Man muss nicht in die Ferne schweifen, um Spektakuläres zu erleben. Denn es gibt sie auch hier, diese ganz außergewöhnlichen Orte für ganz besondere Übernachtungen. Wir haben teils kuriose, teils abenteuerliche und naturverbundene Schlafmöglichkeiten in der Region für Sie zusammengestellt. Für Entdecker, Naturfreunde, Abenteurlustige. Oder einfach nur für Menschen, die sich gerne mal auf eine ganz neue Art erholen möchten.

Unter den Wipfeln der Bäume

Eine besondere Naturerfahrung gibt es seit dieser Saison in Bad Säckingen. Denn der Kletterwald „Hochempor“ am Bergsee bietet nun das Übernachten in Baumzelten an. Unter den Wipfeln der Bäume schlafen, den Geräuschen der Natur lauschen und mit etwas Glück die Sterne durch die Baumwipfel beobachten. Dies sei laut Inhaber Thomas Schwinlin ein eindrückliches Erlebnis. Am Morgen zwitschern dann die Vögel um die Wette. „Das neue Angebot wird wirklich sehr gut angenommen“, so Schwinlin. „Die Rückmeldungen sind durchweg positiv, man hört neben dem Vogelgezwitscher auch zahlreiche andere Tiere im Wald, allerdings ist die Zuordnung der Tierlaute nicht immer eindeutig klar“, sagt er.

Das Baumzelt schwebt weit über den Boden. Nur über eine Leiter gelangt man ins Innere.
Das Baumzelt schwebt weit über den Boden. Nur über eine Leiter gelangt man ins Innere. | Bild: Thomas Schwinlin

Ein Zelt bietet Platz für maximal zwei Erwachsene und ein Kind. Nach dieser besonderen Nacht können die Gäste ein Frühstück in der Blockhütte genießen. Die Übernachtung kostet bei maximaler Belegung pauschal 59 Euro. Weitere Infos zu diesem besonderen Erlebnis bekommen Sie hier.

Thomas Schwinlin vom Kletterwald Hochempor mit seinen Kindern in einem der neuen Baumzelte.
Thomas Schwinlin vom Kletterwald Hochempor mit seinen Kindern in einem der neuen Baumzelte. | Bild: Harald Schwarz
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Weitere Übernachtungen im Baumzelt werden auch am Schluchsee angeboten. Im Schwarzwaldcamp wurden diese vor fünf Jahren zum ersten Mal in Deutschland kommerziell eingesetzt, wie Inhaber Raphael Kuhner erzählt. Die Zelte haben sogar Namen: Wer besonders hoch hinaus will, ist mit „Willi“ am besten bedient, es hängt auf drei Meter Höhe. Wer gerne näher am Boden schläft, dem werden „Hans“, „Franz“ oder „Jacob“ empfohlen. Die Zielgruppe der Zelte sind laut Kuhner eher Pärchen, die für ein bis zwei Nächte bleiben. Bis Mitte September sind hier die Baumzelte weitestgehend ausgebucht, es gibt nur noch wenige Buchungslücken.

Schlafen in der Gondel „Gisela“

Im Schwarzwaldcamp Schluchsee werden außerdem noch weitere außergewöhnliche Übernachtungen angeboten, etwa das Schlafen in der Gondel“ Gisela“ – das ist laut Anbieter einzigartig in Europa. Die Gondel habe vor einigen Jahren noch ihren Dienst in einem französischen Skigebiet geleistet. Heute steht sie erhaben auf einer Plattform und wartet auf Übernachtungsgäste. „Sie eignet sich für eine klassische Nacht als Pärchen“, erzählt Inhaber Raphael Kuhner. Der komplette Innenraum der zwei Meter breiten Gondel sei ausgefüllt mit einer Matratze. „99 Prozent finden es cool, in der Gondel zu schlafen, aber man muss sich schon bewusst dafür entscheiden“, so Kuhner. Am Abend sitze man dann vor der Gondel unter dem Sonnendach und blicke in den Wald.

In der Gondel „Gisela“ kann man am Schluchsee übernachten.
In der Gondel „Gisela“ kann man am Schluchsee übernachten. | Bild: Raphael Kuner

Die Gondel sei sehr gut gebucht, so Kuhner. In diesem Sommer gebe es noch wenige freie Buchungstage. „Corona spielt uns in die Karten, weil die Leute den Urlaub lieber in der Nähe verbringen und auch große Hotels meiden“, sagt der Camp-Chef. Hinzu komme, dass der Trend zum Camping-Urlaub immer mehr steige. Aber die Zielgruppen von Baumzelten oder Gondel seien keine klassischen Camper. „Zu uns kommen meist jene, die im normalen Leben gar kein Camping machen, sondern eher Hotels buchen“, erzählt Kuhner. „Die Leute suchen eben was Spezielles“, sagt er. Weitere Infos zum Schwarzwaldcamp gibt es hier.

