Mit diesem Interesse hatten die Organisatoren der Informationsfahrt auf der Wutachtalstrecke bis nach Stühlingen nicht gerechnet. Schon auf dem Bahnsteig am Gleis 2 in Waldshut war das Gedränge groß. Landrat Martin Kistler staunte nicht schlecht, hatte aber keine Mühe, sich mit seiner Stimme trotz laufendem Zugverkehr Gehör zu verschaffen. „Es wird zu erheblich attraktiveren Zugverbindungen kommen“, zeigte er sich erfreut. Profitieren werden davon mit dem Fahrplanwechsel ab dem 16. Dezember vor allem Schüler und Schulen, aber „auch andere Fahrgäste an der Strecke“, da ist sich Kistler sicher.

Selbst der Landrat muss stehen

Christian Brinkmann, Leiter der Bahnbetriebe Blumberg, die diese Strecke vorwiegend als Zubringer zur Sauschwänzlebahn unterhalten, war begeistert: „Es wäre schön, wenn der Zug auch in Zukunft so voll ist.“ Selbst für den Landrat blieb nur ein Stehplatz.

Dicht gedrängt saßen und standen die Gäste der Infofahrt in der Wutachtalbahn. Entlang der Strecken von Waldshut nach Stühlingen stiegen bei jedem Halt neue Fahrgäste zu.
Dicht gedrängt saßen und standen die Gäste der Infofahrt in der Wutachtalbahn. Entlang der Strecken von Waldshut nach Stühlingen stiegen bei jedem Halt neue Fahrgäste zu. | Bild: Gerald Edinger

Bedarfsanalyse soll Ende 2020 stehen

Wie Karsten Klapheck von Landesministerium für Verkehr erläuterte, gehört die Wutachtalbahn zu den 41 Bahnstrecken, deren Reaktivierung geprüft werde. Die Analyse bezüglich Fahrgastpotenzial und notwendigen Investitionen liege Ende 2020 vor. Dann werde über das weitere Vorgehen entschieden.

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Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember werden wochentags an Schultagen acht Verbindungen von Waldshut nach Stühlingen angeboten, jeweils vier in beide Richtungen.

Zahlreiche Akteure fordern Wiederbelebung der Strecke

Dass es überhaupt dazu kam, sei einer Sitzung im Wutöschinger Rathaus anfang 2018 zu verdanken, erklärte Landrat Kistler. Abgeordnete, Vertreter aus dem Verkehrsministerium, der Nahverkehrsbetriebe, der Bahnbetriebe Blumberg, des Landkreises und der Gemeinden entlang der Strecke hätten die Wutachtalbahn gewollt und hätten gemeinsam dieses Projekt auf die Schiene gebracht.

Landesförderung gesichert

„Das Engagement nehmen wir in Stuttgart wohlwollend zur Kenntnis und wir werden die Verbindungen aus Regionalisierungsmitteln finanzieren“, erklärte Klapheck. Der Landkreis fördert die Strecke mit 10 000 Euro jährlich, doppelt so viel wie bisher. Möglich wurde dies alles aber nur, weil die Zugerbindungen in enger Absprache mit der Südbadenbus GmbH abgestimmt wurden, so Kistler. Beide Angebote sollen sich ergänzen.

Taktung an Schülerbedürfnisse angepasst

Auf der Fahrt stiegen in Tiengen, Lauchringen, Wutöschingen und Eggingen Gäste zu. Ein bisschen enttäuscht waren einige, dass die Taktung nur mit den Schulen abgestimmt wurde. „Morgens kann ich mit dem Zug noch rechtzeitig zur Arbeit kommen, abends passt die Verbindung nicht mehr“, bedauert zum Beispiel Andreas Budde aus Stühlingen.

Das Interesse an der kostenlosen Informationsfahrt mit der Wutachtalbahn war riesig. Noch musste den Fahrgästen beim großen Schritt aus dem Zug geholfen werden. In Stühlingen hatte Bürgermeister Joachim Burger dann für einen Imbiss und Getränke gesorgt.
Das Interesse an der kostenlosen Informationsfahrt mit der Wutachtalbahn war riesig. Noch musste den Fahrgästen beim großen Schritt aus dem Zug geholfen werden. In Stühlingen hatte Bürgermeister Joachim Burger dann für einen Imbiss und Getränke gesorgt. | Bild: Gerald Edinger

Heiko Fossen von der Nahverkehrsbetriebsgesellschaft betonte: „Was hier passiert, ist eine Option für die Zukunft. Dass das Projekt so schnell umgesetzt werden konnte ist einmalig. Hier wird gehandelt, es tut gut so etwas zu sehen.“

Weitere Investitionen werden nötig

Christian Brinkmann erläuterte die Reihe von Investitionen, die in den kommenden fünf bis sechs Jahren notwendig sind: Die Bahnübergänge sollen Schritt für Schritt mit Lichtsignalanlagen ausgestattet werden, die derzeit noch vorhandenen Schienenstöße sollen verschwinden. „Dann können die Züge bald mit Tempo 80 hier fahren“, sagt Brinkmann.

Er hofft, dass dies schon ab Dezember teilweise möglich sein wird. Da derzeit noch Fahrkartenautomaten an den Bahnhalten im Wutachtal fehlen, werde eine Fahrt ohne Fahrschein momentan noch toleriert. „Aber wir werden das Thema aufgreifen“, sagte der Blumberger Bahnbetriebsleiter. In Stühlingen wird am Schulzentrum ein 50 Meter langer barrierefreier Bahnsteig mit Wetterschutzhäuschen gebaut. Stühlingen hat dafür 70 000 Euro im Haushalt bereitgestellt.