Die Situation nach den Sommerferien

Desinfektionsmittel, Maskenpflicht außerhalb der Klassenzimmer, strikt getrennte Lerngruppen, Abstandsregeln, Einschränkungen bei der Fächervielfalt: Mit großem Aufwand wird an den Schulen der Infektionsschutz forciert. Doch mit dem Unterrichtsende und dem Verlassen des Schulgeländes scheinen etliche Schüler das Coronavirus und die Ansteckungsgefahr zu vergessen.

So zeigte sich in den vergangenen zwei Wochen in Bad Säckingen häufig dieses Bild: Junge Menschen bewegen sich in großen Gruppen zur Mittagszeit zu Bussen und Bahnen oder in den Morgenstunden zur Schule. Der Mindestabstand von 1,50 Meter wird dabei häufig ignoriert, und an den Haltestellen und Bahnsteigen warten viele ohne vorgeschriebene Mund-Nasen-Bedeckung. Busse und Bahnen sind unterdessen wie eh und je voll gepackt mit Menschen, als gäbe es die Pandemie gar nicht.

Zahlreiche besorgte Zuschriften und Hinweise erreichten hierzu in den vergangenen Tagen die SÜDKURIER-Redaktion. Es meldeten sich Menschen, die sich zum Teil um ihre eigene Gesundheit sorgen.

Aber wer ist für die Einhaltung der Infektionsschutz-Regeln eigentlich zuständig? Ein Überblick am Beispiel der Schüler.

So läuft es an den Schulen

Die Schulen sorgen für die Einhaltung der Maßnahmen in den Gebäuden und auf dem Gelände der Bildungseinrichtungen. Dass es nicht einfach ist, die Maßnahmen des Infektionsschutzes umzusetzen, und zahlreiche Schüler vor allem außerhalb des Schulgeländes die Vorgaben nicht einhalten, bestätigen auch die Schulleiter, der beiden größten Bad Säckinger Schulen.

Der Schulweg sei „eine mögliche ‚Schwachstelle‘ im System, wie sie beispielsweise auch bei Freizeitaktivitäten verschiedenster Art vorkommen“, sagt Bernd Rieckmann, Schulleiter des Scheffel-Gymnasiums. Die Leiterin der Rudolf-Eberle-Schule, Erika Breiling, sagt: „Sobald die Schüler das Schulgelände verlassen, haben wir keinen Einfluss mehr.“

Schwierig genug sei es, die Abstands- und Hygieneregeln und die außerhalb der Klassenzimmer in den Gebäuden und auf dem Schulgelände geltende Maskenpflicht durchzusetzen, sagen die Schulleiter: „Wir informieren, klären auf, appellieren an die Vernunft, bitten die Eltern um Unterstützung“, beschreibt Bernd Rieckmann die Strategie, mit der Schüler senisibilisiert werden sollen.

Aufklären, informieren und ermahnen

Doch schon hier stünden die Lehrkräfte vor Problemen: „Meine Kollegen und ich erinnern, ermahnen und weisen die Schüler unermüdlich darauf hin, die Masken zu tragen und Abstände einzuhalten“, schildert auch Schulleiterin Breiling. Erklärte Maskenverweigerer gebe es zwar nicht, und bei Hinweisen werde die Maske auch aufgesetzt, doch dauerhaft ändern tue sich am Verhalten mancher Schülerinnen und Schüler allerdings nichts.

Eine frustrierende Situation. „Wir achten hier darauf, die so genannte Kohortenbildung durchzusetzen und zu verhindern, dass sich die Gruppen durchmischen, aber schon in den Pausen auf dem Schulgelände ist das ein schwieriges Unterfangen“, so die Schulleiterin und ergänzt: „Wir sind Lehrer, keine Polizisten.“ Zwar würden die Schüler beim Betreten der Schule, spätestens beim Hinweis der Lehrer im Eingangsbereich eine Maske auf, doch „nach Schulschluss sind die Masken sofort weg und die Schüler entfernen sich in großen Menschentrauben und die Gruppen durchmischen sich“, beobachtet die Direktorin. Man trifft die Kollegen aus den Parallelklassen, tauscht sich ungezwungen mit Schülern anderer Stufen aus, „hängt zusammen ab“.

