Die Narrenzunft Hungrige Stühlinger feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Allerdings müssen 2021 wegen der Corona-Pandemie sowohl Feierlichkeiten zum Jubiläum als auch traditionelle Fasnachtsveranstaltungen ausfallen. Doch was hat es mit dem närrischen Brauchtum in Stühlingen auf sich? Dahinter stecken vor allem aktive und kreative Frauen und Männer.

Seit mindestens 1739 sind Stühlinger Fasnachtsaktivitäten dokumentiert. 1953 wurde die Narrengesellschaft Hohenlupfen Stühlingen gegründet, die später in Narrenzunft Hungrige Stühlinger umbenannt wurde. 1978 wurde aus der Narrenzunft ein eingetragener Verein. Spätestens nach dem gescheiterten Aufnahmeantrag in die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte 1956 in Laufenburg wegen zu geringer historischer Vergangenheit starteten die Hungrigen Stühlinger richtig durch.

  • Narrenvereinigung Kleggau: Unter den 13 Gründungsvereinen waren 1978 auch die Stühlinger mit Alois Klingele und Ruth Kehl als erster Kanzelarin. Die Narrenvereinigung Kleggau verweist auf ihrer Internetseite auf das Kulturerbe der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht, welche zwischen dem Dreikönigstag und Aschermittwoch mit zahlreichen Bräuchen gefeiert wird.
  • Plätzlehäs: Nach den selbst genähten Lumpenhansele 1950 (Berthold Winterhalder) und Holzmasken aus Elzach entwarfen die Brüder Artur und Werner Würth in den 60er Jahren ein neues Häs, das bis heute getragen wird. In fester horizontaler und vertikaler Farbfolge werden bis zu 580 Plätzle aus Filz in gelb, rot, schwarz, grau und grün mit jeweils fünf Einschnitten aufgenäht. Jede Maske, ursprünglich von Artur Würth geschnitzt, hat ihren eigenen hungrigen Gesichtsausdruck.
Das könnte Sie auch interessieren

In der Hand hat der Hansele einen Geißelzopf mit einer Saublodere, dazu gehören weiße Handschuhe, ein weißer Rollkragenpullover und dunkle Schuhe. Wie Zunftmeister Tobias Heigl 2013 bei der Vorstellung der Einzelmaske des Blau-Weißen Hanseles schrieb, hatte Artur Würth bereits in den 60er Jahren die Idee gehabt. Jogi Böhler steckt seit der Vorstellung 2013 unter der Maske des Blau-Weißen.

  • Gruppen der HungrigenStühlinger: Zu den Hungrigen Stühlingern gehört der Vorstand um Zunftmeister Daniel Fechtig (seit 2013) und Narrenmutter Gaby Böhler (seit 2014). Die Narrenbüttel Siegfried Käppeler und Elias Heinecke führen den Umzug am schmutzigen Donnerstag und am Fasnachtsmontag an. Für den Narrensamen wurde eine Narrenfibel erstellt, um die Anfänge zu erleichtern. Stark verwurzelt und dennoch eigenständig sind die närrischen Gruppen Bändelufhänger, Röllimusik, 16 Zächen und die Narrenwecker.
  • Verdiente Mitglieder: Die Narrenmutter Ruth Kehl wurde 1988 zum Ehrenmitglied ernannt. Seit 1993 sind Berthel Mack und Paul Maier Ehrenmitglieder, seit 2018 Manfred Schlagholz. Weitere Ehrenmitglieder sind Roland Heigl, Konrad Grüninger, Rolf-Dieter Harder und Gaby Böhler. Der erste Ehrenzunftmeister ist seit 1999 der immer noch aktive Arnfried Winterhalder.
Was bisher normal war, ist derzeit undenkbar: Gemeinsam feiern und die Fasnacht genießen. Das Bild entstand bei der Befreiung der Schüler am schmutzigen Donnerstag 2020 mit Bürgermeister Joachim Burger (Mitte), Monika Winterhalder im Plätzlehäs der Hungrigen Stühlinger (rechts) sowie den Grundschülern und ihren Lehrern, während die Hüttä-Rüttler (hinten, rechts) für Musik sorgen.
Was bisher normal war, ist derzeit undenkbar: Gemeinsam feiern und die Fasnacht genießen. Das Bild entstand bei der Befreiung der Schüler am schmutzigen Donnerstag 2020 mit Bürgermeister Joachim Burger (Mitte), Monika Winterhalder im Plätzlehäs der Hungrigen Stühlinger (rechts) sowie den Grundschülern und ihren Lehrern, während die Hüttä-Rüttler (hinten, rechts) für Musik sorgen. | Bild: Yvonne Würth
  • Bunte Abende: Ist das Feiern am Schmutzigen Donnerstag im eigenen Ort noch ein Muss, treffen sich an den Bunten Abenden und am Fasnachtsmontag die Narren aus dem größeren Umkreis in Stühlingen in großer Zahl. Die in den Wintermonaten eingeübten Sketche, Lieder, Reden bis hin zur witzigen Zaubershow zeugen von der Kreativität, der Vielfalt und dem Können der Narren an den Bunten Abenden. Narrenmutter Gaby Böhler führt dabei Regie und gibt Tipps in den Proben.
Ein großes Team unterstützt den Zunftmeister Daniel Fechtig (links) und Narrenmutter Gaby Böhler (rechts) durch das Jahr bei Veranstaltungen der Narrenzunft Hungrige Stühlinger. Zu den Höhepunkten gehören die Bunten Abende und der Fasnachtsmontag.
Ein großes Team unterstützt den Zunftmeister Daniel Fechtig (links) und Narrenmutter Gaby Böhler (rechts) durch das Jahr bei Veranstaltungen der Narrenzunft Hungrige Stühlinger. Zu den Höhepunkten gehören die Bunten Abende und der Fasnachtsmontag. | Bild: Yvonne Würth
  • Der Umzug: Der Fasnachtsmontag wurde seit einigen Jahren zum bunten Straßenfest in Stühlingens Hauptstraße. Die musikalische Unterhaltung der heimischen und befreundeten Gruppen sorgt vom späten Vormittag bis weit in den Abend hinein für zusätzliche Unterhaltung. Der Umzug mit rund 60 Gruppen lockt regelmäßig Tausende Besucher in die Hohenlupfenstadt. Dass die Narrenzunft Hungrige Stühlinger neben den verstärkten Anforderungen für die Sicherheit im Vorfeld und dem Großputz am Tag danach auch noch eine Kinderfasnacht ausrichtet, zeugt von ihrer bemerkenswerten Einstellung für den Narrensamen.