Es sind eindrückliche gemalte Stadtansichten, die das Museum Schiff in Laufenburg derzeit zeigt. Es sind Zeugen aus einer Zeit, die es so zum Teil nicht mehr gibt, einer Zeit, in der Laufenburg noch ein Solbad hatte, in der die Bäckerei Weber noch stand. Gemalt haben sie der Laufenburger Künstler Rudolf Schütz, Renate Kaiser und Friedrich Huster. Die Gemälde sind grundverschieden und erzählen doch die gleiche Geschichte, jene einer Stadt, die sich verändert. Begeistern können alle drei Künstler – gerade mit ihren jeweiligen Eigenarten.

Rudolf Schütz hat seine Gemälde mit Text ergänzt. Manchmal stehen nur wenige Worte auf den Bildern, manchmal sind es viele Zeilen. Es sind die Geschichten hinter der Geschichte. Rudolf Schütz hielt die Momente fest, wenn Veränderungen an den Gebäuden stattfanden, in Wort und Bild.

Der Hintergrund

Bei den Gemälden von Friedrich Huster gibt es auch eine Geschichte hinter den Bildgeschichten. Sie beantwortet die Frage, weshalb Huster, ein Wahl-­Zermatter, 35 Aquarelle von Laufenburg malte. Dabei kommt Ernst Sibold ins Spiel. Er wurde in Laufenburg geboren. Seine Eltern zogen, als er etwa fünf Jahre alt war, nach Winterthur Töss. ­Sibold blieb der Stadt aber verbunden.

Die Bitte

Einem zweiten Ort war Sibold, neben seinem Wohnort, noch eng verbunden: Zermatt. Stets im Dezember zog es ihn für eine Woche ins Wallis. Hier beobachtete er eines Tages den Kunstmaler Friedrich Huster, wie er Bilder des Ortes malte. Beeindruckt von seiner künstlerischen Hand, kam er mit ihm ins Gespräch und gab ihm den Auftrag, von Zeit zu Zeit malerische Ecken seiner Geburtsstadt Laufenburg festzuhalten, wie sich Tochter Monika Vorlik-Sibold in einem Schreiben an Hannes Burger, Präsident des Museumsvereins, erinnert. „Unser Vater betonte oft uns Kindern gegenüber, dass er halt im schönen Laufenburg am Rhein im Kanton Aargau geboren wurde“, so Vorlik-Sibold. An Stichen, die in der Wohnung hingen, erklärte er den Kindern „mit vollem Stolz die beiden Laufenburg“.

Kostbarkeiten

Jedes Mal, wenn ihm Huster ein fertiges Aquarell von Laufenburg schickte, war er überglücklich. „Wir durften sie als Kinder kaum anfassen“, so Vorlik-Sibold. Sorgfältig hob Vater Sibold die Kunstwerke in einer Zeichenmappe auf. Über die Jahre hinweg wuchs und wuchs die Sammlung; am Schluss waren es 35 Aquarelle. „Platz gab es keinen für sie, hingen doch schon so viele Bilder und Seidenteppiche an den Wänden“, erinnert sich seine Tochter und fügt an: „Schade eigentlich!“

Das Vermächtnis

Im Alter war es Ernst Sibold ein Anliegen, wegen der Aquarelle Kontakte in Laufenburg zu suchen. „Er erinnerte uns stets daran, dass die besagte Mappe oberhalb auf dem Büroschrank lag, und wir sie unter keinen Umständen vergessen dürfen.“ Sie wurde nicht vergessen. Etwa ein halbes Jahr nach dem Tod von Ernst Sibold wurde seine Tochter auf Umwegen fündig und gelangte schließlich an Hannes Burger. Nach einem Besuch von Monika Vorlik-Sibold und ihren Geschwistern in Laufenburg „war es für uns klar und selbstverständlich, dass die Aquarelle von Huster sich auf dem besten Wege ins Museum Schiff in Laufenburg befanden“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Ins Museum

Die Geschwister waren sich einig, dass „die Bilder als Schenkung hierher an diesen charmanten Ort gehören; und dies ist bestimmt auch ganz im Geiste unseres Vaters“, schreibt Vorlik-Sibold. „Die einzigartigen, ehemaligen Ecken und Sujets Laufenburgs, aquarelliert von Friedrich Huster, sollen den Einheimischen und Besuchern des Museums Schiff viel Freude bereiten und ihnen die Schönheit dieser Altstadt mit ihren bezaubernden Winkeln in Erinnerung rufen.“

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Nicht nur viele Laufenburger freuen sich über die Bilder und schwelgen in alten Geschichten, sondern auch viele Heimweh-Laufenburger lassen sich die Ausstellung nicht entgegen, berichtet Hannes Burger. „Die Ausstellung läuft gut“, freut er sich – so sie denn läuft. Denn coronabedingt war die Ausstellung, kaum war sie eröffnet, auch schon wieder zu. Seit dem 3. März kann sie nun wieder besichtigt werden.

Besonderheiten

Ergänzt werden die Bilder mit Vitrinen, die Geschichten erzählen, die zu den gemalten Geschichten passen. Kuratorin Ariane Dannacher hat sie zusammengestellt. Ein Glanzstück ist die Luftaufnahme von 1913, aus einem Zeppelin gemacht, die die neue Brücke zeigt. Der Rhein ist noch nicht aufgestaut, der alte Fußweg führt unter der Brücke durch.