Die Corona-Maßnahmen werden leicht gelockert, doch es gilt weiterhin vorsichtig zu sein und sich an die Vorgaben zu halten. „Es ist eine irrige Annahme, dass nun alles wieder normal ist. Die Epidemie ist nicht bewältigt!“: Das betonte Lörrachs Landrätin Marion Dammann im Rahmen eines telefonischen Pressegesprächs zur Corona-Situation im Landkreis. Ziel sei es zwar, das Leben wieder etwas zu normalisieren, aber trotzdem die Infektionszahlen weiterhin niedrig zu halten. Dammann: „Das ist aber nur möglich, wenn sich alle an die weiterhin bestehenden Regeln für Kontakte, Hygiene und Abstand zueinander halten.“

Keine Impfung, keine Antikörper-Tests

Es sei dabei zu beachten, dass sich hinsichtlich der Bedingungen auf Seiten des Virus nichts verändert habe, wie Bernhard Hoch, medizinischer Geschäftsführer der Kliniken des Landkreises Lörrach hervorhob. Mit wirksamen Medikamente oder einem Impfstoff sei frühestens in mehreren Monaten zu rechnen.

Antikörpertests, die nachweisen sollen, ob ein Mensch Covid-19 bereits hatte und nun immun ist, seien zwar am Markt von unterschiedlichen Anbietern zu erhalten, „aber die Ergebnisse sind noch zu unsicher und nicht verlässlich“, wie Hoch betont. Er ergänzt, dass auch andere Kliniken hier noch abwarten: „Solche Tests sind absolut sinnvoll, wir werden damit aber erst arbeiten, wenn es wirklich sicher ist.“

Jeder trägt Verantwortung

Für die Menschen heißt das, dass sie das Virus nicht unterschätzen sollten. „Wenn die Covid-19-Fallzahlen und die Zahlen der schweren Verläufe auf diesem Stand bleiben, ist es für uns handelbar“, sagte Bernhard Hoch. Und weiter: „Wir müssen uns darüber bewusst sein, dass wir die verlangsamte Steigerung der Fälle nur mit diesen drastischen Maßnahmen erreicht haben.“

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Nun sei jeder Einzelne gefragt, Verantwortung zu übernehmen. „Es darf sich auch niemand selbst in Sicherheit wiegen, denn die Risikogruppen sind zwar besonders gefährdet, wir hatten aber auch schon schwere Fälle bei Menschen in der 50ern und sogar noch jüngeren“, so Hoch.

Hinsichtlich der Schutzausrüstung gebe es im Landkreis Lörrach noch weiteren Verbesserungsbedarf, denn um alle medizinischen Einrichtungen, Pflegeheime und die ambulanten Dienste vollumfänglich ausstatten zu können, sei das Material zu knapp, so Dammann. Manche Dinge, wie einfache Gesichtsmasken und Einweghandschuhe seien vorhanden, andere wie Kittel, FFP-2- oder FFP-3-Masken, die sicher vor einer Infektion mit dem Virus schützen, seien aber rar. „Es kommen immer wieder Lieferungen an, wir kommen mit der Ausrüstung derzeit hin, aber die früher gewohnte Verlässlichkeit ist derzeit nicht gegeben“, bestätigt Bernhard Hoch.

Unerkannte Covid-19-Infektionen werden wahrscheinlicher

Die Corona-Lage sei aus Sicht der Krankenhäuser nicht besorgniserregend, dennoch gebe es auch im Kreis Lörrach Vereinbarungen mit anderen Einrichtungen wie beispielsweise Rehakliniken, die Nicht-Covid-19-Patienten bei Bedarf übernehmen könnten. Eng sei der Austausch mit der Kassenärztlichen Vereinigung, die neben der Abstrichstelle und der Fieberambulanz bei Bedarf auch mobile Corona-Abstrichmöglichkeiten, so genannte Corona-Mobile, betreibt.

Eine Lockerung der Vorgaben erfordere mehr Selbstdisziplin, vor allem vor dem Hintergrund der Testkapazitäten auf Covid-19. Katharina von der Hardt, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit beim Landratsamt, erläutert, dass es zwar möglich ist, die definierten Vorgaben des Robert-Koch-Instututs (RKI) zu erfüllen und beispielsweise Menschen der Risikogruppen mit Symptomen, Menschen mit Kontakt zu Corona-Infizierten und auch bei Bedarf Beschäftigte im Gesundheitswesen testen zu können. „Dies können wir aber nicht für die gesamte Bevölkerung garantieren“, so von der Hardt.

Das Risiko sei groß, dass dadurch die Dunkelziffer steigt: Erkrankte bleiben unerkannt und verbreiten das Virus weiter. In solchen Fällen könne dann auch das Gesundheitsamt nicht die Kontaktpersonen vorsichtshalber in Quarantäne schicken. Landrätin Dammann: „Bitte lassen Sie sich gerade vor diesem Hintergrund krankschreiben und bleiben Sie dann konsequent zuhause, wenn Sie Symptome haben.“

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