„Wir wollen hier kein weiteres Dreschflegelmuseum einrichten“, betont der Vorsitzende des Fördervereins Zechenwihler Hotzenhaus, Georg Kirschbaum. Damit herrscht Klarheit darüber, wo dieses Objekt in der Liste der zu erhaltenden Denkmäler steht – nämlich ganz oben. Es gilt, der Nachwelt zu zeigen, wie unsere Vorfahren ab dem Jahre 1748 gelebt und gearbeitet haben.

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Ein Förderverein wurde im Jahre 2006 mit 34 Gründungsmitgliedern gegründet. Mittlerweile gibt es rund 200 eingetragene Mitglieder. Die Anzahl ist recht konstant. Tendenz: leicht steigend. Georg Kirschbaum und Wolfgang Küster sind die „Vorständler“ (O-Ton Georg Kirschbaum). Insgesamt zählt man 17 Vorstandsmitglieder. „Es muss ja nicht die ganze Arbeit an zwei Vorstandsmitgliedern hängen. Es ist so viel am ganzen Haus zu tun“, meint Wolfgang Köster.

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Fährt man die Landstraße L 151 Murg-Hänner entlang, präsentiert sich das Gebäude – scheinbar – in einem desolaten Zustand. Noch. Baukran und Gerüst zeugen davon, dass Einiges im Gange ist. Vornehmlich im Innern des Gebäudes. Das Hotzenhaus ist ein typisches Beispiel für das früher weit verbreitete Bauernhaus im Hotzenwald. Das Haus gilt als einer der letzten Vertreter dieses Haustyps. Es ist ein unersetzliches regionales Kulturgut und dokumentiert die traditionelle ländliche Bau- und Wohnweise im Hotzenwald und benachbarten Fricktal. Seit 1748 wohnten während acht Generationen die Familien Lauber und eingeheirateter Familie Frommherz darin. „Die Einmaligkeit dieses Hauses liegt darin, dass die ursprüngliche Architektur erhalten blieb und in den letzten 100 Jahren nicht mehr verändert wurde“, so Georg Kirschbaum. Jahrhunderte alte Kleidungsstücke hängen noch im Schlafzimmerschrank. Die stählerne Wärmeflasche liegt beim Bett.

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Der Kernbau von 1748 war ein hölzerner Bohlenbau, bedeckt mit einem Strohdach. Im Laufe der Zeit wurde das Haus den Bedürfnissen seiner Bewohner angepasst. Der ursprüngliche Holzbau wurde mit massiven Mauern erweitert. Und so entstand das typische Hotzenhaus.

Die Wohnstube des Hotzenhauses.
Die Wohnstube des Hotzenhauses. | Bild: Harald Schwarz

Juli 2019 war Start der Sanierungsarbeiten. Fein säuberlich führt Kirschbaum wöchentlich Buch über den Stand der Dinge. Bei diesem Turnus blieb es bis zum heutigen Tag. Es wird „Jour Fix“ (fester Termin) mit allen Verantwortlichen abgehalten und per Facebook dokumentiert. Aktuell steht man beim 46-sten Jour Fix. „Es hat sich herausgestellt, dass die Dokumentation auch notwendig ist gegenüber einem „profanem“ Gebäude wie einem Einfamilienhaus, wo alles von der Stange ist“, erklärt Georg Kirschbaum und führt weiter aus: „die Rahmenbedingungen eines Denkmals müssen erfüllt sein. Wir sind in der gleichen Denkmalskategorie wie das Freiburger Münster“. Beispielsweise wird ein maroder Balken nicht sofort ersetzt, sondern die defekten Stellen repariert. In den Augen der Denkmalsbehörde sei das Hotzenhaus etwas ganz Besonderes, erläutert Kirschbaum.

Immer wieder Überraschungen

„Das Haus ist eine Wundertüte“ sagt der Vorsitzende. Und so gibt es Tag für Tag neue Überraschungen. Zum Glück keine gravierenden. „Es gibt hunderte Einzelsituationen, die individuell gelöst werden müssen.“ Die Sanierung des Gebäudes wurde in vier Phasen eingeteilt: Kauf und Sicherung, Sanierung Wohnteil, Ökonomieteil und restliche Sanierungsmaßnahmen. Nach einer Begutachtung wurde jedoch festgestellt, dass der Ökonomieteil baulich stark gefährdet sei. Nun musste umgeplant werden. Der Ökonomieteil war zuerst dran. In dieser Bauphase (zwei) steckt man im Moment. Fertigstellung ist für Mitte November 2020 geplant. Danach wird der Wohnteil in Angriff genommen. Diese Änderung der Vorgehensweise hat den Zeitplan durcheinander gewirbelt. Grundsätzlich blieb es dabei: Phase zwei bis vier war den einzelnen Sanierungsphasen vorbehalten. Die Abläufe der einzelnen Maßnahmen sind komplex und miteinander verzahnt und stellen hohe Anforderungen an Organisation und Koordination für alle Beteiligten, im Besonderen an die Handwerker. Es sind ausschließlich regionale Betriebe im Einsatz. Das erleichtert die Planung. „Was Statik betrifft, mussten die Pferde gewechselt werden“, erklärt Georg Kirschbaum.

Startschuss im Juli 2019

Der Startschuss für den Beginn der Sanierung war im Juli letzten Jahres. Der Termin, an welchem die ersten Zimmerer anrückten. Fertigstellung ist im Jahr 2025 geplant. Einer der markanten Bauabschnitte war die Fertigstellung des Stahlbaus. Zu vergleichen mit einem Skelett und Käfig, welches das Gebäude zusammenhält und stabilisiert. Im Frühjahr 2021 will man „richtig Gas geben mit Veranstaltungen“, so Vorstandsmitglied Wolfgang Köster. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Sanierung soweit gediehen, dass das Zechenwihler Hotzenhaus als Ort des kulturellen Lebens für Vereine und Bürger zur Verfügung steht. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: Events wie Vereinsfeste, Hochzeiten, Firmenveranstaltungen, Gemeinderatsitzungen, Vortragsreihen versprechen buntes Leben in historischem Gemäuer. Wenn es ins große Catering geht, plant der Vorstand, mit Partnern zusammen zu arbeiten. Josef Eckert sei Dank, „dem Brennpapst vom Hochrhein“, wie Wolfgang Küster scherzhaft meint.

„Brennpapst“ Josef Eckert präsentiert die liebevoll restaurierte Brennanlage.
„Brennpapst“ Josef Eckert präsentiert die liebevoll restaurierte Brennanlage. | Bild: Harald Schwarz

In unermüdlicher Arbeit gelang es ihm, die alte Brennanlage liebevoll zu restaurieren. Sie ist wieder voll funktionsfähig. Ein Kräuterschnaps steht als nächstes Eigenprodukt auf dem Programm. Gegenüber der ursprünglichen Finanzplanung haben sich ebenfalls Änderungen ergeben. 960.000 Euro waren veranschlagt. Aktuell steht man bei geplanten 1,25 Millionen. Die Finanzierung sei aber durch Zuschüsse, Spenden, Darlehen, einem Entwicklungsprogramm und weiteren Unterstützungen weiterhin solide, so Georg Kirschbaum. Zur Zeit sei eine Liquidität von circa 100.000 Euro vorhanden. Eigentümer des Anwesens ist die Gemeinde Murg, der Förderverein des Hotzenhauses ist Pächter und Bewirtschafter.

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