Die Realisierung des geplanten Hospiz in der Tiengener Bahnhofsstraße neben dem Pflegeheim „Haus am Vitibuck“ rückt wieder ein Stück näher, wenn auch nur ein kleines:

Mitte Juli haben der Investor der Einrichtung, das Evangelische Sozialwerk Müllheim, und die Stadt Waldshut-Tiengen, der das Grundstück gehört, den Kaufvertrag unterschrieben.

Allerdings fehlt bisher weiter die schriftliche Freigabe durch die Deutsche Bahn.

Warum muss die Bahn zustimmen?

Das Unternehmen könnte im Rahmen der Elektrifizierung der Hochrhein-Strecke Ansprüche auf das betreffende städtische Grundstück geltend machen.

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Mündliche Zusage der Bahn

Allerdings gebe es – zumindest mündlich, eine Zusage der Bahn, dass Teilgrundstück, auf dem das Hospiz entstehen soll, nicht für die Elektrifizierung benötigt werde. Das wurde während der jüngsten Waldshut-Tiengener Gemeinderatssitzung deutlich.

Wann wird die Entscheidung fallen?

Die Stadt Waldshut-Tiengen rechnet bis Ende dieses Jahres mit einer schriftlichen, offiziellen Freigabe.

Wann ist die Inbetriebnahme des Hospizes geplant?

Erst danach, voraussichtlich im ersten Quartal 2023, soll die Entwurfsplanung verabschiedet werden. Direkt im Anschluss, spätestens im zweiten Quartal, soll dann das Baugesuch eingereicht werden. Der Baubeginn soll ein Jahr später, im ersten Quartal 2024, erfolgen. Die Inbetriebnahme nach rund zweijähriger Bauzeit ist auf Ende 2025 angesetzt.

Was soll es alles im Gebäude geben?

Nachdem in einer Sitzung des Gemeinderates Waldshut-Tiengen im Herbst vergangenen Jahres kritisiert wurde, dass die Fläche des Grundstücks nicht optimal genutzt würde, hat der Betreiber des Hospizes, die Diakonische Dienste Hochrhein gGmbH, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Evangelischen Sozialwerks Müllheim, die Planungen optimiert und jüngst im Gemeinderat vorgestellt.

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Anna Offermann-de Boor, Heimleitung des Hauses am Vitibuck, erläuterte in der jüngsten Waldshut-Tiengener Gemeinderatssitzung die geplante Nutzung der Einrichtung.

Was ist ein Tageshospiz?

Neben dem Hospiz mit elf Zimmern und einem Gästezimmer soll auch ein Tageshospiz mit acht Plätzen eingerichtet werden. „Das Tageshospiz schließt eine Versorgungslücke“, sagt Offermann-de Boor.

Holger Karg, Geschäftsführer des Sozialwerkes, erklärt auf Nachfrage: „Palliativpatienten können tagsüber kommen, übernachten aber zu Hause. Das ist sinnvoll, wenn Angehörige beispielsweise tagsüber arbeiten müssen, und eine Betreuung so zu Hause nicht möglich ist. Auch am Wochenenden bleiben die Patienten dann zu Hause.“

Bundesweit gebe es derzeit nur rund sechs solcher Einrichtungen. Mit einem Tageshospiz gebe es so eine Alternative zum stationären Aufenthalt. „Das Tageshospiz ist ein Leuchtturmprojekt“, so OB Philipp Frank.

Zwei Pflegewohnblöcke sind geplant

Neben dem Hospiz und dem Tageshospiz soll es auch zwei Pflegewohnblöcke mit insgesamt 24 Plätzen geben. Offermann-de Boor: „Wir haben jetzt schon Probleme in der Pflege und müssen diesen Bereich ausbauen.“

Ein großer Veranstaltungsraum sowie eine Arztpraxis mit Schwerpunkt Palliativmedizin runden das Projekt ab. „Hier suchen wir aber dringend noch einen Allgemeinmediziner“, sagt Holger Karg. Außerdem soll es im Untergeschoss eine Tiefgarage mit 23 Plätzen geben.

Was ist neu?

Ursprünglich war die Einrichtung eingeschossig geplant, jetzt soll sie sich über drei Geschosse erstrecken und ein Untergeschoss. Für alle Bereiche wird es separate Eingänge geben.

Wie hoch sind die Baukosten?

Anna Offermann-de Boor: „Wir rechnen mit Kosten bis zu 15 Millionen Euro.“

95 Prozent der Betriebskosten werden von den Kranken- und Pflegekassen übernommen. Die restlichen fünf Prozent will der Förderverein Hospiz absichern.

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