Klar aber sei aber auch: Es sind nicht alle Schüler, die die Regeln missachten. „Erfreulich ist andererseits, wie einsichtig und umsichtig Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern im Umgang mit den veränderten Rahmenbedingungen generell sind“, hebt Scheffel-Direktor Rieckmann hervor. Für Schulleiterin Breiling steht außer Frage: „Die tatsächliche Gefährdung ist außerhalb des Schulhauses gegeben.“

In Bus und Bahn

In den öffentlichen Verkehrsmitteln würden nach Auskunft von Lothar Probst vom Amt für Nahverkehr und Wirtschaftsförderung Verkehrsunternehmen die Ordnungsdienste der größeren Städte, Polizei, Bundespolizei und der Landkreis die Maskenpflicht bestmöglich durchsetzen.

Aber noch immer ist die Situation bei der Schülerbeförderung in Bus und Bahn auf vielen Strecken sehr angespannt: Busse und Bahnwaggons sind zu den Hauptzeiten voll wie vor Corona, und Abstand zu halten ist kaum oder gar nicht möglich. Hier laufen derzeit Bestrebungen des Landratsamts und der Bahn, die Situation zu entschärfen, beispielsweise durch Verstärkerbusse entlang der Hochrheinstrecke.

Auf öffentlichen Wegen

Die Wege zwischen Schule und Haltestellen selbst fallen in den Zuständigkeitsbereich der Ortspolizeibehörde. Doch: „Wer soll das denn kontrollieren?“, fragt Markus Haag, der Leiter des Bad Säckinger Ordnungsamts, und verweist auf ohnehin knappe Personalressourcen. Darüber hinaus sei die Corona-Verordnung keinesfalls immer eindeutig. Denn der Mindestabstand gelte zwar im öffentlichen Raum, doch bis zu 20 Personen könnten sich auch ohne Abstand treffen.

Gleichwohl sieht auch er die Situation vor und nach der Unterrichtszeit kritisch: „Das Problem ist uns völlig bewusst, ich kann dazu aber auch nur sagen: Wir haben die Regeln nicht gemacht, müssen aber schauen, dass sie irgendwie eingehalten werden“, so Haag.

Eindeutig sei die Regel, dass auf Bahnhöfen und an Bushaltestellen, sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden muss. Auch hierfür ist das Ordnungsamt zuständig. „Im Bereich des Busbahnhofs versuchen wir, das auch immer wieder zu kontrollieren“, erklärt Haag. Doch das passiere selten, denn solche Kontrollen seien abhängig von den personellen Möglichkeiten des Gemeindevollzugsdiensts.

Appell an Eigenverantwortung

Ordnungsamtsleiter Haag wie auch Bürgermeister Alexander Guhl appellieren an die Vernunft aller Bürger, dazu beizutragen, dass das Virus sich nicht weiter ausbreitet. „Wenn man bedenkt, welche Einschränkungen es in anderen Ländern gab und gibt, dann sollten wir alles daran setzen, dass wir in Deutschland weiterhin das Infektionsgeschehen im Griff behalten“, so Haag. Hier seien alle, auch die Eltern der Schüler in der Pflicht.

Denn die könnten laut Aussagen bei Verstößen des minderjährigen Nachwuchses gegen die Verordnung schlimmstenfalls sogar zur Kasse gebeten werden, wie Lothar Probst vom Landratsamt erläutert. Auch er appelliert an „die Eigenverantwortung jedes Einzelnen gegenüber den Nächsten und der Allgemeinheit“ und gibt zu bedenken: „Nur mit Eigenverantwortung und Disziplin können wir die Corona-Situation gut überstehen.“

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