Ein festliches Konzert mit Trompete und Orgel hatte eine ansehnliche Besucherschar in die Wallfahrtskirche nach Todtmoos gezogen. Trompeter Bernhard Kratzer und Organist Paul Theis treten bereits seit 1997 als Duo auf. Entsprechend professionell sind sie aufeinander eingespielt, sodass der Klang des Blechbläsers mit dem des Tasteninstrumentes zu einer imposanten Einheit verschmolz.

Barock und Romantik

Dem Ambiente geschuldet, bestand ihr Programm hauptsächlich aus Werken der Barockzeit, wenngleich Paul Theis es sich nicht nehmen ließ, die Möglichkeiten des großen sinfonischen Instrumentes, das er an diesem Abend vor sich hatte, auszuschöpfen. Dies tat er, indem er mit zwei Stücken einen musikalischen Ausflug unternahm, in die italienische Romantik und nach Frankreich in die Kirche Notre Dame de Paris.

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Mit Telemann, Bach, Torelli und Händel bot das Duo einen repräsentativen Querschnitt des Repertoires für Trompete und Orgel, wobei sowohl der triumphal strahlende Klang der Trompete als auch lauffreudige Virtuosität zum Zuge kamen. Telemanns „Heldenmusik“ charakterisiert die Heldentugenden musikalisch. Dabei bestach vor allem die forsch zupackende „Tapferkeit“.

Bachs Choral „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ aus der Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ zelebrierte Kratzer mit großer Grazie, während Theis den fröhlich hüpfenden Kontrapunkt intonierte. Bei Torellis „Sonata“ überwog quirliges Frohlocken und in Händels „Wassermusik“ sprudelten Orgel und Trompete mit apartem Frage-Antwort-Spiel quasi um die Wette.

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Einen untypischen Bach präsentierte Theis beim ersten Stück seines dreiteiligen Soloparts an der Orgel mit dem „Concerto“ a-Moll BWV 593 nach einem „Concerto grosso“ Vivaldis. Dieses Werk bietet einen Strauß unterschiedlichster musikalischer Ideen, kurzer Phrasen, die mal sequenziert, mal bedächtig jeden Ton würdigend oder in schneller Folge wiederholt werden. Mit den „Versetti per il Gloria“ von Vincenzo A. Petrali brachte Theis Opernstimmung in die Wallfahrtskirche. Man könne kaum glauben, dass dieses Werk als liturgische Musik gedacht war, hatte der Organist zu Konzertbeginn eingeräumt. Ein Schmunzeln überzog so manches Gesicht der Zuhörer bei dieser weltlich wirkenden dramatischen Szenenfolge auf der Orgel, in der sich eine Bravourarie an die andere zu reihen schien.

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Mit dem „Adagio“ und „Finale“ aus Louis Viernes dritter Symphonie schließlich reizte Theis die Orgel in einer Weise aus, wie sie sonst wohl recht selten zu hören sein dürfte, sowohl in klanglicher wie auch in spieltechnischer Hinsicht. Alle Raffinessen der Registrierung einbeziehend, erzeugte er einen virtuosen Klangrausch. Vierne, Titularorganist an Notre Dame de Paris, soll diese Orgelsymphonie unter dem Eindruck des Jahrhunderthochwassers von 1910 komponiert haben, das auch Notre Dame bedrohte. Das „Adagio“ erzeugt eine düstere, beängstigende Stimmung, die selbst das lyrischere zweite Thema nicht ganz zu überspielen vermag. Die rastlose Melodie des stürmischen „Finales“ erinnert an eine panische Flucht, die in einem Fortissimo-Aufschrei kulminiert.

Stehende Ovationen des Publikums belohnten diese großartige Leistung der beiden Künstler, die sich mit der „Trumpet Voluntary“ des englischen Barockkomponisten Jeremiah Clarke als Zugabe bedankten.