Die Maschinen der Lauffenmühle stehen seit mehr als einem Monat still. Geht es nach der Gemeinde, soll es Lauchringens größtem Grundstück eher früher als später wieder betriebsam werden. Ideen zur weiteren Nutzung des Areals werden derzeit entwickelt. Spätestens Ende kommenden Jahres sollen neue Arbeitsplätze geschaffen und Wohnbauprojekte angestoßen sein. Bürgermeister Thomas Schäuble zeigt sich zudem innovativ: Er will zwischen den alten Mauern ein neues Technologiezentrum für junge Startups ansiedeln.

1. Wie geht es kurzfristig weiter?

Nach Auskunft der Gemeindeverwaltung sollen in den kommenden Wochen Untersuchungen des 75 000 Quadratmeter großen Lauffenmühle-Areals beginnen. Die Ergebnisse über den Zustand von Böden und Gebäuden dienen dann als Entscheidungsgrundlage für die weitere Entwicklung des Geländes. Von ihnen hängt zum Beispiel ab, mit welchen Kosten für Rückbau und Sanierung der teils mehr als 100 Jahre alten Strukturen gerechnet werden muss. Auch die Entsorgung möglicher Altlasten, wie Asbest oder Faserzement, könnte zusätzliche Kosten verursachen. Von chemischer Belastung wird im Lauchringer Boden zwar nicht ausgegangen. Chemikalien kamen nur am Standort Lörrach zum Einsatz. Bis Mitte kommenden Jahres sollen hierzu aber verlässliche Daten aus den Bodenuntersuchungen vorliegen.

Das könnte Sie auch interessieren

2. Welche Ideen und Möglichkeiten gibt es?

Ende September berät der Gemeinderat in einer Klausurtagung darüber, in wie weit sich die Gemeinde auf dem Betriebsgelände des ehemaligen Textilherstellers engagieren soll. Die Größe des Areals erlaube Schäuble zufolge verschiedene Nutzungsformen nebeneinander. Die ersten Entwürfe sehen eine Mischung aus Gewerbe – im Bereich Kadelburgerstraße und Wohnbebauung im südwestlichen Bereich vor. Der Gemeinde liegen hierfür zwei mögliche Konzepte vor, die in der Klausurtagung vorgestellt werden sollen. Erarbeitet wurden sie im Auftrag der Geschäftsführung der Lauffenmühle und der Gemeindeverwaltung durch das Büro Wick und Partner in Stuttgart. Der Unterschied zwischen den beiden Konzepten liegt im Ausmaß der zu erhaltenden Bausubstanz. Bisher gebe es somit nur mündliche Verhandlungen zwischen ihm und den Lauffenmühle-Eigentümern, so das Gemeindeoberhaupt. Denn: „Das ist auch für die Gemeinde ein recht hoher finanzieller Aspekt“, sagt Schäuble. Aus diesem Grund müsse auf die Untersuchungsergebnisse gewartet werden.

Riesige Flächen und alte Mauern: Was mit dem Lauffenmühle-Areal geschehen wird hängt auch davon ab, welche Altlasten sich hier noch verbergen.
Riesige Flächen und alte Mauern: Was mit dem Lauffenmühle-Areal geschehen wird hängt auch davon ab, welche Altlasten sich hier noch verbergen. | Bild: Peter Rosa

3. Wie können sich Bürger beteiligen?

Der Gemeinderat wird in einer seiner kommenden Sitzungen über ein Bürgerbeteiligungsforum abstimmen. Darin könnte der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben werden, eigene Anregungen für die Weiterentwicklung des Lauffenmühle-Areals einzubringen. Darüber hinaus sollen Versorgungsunternehmen, Naturschutzverbände, Eigentümer sowie Träger öffentlicher Belange gehört und in die Planung der weiteren Schritte miteinbezogen werden. „Die Wutach ist ein sensibles Gebiet“, sagt Bürgermeister Schäuble.

Das könnte Sie auch interessieren

4. Wird Lauchringen zum Tech-Startup-Standort?

Schäuble will auf dem Areal zudem ein Technologiezentrum für Startups schaffen, in dem junge Unternehmen innovativ arbeiten, gemeinsam wachsen und von Synergien profitieren können. „Seit Jahrhunderten fanden an dieser Stelle an der Wutach Menschen Arbeit und damit Lohn und Brot. Nun ist es unsere Aufgabe, dies weiter zu entwickeln. Dazu ist ein Start-Up-Zentrum für jungen Unternehmen absolut geeignet“, meint Schäuble. Vorbild wäre der Badencampus in Breisach oder das Technologiezentrum in Tailfingen. Erste Gespräche mit interessierten Firmen und dem Energieversorger Badenova als Partner seien bereits geführt worden. Konkret geht es bei der Idee um den Erhalt einer bestehenden Halle mit rund 8000 Quadratmetern Fläche, von denen zunächst 20 bis 30 Prozent für eine entsprechende Nutzung als Start-up-Zentrum umgestaltet werden könnten. In Breisach sind es auf 1500 Quadratmetern 16 Unternehmen. „Das erste Ziel für Lauchringen sind 20 Unternehmen“, sagt Schäuble. Er lädt Firmen, die sich von der Idee angesprochen fühlen, ein, sich bei der Gemeinde Lauchringen zu melden. Derzeit werde die Förderfähigkeit eines solchen Projekts geprüft.