Eine Nacht in einem stillgelegten Bergwerksilo

Übernachten in einem stillgelegten Erzbergsilo? Warum eigentlich nicht. Jacqueline Boschung führt seit Januar 2019 zusammen mit einem kleinen Team und viel Herzblut das Bed & Breakfast im Bergwerksilo Herznach im Fricktal. Die Besitzerfamilie Brigitte Deiss und Ueli Hohl haben von 2002 bis 2004 das stillgelegte Erzbergsilo mit viel Liebe zum Detail restauriert und ausgebaut. Wo von 1937 bis zur Schließung 1967 gut 1,6 Millionen Tonnen Erz gefördert wurde, schlafen heute tatsächlich Gäste.

Die Nacht bricht an im Bergwerksilo Herznach.
Die Nacht bricht an im Bergwerksilo Herznach. | Bild: Daniel Senn

„Das Besondere an einer Übernachtung im Bergwerksilo ist sicherlich, dass man sich von außen betrachtet gar nicht vorstellen kann, was sich drinnen so alles befindet und wie geräumig alle Zimmer und Badezimmer sind“, so Daniel Senn vom Bergwerksilo. „Nur schon der Gedanke, in einem Silo zu übernachten, in welchem vor 60 Jahren noch Eisenerz gelagert wurde, ist speziell“, so Senn weiter.

Eine besondere Übernachtung ist jene im stillgelegten Silo in Herznach.
Eine besondere Übernachtung ist jene im stillgelegten Silo in Herznach. | Bild: Daniel Senn

Die Umgebung sei mit rund 40 Dammhirschen direkt vor der Türe, dem großen Naturteich und dem Garten besonders schön. „Und natürlich macht auch das Geschichtliche mit der alten Stollen-Dieselbahn durchs ganze Gelände, dem Bergwerksmuseum und den zugänglichen Bergwerksstollen die ganze Liegenschaft besonders“, so Senn. Weitere Infos hier.

Das Bergwerksilo Herznach mitten im Grünen.
Das Bergwerksilo Herznach mitten im Grünen. | Bild: Daniel Senn

Schlafen im Stroh – wie anno dazumal

Familie Dillier vom Lützelhof im schweizerischen Pfäffikon beiten mit „Schlafen im Stroh“ eine ziemlich außergewöhnliche Art des Übernachtens an und das schon seit über 20 Jahren. Der Hof sei Gründungsmitglied vom Verein Schlafen im Stroh und gehöre heute der Agrotourismus Schweiz an, so Benno Dillier. Rund 1200 Gäste kämen jeden Sommer, darunter Familien, Schulklassen, Jakobsweg-Pilger oder Fahrradfahrer, um das Erlebnis auf dem Bauernhof zu erfahren, wo die Tiere im Vordergrund stünden.

Schlafen im Stroh ist im Lützelhof in Pfäffikon möglich – das Stroh piekst nicht.
Schlafen im Stroh ist im Lützelhof in Pfäffikon möglich – das Stroh piekst nicht. | Bild: Benno Dillier

Die Gäste bringen ihren eigenen Schlafsack mit. „Von uns bekommen sie eine Wolldecke für auf das Stroh, somit sind sie nicht direkt mit dem Stroh in Kontakt“, erklärt Pillier. Das Stroh piekse nicht und beinhalte auch keine Pollen. „Die Reaktionen der kleinen und großen Gäste ist stets positiv“, so Dillier. Der Agrotouismus nehme in der Schweiz stetig zu, erklärt er. „Und es gibt auch eine steigende Anzahl Gäste, die zurück zur Natur und zur einfachen Unterkunft möchten, weg vom Wellnesshotel“, so Benno Dillier. Weitere Infos zum Lützelhof finden Sie hier.

Der Hünherstall im Lützelhof in Pfäffikon.
Der Hünherstall im Lützelhof in Pfäffikon. | Bild: Benno Dillier

Weitere Angebote, im Stroh zu schlafen, gibt es unter anderem bei Nikolus Kaiser in Blumberg-Achberg und im Gehrenhof in Brislach im Kanton Baselland.

Auch Gruppen können auf dem Lützelhof im Stroh übernachten.
Auch Gruppen können auf dem Lützelhof im Stroh übernachten. | Bild: Benno Dillier

Übernachten im kuscheligen Holzfass

Übernachten im kuscheligen beheizten Holzfass ist im Bio-Hof Gerspach in Rickenbach möglich. Auf dem Biohof, welcher direkt neben den Holzfässern liegt, ist man umgeben von Tieren wie Hühner, Hasen, Ziegen, Schweine, Katzen und Kühen. Das komme mit dem angrenzenden Waldspielplatz natürlich bei Kindern sehr gut an, wie Simon Gerspach erzählt. „Es wird sehr gut angenommen, da man einfach mal für ein paar Tage aus dem stressigen Alltag entkommen kann“, so Gerspach.

