Das Malprojekt

Nach einer Anregung des Schriftstellers und Filmemacher Alexander Kluge wandte sich Ingo Nitsche per E-Mail an seine Theaterkinder mit dem Vorschlag, die einzelnen Schritte des Corona-Virus in Bilder umzusetzen, um zu verstehen, wie sich das Corona-Problem entwickelt hat: „Wir müssen versuchen, das Leiden der Tiere in der chinesischen Stadt Wuhan (Aber auch bei uns in Deutschland!) zu verstehen, außerdem die Armut von chinesischen und italienischen Wanderarbeitern, dann müssen wir versuchen, das Vergnügen und die Hemmungslosigkeit im österreichischen Wintersportort Ischgl zu verstehen, aber auch den Druck, der auf deutschen Ärzten und Krankenschwestern lastet. Nur so können wir begreifen, was es mit Corona auf sich hat und die Lage Schritt für Schritt verstehen.“

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Die Kinder erhielten also den Vorschlag, diese Schritte in Bildern darzustellen. Pinsel, Farben und große Pappe erhielten sie von Ingo Nitzsche kontaktfrei an die Haustür gebracht. Solange eine öffentliche Ausstellung nicht möglich ist, wird sie im Internet gezeigt, sobald die Bilder alle fertig sind.

Die jungen Künstler

Aus dem Theaterprojekt „Zenobia“ sowie durch Mundpropaganda bildete sich eine Gruppe von Schulkindern, die meisten wohnen in der Altstadt Stühlingen, im Städtle: Alma Hamliko, Anjeli Kumar, Babu (Erif) Buzolli, Büra Küçükoul, Elmeddin Buzolli, Leonie D‘Accurso, Leonora Buzolli, Nasser Hamliko, Ranjit Kumar, Bryan Gadowski. Mit dabei ist auch die Malerin und Steuerfachangestellte Kristina Frank aus Unterkirnach mit ihrem Tier/Mensch-Thema.

Das Eingesperrt sein während der Corona-Pandemie brachte die junge Schülerin Leonora Buzolli auf Papier für das Malprojekt.
Das Eingesperrt sein während der Corona-Pandemie brachte die junge Schülerin Leonora Buzolli auf Papier für das Malprojekt. | Bild: Yvonne Würth

Leonora Buzolli nutzte das sonnige Wetter und malte im Hinterhof. Zu ihren Motiven gehören neben Sonne und Meer auch das Eingesperrt sein, Menschen hinter Gittern haben Tränen in den Augen und bitten um Hilfe.

„Von Nasser gibt es ein sehr kräftiges und eindrucksvolles Bild, das nach einem Gespräch entstanden ist. Dabei ging es darum, wie viele menschliche Katastrophen und Umweltsünden im Schatten der Corona-Krise nicht wahrgenommen werden“, erläutert Ingo Nitzsche.

Der Schüler Nasser Hamliko verarbeitete die Corona-Pandemie nach intensiven Gesprächen (per E-Mail oder mit genügend Sicherheitsabstand im Freien) mit Farben und Papier. Das Motiv: Schäden, die der Umwelt und den Tieren zugefügt werden, wie hier ein Waldbrand.
Der Schüler Nasser Hamliko verarbeitete die Corona-Pandemie nach intensiven Gesprächen (per E-Mail oder mit genügend Sicherheitsabstand im Freien) mit Farben und Papier. Das Motiv: Schäden, die der Umwelt und den Tieren zugefügt werden, wie hier ein Waldbrand. | Bild: privat

„Bei den mit Worten kaum noch zu beschreibenden Schäden, die der Umwelt und den Tieren zugefügt werden, sind dies zum Beispiel Waldbrände, und eben einen solchen stellt das Bild von Nasser dar.“

Ranjit Kumar und Bryan Gadowski haben sich mit Hubschraubern beschäftigt: „Die Idee mit den Hubschraubern liegt nahe, weil sie immer hier übers Städtle brummen, bevor sie beim Krankenhaus landen. Die Kinder meinen allerdings, es gäbe auch Polizei-Hubschrauber zur Überwachung.“

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