Die Lauffenmühle war für die Gemeinde prägend. So sah die damalige Gemeinde Unterlauchringen mit dem Unternehmen im Hintegrund 1929 aus. Schon bald könnten dort neue Wohnungen, Arbeitsplätze und ein Startup-Zentrum entstehen.
Die Lauffenmühle war für die Gemeinde prägend. So sah die damalige Gemeinde Unterlauchringen mit dem Unternehmen im Hintegrund 1929 aus. Schon bald könnten dort neue Wohnungen, Arbeitsplätze und ein Startup-Zentrum entstehen. | Bild: Gemeinde Lauchringen

5. Was passiert mit den bestehenden Mietverhältnissen?

Sollte die Gemeinde nächster Eigentümer des Lauffenmühle-Areals werden, werden die bestehenden Mietverhältnisse auf dem Gelände fortgesetzt, verspricht der Bürgermeister. „Sollten vermietete Gebäude abgerissen werden müssen, steht die Gemeinde in der Verantwortung, Lösungen zu finden. Bei einer Neuaufstellung des Areals sehe ich diese Mieter wieder integriert“, beruhigt Schäuble. Konkret geht es um fünf Betriebe: eine Geschäftsstelle der Hago, die Nähwerkstatt Fadenlauf, die Naturheilpraxis Indlekofer, Haberstock Mobility und den Stoffladen.

Das könnte Sie auch interessieren

6. Welche Aussichten bestehen für ehemalige Lauffenmühle-Mitarbeiter?

„Wir möchten mindestens so viele neue Arbeitsplätze auf dem Lauffenmühle-Areal schaffen, wie dort durch die Schließung des Unternehmens weggefallen sind“, sagt Schäuble. Zuletzt arbeiteten 170 Menschen am Standort Lauchringen, 65 von ihnen leben auch in der Gemeinde. Inwiefern diese Stellen zu den Profilen der ehemaligen Mitarbeiter der Lauffenmühle passen werden, müsse sich aber zeigen. Die Zukunft der Menschen, die dort ihren Arbeitsplatz verloren haben, sei eine Aufgabe der gesamten Region, vor allem aber des einzelnen selbst, mahnt der Bürgermeister. Immerhin: Vier von ihnen haben bei der Gemeinde Arbeit gefunden, zwei bei der Verwaltung, einer beim Bauhof und einer beim Abwasserzweckverband. Anfang Oktober veranstaltet die Gemeinde gemeinsam mit dem Arbeitsamt Lörrach und der Wirtschaftsregion Südwest eine Jobbörse in der Gemeindehalle (siehe Infokasten). Der Betriebsrat der Lauffenmühle wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht zu Wünschen oder möglichen Plänen für das Areal äußern.

Das könnte Sie auch interessieren

7. Gibt es neuen Einzelhandel?

Als Kommune ohne zentralörtliche Funktion stehen Lauchringen Einzelhandelsflächen von bis zu 800 Quadratmetern zu. Neuansiedlungen in dieser Größenordnung sind auf dem frei werdenden Areal entlang der Kadelburger Straße grundsätzlich möglich. Das hängt vom entsprechenden Flächennutzungs- beziehungsweise Bebauungsplan ab. Konkrete Pläne zur Ansiedlung neuen Einzelhandels im Lauffenmühle-Areal gibt es derzeit aber nicht. Theoretisch wären sogar noch größere Einzelhandelsflächen möglich, erklärt Jean-Michel Damm, zuständiger Siedlungsplaner beim Regionalverband Hochrhein-Bodensee. Darüber würde dieser dann im Einzelfall mitentscheiden, zum Beispiel im Hinblick darauf, ob es sich um Einzelhandel zur Grundversorgung handelt, oder ob andere Versorger in der Gemeinde und darüber hinaus (zum Beispiel in Küssaberg und Wutöschingen) negativ beeinflusst würden. 2014 wurde ein Antrag der Gemeinde Lauchringen auf Einstufung als Unterzentrum vom Regionalverband vorläufig abgelehnt. Grund sei, dass Lauchringen direkt an das Mittelzentrum Waldshut-Tiengen angrenze.

8. Was kostet das Lauffenmühle-Areal?

Die Gemeinde Lauchringen besitzt für das Lauffenmühle-Areal ein gesetzlich festgelegtes Vorkaufsrecht. Derzeit liegt der Gemeinde zufolge noch kein schriftliches Verkaufsangebot seitens der Eigentümer vor. Eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung hat die Geschäftsführung bis Redaktionsschluss nicht beantwortet. Der Preis für das 7,5 Hektar große Gelände samt den Gebäuden dürfte Schätzungen zufolge aber im einstelligen Millionenbereich liegen.