Schlafen im Holzfass direkt neben den Tieren des Hofes, das bietet Familie Gerspach in Riceknbach an.
Schlafen im Holzfass direkt neben den Tieren des Hofes, das bietet Familie Gerspach in Riceknbach an. | Bild: Simon Gerspach

Die Fässer bieten Platz für zwei bis vier Personen. Man kann auf Wunsch Frühtück und ein Bauernvesper mit dazu buchen. Auch in der momentanen Corona-Situation sei die Nachfrage groß und der Sicherheitsabstand zu anderen Gästen sei in jedem Fall gegeben. Die einzige Änderung: Das Frühstück werde aktuell nicht als Buffet sondern als gerichtete Platte angeboten. Weitere Infos zu dieser ungewöhnlichen Schlafmöglichkeit gibt es hier.

Ehepaar Rita und Andreas Gerspach Fass, dass sie ihren Gästen zum Übernachten anbieten.
Ehepaar Rita und Andreas Gerspach Fass, dass sie ihren Gästen zum Übernachten anbieten. | Bild: Wolfgang Adam
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„Fasstastische“ Ferien im Fasshotel gibt es auch im schweizerischen Trasadingen, nahe Klettgau. Hier dreht sich alles um den Wein. Vier riesige Eichenfässer wurden hier zu 24 Schlafplätzen umgebaut, jeweils sechs Schlafstellen sind in den Fässern kajütenförmig aufgebaut. Zusätzlich gibt es Wellness-Spaß im Badefass.

Übernachten im Fasshotel in Trasadingen nahe Klettgau.
Übernachten im Fasshotel in Trasadingen nahe Klettgau. | Bild: Foto: Elge Kenneweg, www.elgekenneweg.ch

Hier finden Sie ein Video vom Fasshotel. Weitere Infos finden Sie hier.

Übernachten im Fasshotel in Trasadingen nahe Klettgau.
Übernachten im Fasshotel in Trasadingen nahe Klettgau. | Bild: Katja Waldmeier

Sich einmal wie ein Zirkus-Artist fühlen

Ferien im Zirkus – dies bietet jedes Jahr der Circus Monti aus dem schweizerischen Wohlen im Kanton Aargau. Denn er nimmt Gäste mit auf seine Tournee. Es riecht nach Popcorn, aus dem Zelt klingen die vertraute Musik, das Lachen und der Applaus des Publikums. Die Gäste wohnen in einem Zirkuswagen, ziehen von Ort zu Ort, werden zu einem Mitglied der Zirkusfamilie, helfen – falls sie mögen – beim Auf- und Abbau mit, plaudern mit den Artisten und erleben eine abwechslungsreiche Woche. Das alles klingt spannend und nach einem unvergesslichen Erlebnis für die ganze Familie.

Doch: In diesem Jahr machte die Corona-Pandemie dieser Attraktion einen Strich durch die Rechnung. Die 36. Tournée des Circus Monti ist um ein Jahr in den Sommer/Herbst 2021 verschoben worden. Für alle, die in diesem Jahr nicht auf Zirkus-Gefühle verzichten wollen, hat der Circus Monti eine sponate Alternative geschaffen. Es wurden zwei Zirkuswagen bei einem Bahnhof in Leuzingen im Berner Seenland für Ferien zur Verfügung gestellt. Weitere Infos dazu gibt es hier. Nächstes Jahr sollen auch wieder Ferien mit dem Zirkus auf Tour möglich sein.

Trekking am Albsteig und am Schluchtensteig

Nachdem der Start der Trekking-Saison zunächst Corona-bedingt verschoben werden musste, konnten die Gemeinden St. Blasien und Dachsberg im Juni die neuen Trekking-Camps im Landkreis Waldshut öffnen: Das Camp Windberg in St. Blasien, Steinbruch in Menzenschwand und Felsenhalde Dachsberg. Für die Nutzung der Trekking-Plätze gelten aktuell besondere Verhaltens- und Hygieneregeln. Die Trekking-Camps liegen entlang der Fernwanderwege Albsteig und Schluchtensteig, sind nur zu Fuß zu erreichen und verfügen über Stellplätze für bis zu drei Zelte, eine Feuerstelle und ein kleines Toilettenhäuschen.

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St. Blasiens Bürgermeister Adrian Probst sagte bei der Vorstellung des Projekts „Trekking Schwarzwald“: „Mit unseren neuen Trekking-Camps schaffen wir die Möglichkeit, ganz legal im Wald übernachten und unsere Natur hautnah erleben zu können.“

In einem Trekking-Camp zu schlafen, ist die einzige Möglichkeit auf eigene Faust legal im Wald zu campen.
In einem Trekking-Camp zu schlafen, ist die einzige Möglichkeit auf eigene Faust legal im Wald zu campen. | Bild: Sebastian Schröder-Esch

Insgesamt drei Trekking-Camps gibt es im Südschwarzwald, im Nordschwarzwald gibt es sechs. Gebucht werden können die Plätze für zehn Euro pro Zelt und Übernachtung über die Buchungsplattform www.trekking-schwarzwald.de.

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