Rund 60 Personen aus der Jugend- und Kulturarbeit tauschten sich kürzlich über ihre Projektideen aus und informierten sich über Fördergelder. Beim digitalten Austausch, zu dem die Hochrheinkommission (HRK) und die Schweizer Stiftung Movetia eingeladen hatte, waren Teilnehmer aus den Kantonen Aargau und Schaffhausen sowie den Landkreisen Lörrach und Waldshut dabei. Es wurde deutlich, wie wichtig es ist, sich über die Grenze hinaus auszutauschen und wie sich alle danach sehen, bald wieder „live“ grenzüberschreitend zusammen arbeiten zu können.

Vorgestellt wurde, wie spannende Projekte auch während des Lockdowns gelingen können. Die Teilnehmer wurden zu neuen Ideen inspiriert und konnten neue Kontakte knüpfen.

Darum ist der grenzüberschreitende Austausch wichtig

Die „kulturellen Brückenbauer“ am Hochrhein ständen seit über einem Jahr vor großen Herausforderungen, so Stephan Attiger, der Präsident der Hochrhein-Kommission und Aargauer Landammann. „Umso mehr schätzen wir ihr Engagement für die nächste Generation am Hochrhein und freuen uns auf neue und innovative Jugend- und Kulturprojekte für die Grenzregion“, meint Attiger. „Der direkte Draht über den Rhein ist uns wichtig, auch digital können wir den Austausch stärken und als Region zusammenwachsen“, ergänzt HRK-Geschäftsführerin Vanessa Edmeier.

Die Hochrheinkommission und die Schweizer Stiftung Movetia informieren über grenzüberschreitende Jugendprojekte.
Die Hochrheinkommission und die Schweizer Stiftung Movetia informieren über grenzüberschreitende Jugendprojekte. | Bild: Hochrheinkommission

Die Pandemie habe den Austausch komplizierter gemacht, die Grenzen wurden undurchlässiger. Gerade jetzt sei es umso wichtiger, weiterhin internationale Kontakte zu knüpfen, denn: „Die Zusammenarbeit zwischen jungen Menschen aus den Grenzregionen ermöglicht die Schaffung einer gemeinsamen Kultur und ein besseres Verständnis für die Anliegen des jeweiligen Partners“, erklärt Christophe Bettin, Bereichsleiter Berufsbildung und Jugendarbeit bei Movetia.

Interessante Projekte aus aller Welt

Das Theater Basel erklärte, wie Jugendliche beteiligt werden können und das internationale Projekt „Building Walls – Breaking Walls“ aus Israel und Palästina zeigte, wie erfolgreiche internationale Zusammenarbeit aussieht. Ein solches Projekt mit dem Bau von Mauern möchte nun auch die Hochrheinkommission verwirklichen mit Hilfe durch die Förderung von movetia.

Auch das internationale Projekt „Building Walls – Breaking Walls“ aus Israel und Palästina wurde vorgestellt. Etwas Ähnliches will nun die Hochrheinkommission auf die Beine stellen.
Auch das internationale Projekt „Building Walls – Breaking Walls“ aus Israel und Palästina wurde vorgestellt. Etwas Ähnliches will nun die Hochrheinkommission auf die Beine stellen. | Bild: Simon von Gunten

Dies waren nur zwei der zahlreichen Projekte, die digital vorgestellt wurden.

Tempus fugit probt digital: „Doch das Digitale ersetzt nicht das Analoge“

Im Workshop „Corona – und jetzt?“ berichtete Laura Huber vom Theater Tempus Fugit aus Lörrach, wie Jugendarbeit auch während der Pandemie gelingen kann. So hätten die Theaterspieler über Zoom geprobt und eine Aufführung im digitalen Raum gegeben. Etwa wurden die „Forum-Theaterstücke“ gezeigt, während gleichzeitig online eine Diskussion zum Thema mit den Jugendlichen stattfand. Jugendliche aus verschiedenen Gruppen hätten selbst professionelle Videos gedreht und geschnitten. Die trinationalen Projekte und Schreibwerkstätten seien jedoch wegen der geschlossenen Grenzen nicht möglich gewesen. Das Digitale sei zwar nicht mehr weg zu denken, die Vorteile daraus werde man für die künftige Theaterarbeit mitnehmen, so Huber. „Aber der direkte Kontakt zu den Jugendlichen ist viel wichtiger und wir wollen wieder Begegnungen möglich machen“, so die Theaterpädagogin. „Das Digitale ersetzt nicht das Analoge“, sagte sie.

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Jugendarbeit klappt während Pandemie auch international

Loretta Schwerler vom Service Civil International (SCI) Schweiz stellte vor, wie ein mehrtägiges internationales Seminar, das in der Regel in einer Hütte stattfindet, nun online abgehalten wurde. SCI Schweiz organisiert Freiwilligenarbeit auf der ganzen Welt, die zum Frieden in einem breiten Sinne beitragen. Der Vorteil vom Online-Seminar sei, dass Teilnehmer auf der ganzen Welt einfacher erreicht werden könnten. Sie habe beim Friedensseminar viel interaktiv gestaltet und mit Spielen aufgelockert. „Doch das Gesellige, Spontane, das Drumherum hat gefehlt“, so Schwerler.

Herausforderungen in Baden und Rheinfelden

In der Diskussion dieses Workshops erzählte Ivo Richner, Leiter der Kinder- und Jugendarbeit im schweizerischen Baden, dass mit den digitalen Inhalten nur wenige Jugendliche hinzugewonnen werden konnten. Deshalb sei er raus gegangen auf die Straße, um die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt abzuholen. Dies habe sehr gut funktioniert. Außerdem hätten Schüler in Baden Brieffreundschaften mit Senioren aufgebaut. Aber: „Kinder- und Jugendförderung ohne direkten Kontakt funktioniert einfach nicht gleich gut.“

Mit dieser Postkarte will Movetia deutlich machen, warum Jugendarbeit wichtig ist.
Mit dieser Postkarte will Movetia deutlich machen, warum Jugendarbeit wichtig ist. | Bild: Wehrle, Verena

Andreas Kramer, Leiter des Jugendreferats von Rheinfelden (D) erzählte von „Politik und Pizza“ mit den Erstwählern, was online sehr gut funktioniert habe. „Doch ich merke, dass die Jugendlichen coronamüde sind und sich nicht mehr auf neue Formate einlassen.“

Unterstützung für grenzüberschreitende Projekte

Interreg-Koordinatorin Heike Stoll von der Hochrheinkommission und Léa Kolzer von der Schweizer Stiftung Movetia informierten über Fördergelder in der Grenzregion, welche Projekte sie fördern und wie sie sonst die grenzüberschreitende Jugendarbeit unterstützen.

Wie Hochrheinkommission und Movetia Projekte fördern

Sehnsucht nach Grenzübertritt

Was in den Workshops deutlich wurde: Viele der Teilnehmer aus Deutschland oder der Schweiz sehnen sich nach einem Grenzübertritt. Sie sollten erzählen, wann sie das letzte Mal über die Grenze gegangen sind und so mancher konnte sich gar nicht mehr richtig daran erinnern. Für viele sei der direkte Kontakt mit den Nachbarn eben doch wertvoller, als sich vor dem Bildschirm auszutauschen.

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