie. Er wurde kürzlich vom Klinikum begrüßt.

Bisher mussten die Patienten aus dem Raum Waldshut-Tiengen mit Wirbelsäulen- oder besonders schweren Beckenverletzungen nach einem Unfall mit dem Helikopter in das Universitätsklinikum nach Freiburg geflogen werden. Dies ist künftig nicht mehr nötig. Denn nun gibt es im Klinikum Hochrhein in Waldshut ein Zentrum für Orthopädie, Wirbelsäulen- und Unfallchirurgie. Der neue Leiter des Zentrums, Wolf-Dieter Nagel, hat zu Montagsbeginn seinen Dienst angetreten.

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Neues Angebot im Krankenhaus ist damit die Wirbelsäulenchirurgie sowie die Behandlung von Tumoren im Bewegungsapparat. Beckenbrüche wurden zwar schon vorher im Waldshuter Krankenhaus behandelt, künftig können hier aber auch besonders schwere Verletzungen des Beckens operiert werden. Auch die orthopädische Chirurgie gab es bisher schon, hier wurden den Patienten künstliche Gelenke eingesetzt. Die komplizierten Operationen mit hohem Schwierigkeitsgrad mussten aber auch in diesem Bereich in anderenb Krankenhäusern durchgeführt werden. Mit dem Spezialisten Wolf-Dieter Nagel sollen zukünftig alle Operationen in diesem Gebiet in Waldshut durchgeführt werden. Viele Patienten, die seine Fachkenntnis schätzen, folgen ihm nach Waldshut, weil sie sich von ihm operieren lassen wollen.

Klinikum-Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt sagte bei der Begrüßung des neuen Zentrumsleiters: „Wir haben jemanden gefunden, der uns voran bringen und unser Spektrum erweitern wird“. Auch Landrat Martin Kistler freute sich über den neuen Spezialisten im Klinikum. „Eine Klinik lebt zum einen davon, dass man in die Bausubstanz investiert, dafür hat der Landkreis große Mittel zugesagt, zum anderen lebt sie aber auch wesentlich von den Köpfen und von den Händen der Menschen, die dort Medizin betreiben“, sagte Kistler. „Der profilierte Chirurg wird dem Haus und seinem Renommee gut tun“, so der Landrat. Derzeit befinde sich der Landkreis in der Vorbauphase für das Zentralklinikum, wo man konzeptionell alles entwickeln könne. Dies sei ein spannender Prozess, so Kistler.

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Nagel selbst stellte sich mit einem Plädoyer für die Klinik und den Neuanfang vor. „Ich bin mir der Aufgabe bewusst und nehme sie mit Respekt an“, sagte der 62-Jährige. Er wohnte bisher in Niedersachsen, kommt aber ursprünglich aus Thüringen. Er war 18 Jahre Chefarzt für Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie in der Klinik in Bad Pyrmont im südlichen Niedersachsen. In den vergangenen sechseinhalb Jahren hat er im Hufeland Klinikum in Mühlhausen in Thüringen eine Wirbelsäulen-Klinik aufgebaut. Der Spezialist in seinem Gebiet zog nun mit seiner Frau für einen Neuanfang an den Hochrhein. „Das ist eine sehr schöne Gegend hier und die Stelle als Zentrumsleiter war für mich sehr interessant“, begründet er diese Entscheidung. Seine erste Operation in Waldshut hatte er bereits am Montag, wobei er eine Wirbelsäulenfraktur erfolgreich behandelte.

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Das Klinikum folge mit der Bildung der medizinischen Zentren einem internationalen Trend, so Nagel in seinem Plädoyer. Es sei ein zukunftsweisender Schritt für den Klinikstandort und mit ihm könnten nun mehr komplexe Krankheitsbilder behandelt werden. Man müsse sich dem Niveau der umliegenden Unikliniken in Freiburg, Basel und Zürich angleichen, um den Standort zu festigen, so Nagel. Dazu zähle es auch, den Vertrauenswettbewerb mit den Patienten zu gewinnen. Heute sei es schließlich keine Barriere mehr, 60 bis 100 Kilometer zum nächsten hochleistungsfähigen Krankenhaus zu fahren. Neben dem Wettbewerb um Patienten werde auch der Wettbewerb um das Personal entscheiden, welche Klinik Fortbestand habe, so der neue Zentrumsleiter. „Wir sind alle ein Orchester, das nur dann gut klingt, wenn jeder mit seiner eigenen Erfahrung gut mitspielt“, sagte Nagel zu seinen neuen Kollegen.

Mit dem neuen Chirurgen kann das Klinikum Hochrhein künftig auch in Sachen Weiterbildung eine Besonderheit bieten: Junge Ärzte, die sich im seltenen Gebiet der Speziellen Orthopädischen Chirurgie weiterbilden möchten, können dies künftig bei Wolf-Dieter Nagel in Waldshut.

Was ist Spezielle Orthopädische Chirurgie?

  • Die Zusatzweiterbildung Spezielle Orthopädische Chirurgie: Sie umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die operative und nicht operative Behandlung höherer Schwierigkeitsgrade bei angeborenen und erworbenen Erkrankungen und Fehlbildungen der Stütz- und Bewegungsorgane. Um die Zusatzweiterbildung durchführen zu können, benötigt man eine Facharztanerkennung für Orthopädie und Unfallchirurgie. Die Weiterbildungszeit beträgt 36 Monate.
  • Vortrag: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gesundheitsforum im Kursaal“ des Klinikums Hochrhein hält Wolf-Dieter Nagel am Mittwoch, 8. Mai um 19 Uhr einen Vortrag zum Thema Rückenprobleme im Kursaal Bad Säckingen, Rudolf-Eberle-Platz 17. Er informiert darüber, was hinter Rückenschmerzen stecken kann, wann die Beschwerden gefährlich sein können und welche Therapiemethoden es gibt. Auch macht er klar, bei welchen Symptomen man unbedingt medizinische Hilfe hinzuziehen muss. Der Eintritt ist frei.

Verena Wehrle