Die Lauffenmühle schließt. Das Lauchringer Unternehmen wird seine Produktion zum 31. Juli einstellen. Das hat die Geschäftsführung des Textilherstellers am Donnerstag bekannt gegeben. Die rund 240 Mitarbeitenden an den Standorten Lauchringen und Lörrach wurden in Betriebsversammlungen informiert. Viele von ihnen äußerten kurz darauf ihre Wut in einer Demonstration auf dem Werksgelände.

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"Leider ist es nicht gelungen, Investoren zu finden, die eine Übernahme und Fortführung der Betriebe in Lauchringen und Lörrach sichern", so der Stuttgarter Insolvenzverwalter Philipp Grub in einer schriftlichen Stellungnahme an diese Zeitung. Seit der Stellung des Insolvenzantrags im Januar war in einem Veräußerungsprozess nach Investoren beziehungsweise Übernahmeinteressenten gesucht worden.

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Nach dem erneuten Scheitern soll der Betrieb nun im Rahmen einer geordneten Ausproduktion eingestellt werden. Mit dem Betriebsrat und der Industriegewerkschaft Metall wurden Verhandlungen zum Abschluss eines Interessensausgleichs und Sozialplans aufgenommen, so Grub. Die beiden Geschäftsführer Volker Steidel und Werner Ritzi waren für eine Stellungnahme am Donnerstag nicht zu erreichen.

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Umso energischer nahmen die Mitarbeitenden der Lauffenmühle nach der Betriebsversammlung Stellung. Mit beschrifteten Schildern und Rufen machten sie ihrem Ärger am Eingang des Werksgeländes Luft. Vielen von ihnen, besonders den zahlreichen ungelernten Arbeitskräften, droht nun die Arbeitslosigkeit.

"Wir haben gekämpft"

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"Es lag definitiv nicht an der Belegschaft", sagte Murat Atalay, Betriebsratsvorsitzender des Unternehmens. Den Grund für den gescheiterten Rettungsversuch sieht der 45-jährige Schichtmeister, der seit 25 Jahren bei der Lauffenmühle arbeitet, in Versäumnissen der Geschäftsführung. Ins Details gehen wollte er nicht, versicherte aber: "Wir haben gekämpft und wir haben geglaubt, dass es wieder gut ausgeht."

An dem Tag, als der Belegschaft die Schließung der Lauffenmühle verkündet wird, zeugen zwei Transparente von ihrem Unmut gegenüber den Geschäftsführern.
An dem Tag, als der Belegschaft die Schließung der Lauffenmühle verkündet wird, zeugen zwei Transparente von ihrem Unmut gegenüber den Geschäftsführern. | Bild: Peter Rosa

Nachdem das erneute Insolvenzverfahren eingeleitet worden war, habe man sich erneut "ganz besonders ins Zeug gelegt" und für den Erhalt der Arbeitsplätze Überstunden und Extraschichten gefahren. Man habe sogar neue Produktionsrekorde aufgestellt, so Atalay. Zufriedengeben wolle man sich mit der Situation aber nicht. Ihre ganze Hoffnung setzt die Belegschaft nun in die Direktanschriebe an mögliche Investoren und Kunden. "Aufgeben kommt nicht in Frage", so Atalay.

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"Es wurden Managementfehler gemacht", bestätigte auch Franz Ritter von der IG Metall in Waldshut. Dies sei aber nicht die alleinige Ursache für die Insolvenz gewesen. Die Lauffenmühle hatte seit vielen Jahren mit steigenden Rohstoff- und Energiepreisen zu kämpfen, ebenso wie mit dem Preisdruck durch Konkurrenten aus Fernost. So ist es bereits das fünfte Insolvenzverfahren für das Lauchringer Unternehmen. Erst 2015 sollte der Traditionsbetrieb durch einen Vergleich mit den damaligen Gläubigern wieder fit gemacht werden. Die Pläne scheiterten und führten zur Beantragung des nun finalen Insolvenzverfahrens im Januar, welches am 1. April vom Amtsgericht Waldshut-Tiengen endgültig eingeleitet wurde.