Die Narren in Stühlingen regen seit 150 Jahren an, den nötigen Ernst für einige Tage zu vergessen und sich gesund zu lachen. Das älteste Dokument zur Stühlinger Fasnacht ist ein Plakat von 1871.

Schautheater 1871

Das älteste Dokument zur Stühlinger Fasnacht wurde 1871 in der Steindruckerein E. Würth in Stühlingen gedruckt. In der Größe von 40 mal 30 Zentimeter lädt es zum „öffentlichen Schautheater unter der Direktion des Narrhalla-Comites der sonst sehr ernsten, diesmal aber sehr närrisch gestimmten Stadt“ ein, als Datum wurde der 10. Februar genannt, „bei ungünstiger Witterung den 30. Februar 1871. Um schönes Wetter wird gebeten. Unanständiges Wetter wird von Polizei wegen untersagt“, bereits die Ankündigung ist närrisch.

Ein Werbeplakat von 1871. Im Jahr 1996, vor 25 Jahren, feierten alle Stühlinger Vereine sowie die Narrenvereinigung Kleggau 125 Jahre Stühlinger Fasnacht und 100 Jahre Narrenfahne.
Ein Werbeplakat von 1871. Im Jahr 1996, vor 25 Jahren, feierten alle Stühlinger Vereine sowie die Narrenvereinigung Kleggau 125 Jahre Stühlinger Fasnacht und 100 Jahre Narrenfahne. | Bild: Yvonne Würth

Zum ersten Mal soll das komische musikalische Quodlibet mit dem Fantasienamen „Tantilocomotivilantipiepitucaltrogogolnege“ in drei Abteilungen unter Mitwirkung sämtlicher närrischer Narren stattfinden. „Der Wunderdoktor wird alle durch Lachen kurieren. Die Leute müssen lachen, sonst hilft kein Kleistern und Schmieren usw.“ Im Werbeplakat wird neben dem einem Bunten Abend ähnlichen Schautheater auch noch ein Umzug erwähnt: „Der Zug nimmt seine Richtung von der Narrenherberge in das Dorf durch die vielen Straßen und zurück mit sämtlich anwesenden Banden und Geistern in die Stadt durch alle Gassen.“

Zeitleiste

Seit wann in Stühlingen Fasnacht gefeiert wird, ist kaum noch festzustellen. Im F.F. Archiv Donaueschingen ist aus dem Jahre 1739 ein Gesuch für eine Wirtschaftskonzession aufbewahrt. Kranzwirt Anton Held aus Stühlingen wollte u.a. an Fasnachtstagen warme Speisen anbieten. Auch im Jahr 1851 ging es in Stühlingen an der Fasnacht hoch her, wie aus einem amtlichen Beschwerdeschreiben zu entnehmen ist.

Die bemalte Fahne von 1896 erinnert nach italienischem Vorbild, wie damals gefeiert wurde, bevor das schwäbisch-alemannische Brauchtum Einzug in Stühlingen hielt: „Vivat hoch Prinz Carneval.“

Die Narrenfahne von 1896 ist nun 125 Jahre alt.
Die Narrenfahne von 1896 ist nun 125 Jahre alt. | Bild: Yvonne Würth

1953 wurde die Stühlinger Narrengesellschaft Hohenlupfen beim Ranzenwirt gegründet, davon zeugt noch heute die Gründungsurkunde, gezeichnet vom Stühlinger Künstler Hans Körber, kurz HaKö. Daraus wurde später die Narrenzunft Hungrige Stühlinger.

1996 wurden 125 Jahre Stühlinger Fasnacht und 100 Jahre Narrenfahne mit allen Stühlinger Vereinen und der Narrenvereinigung Kleggau groß gefeiert. Das Buch „Lutter Narre“ wurde auf 118 Seiten in einer Auflage von 1000 Stück zu einem Preis von 10 Mark dank zahlreicher Sponsoren herausgegeben. Seit 2010 lädt das närrische Liederbuch mit Sprüchen und närrischen sowie zeitgenössischen Liedern aus den zehn Ortsteilen dazu ein, zusammen zu singen.

Für den Inhalt und das Layout zeigten sich Daniel Fechtig und Frank Geng verantwortlich. 2013 feierte die Narrenzunft Hungrige Stühlinger das 60-jährige Bestehen mit einer eintägigen Ausstellung von Exponaten im Schloss Hohenlupfen. Darunter waren auch Masken des Maskenschnitzers und Erfinder des „Hungrigen Stühlingers“ Artur Würth.