Vier Wochen zwischen Hoffen und Bangen sind für einige Einzelhändler vorbei. Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche durften ihre Türen gestern wieder öffnen. Sie sind erleichtert. Die große Euphorie ist im Wutachtal jedoch noch nicht ausgebrochen. Was die Umsatzeinbußen während der vergangenen vier Wochen betrifft, können die befragten Einzelhändler noch nichts sagen. Sie sind erst einmal froh, dass es jetzt weitergeht.

Die Unsicherheit bleibt

„Ich freue mich für den Handel und das Gewerbe, es ist ein Hoffnungsschimmer, dass es so langsam in Richtung Normalität geht“, äußerte sich Reinhard Schmitt, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Stühlingen, am Telefon verhalten optimistisch. Er spricht dabei für seine Mitglieder. Er selbst war mit seiner Versicherungsagentur bisher weniger betroffen. Er wertet die gelockerten Bestimmungen als „zarten Versuch“. Er betont: „Die Unsicherheit bleibt. Wir wissen nicht, was morgen ist.“

Reinhard Schmitt, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins, freut sich, dass einige Geschäfte in der Hauptstraße in Stühlingen wieder offen sind.
Reinhard Schmitt, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins, freut sich, dass einige Geschäfte in der Hauptstraße in Stühlingen wieder offen sind. | Bild: Reinhard Schmitt

Er hofft, dass sich die Stühlinger und Kunden aus den Nachbargemeinden jetzt solidarisch zeigen und statt im Internet wieder vor Ort einkaufen. Schmitt habe aber nach Öffnung der Geschäfte am Montagmorgen nicht mehr Menschen in der Hauptstraße gesehen als in den vergangenen vier Wochen.

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„Ich habe mir schon gedacht, dass es nicht gleich einen Riesen-Run gibt“, sagt Schmitt, „die Leute sind geeicht und vielleicht eher noch vorsichtig.“ Aber er stelle fest, dass immer mehr Menschen mit Masken unterwegs sind.

Sechs Geschäfte in der Hauptstraße

Sechs Geschäfte, alle in der Hauptstraße, durften in Stühlingen wieder öffnen. „Garantiert hatten alle einige Umsatzeinbußen“, mutmaßt Schmitt. Er fühlt besonders mit den Frisören und Gastronomiebetrieben. „Die haben ja gar nix.“ Und die müssen weiter warten. Für Frisöre gilt laut Verordnung bisher der 3. Mai als Stichtag. Schmitt: „Für die Gastronomie könnte man doch eine Regel finden.“

„Heute Morgen war schon gleich ein Kunde da“, berichtet Marina Braun vom gleichnamigen Blumenhaus mit Hauptsitz in Wutöschingen, wo eine Gärtnerei angeschlossen ist. In Stühlingen hat Braun einen kleinen Blumenladen.

Unter Einhaltung der Vorschriften

Was die Schutzmaßnahmen betrifft, halten sich alle an die Vorgaben, ist sich Schmitt sicher. „Es wird laufen wie in der Apotheke, die Leute sind diszipliniert und warten draußen vor der Tür, bis sie dran sind. Ich denke, das läuft bei den anderen auch nicht anders, ich bin sicher, dass sich alle an die Vorschriften halten“, sagt der HGV-Vorsitzende.

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Die meisten Geschäfte seien Inhaber geführt mit wenig Personal. „Wir haben Schutzmasken, Handschuhe, Scheiben sind aufgehängt, und es darf sich immer nur ein Kunde im Laden aufhalten“, beschreibt Marina Braun die Vorkehrungen im Blumenladen.

Auch sie kann keine Zahlen zum Umsatz nennen. Aber sie weiß, dass einiges weggebrochen ist. Kurz sagt sie: „Kein Geburtstag, das Ostergeschäft war mäßig, die Beerdigungen fallen kleiner aus, es gibt keine Krankenhausbesuche.“ Mit dem Lieferservice habe man es ein bisschen auffangen können.

Händler in Wutöschingen

Den Betrieb am Hauptsitz in Wutöschingen habe das Blumenhaus mit Gärtnerei herunterfahren müssen. Obwohl das Geschäft bisher geöffnet war. Beim Autohaus Fink sind die Spannbänder weg, die Ladentüren sind wieder offen. Die Werkstatt lief bis dato gewohnt weiter, während der Autohandel mit den 200 Quadratmetern bis Montag geschlossen bleiben musste. „Die bestellten Autos haben wir noch ausgeliefert, dann lief in den vergangenen Wochen im Autohandel nichts mehr“, beschreibt Christian Fink. In seinem Geschäft sind jetzt, wie fast überall, Abstandsmarkierungen angebracht. Auch die übrigen Schutzmaßnahmen werden eingehalten.

Viele Einzelhändler, die von den Lockerungen der Beschränkungen profitieren, gibt es in Wutöschingen nicht mehr. Der Einzelhandel wird in der Gemeinde eher von den Lebensmittelgeschäften geprägt.

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