Für Mitarbeiter der Krankenhäuser hat sich seit Beginn der Corona-Krise viel verändert. Es gibt praktisch keinen Bereich, der nicht vom Virus und den damit verbunden Auswirkungen betroffen ist. Einige Ärzte und Pfleger sind noch näher dran: Sie versorgen stationäre Covid-19-Patienten und tragen damit eine immense Verantwortung.

So wie Jörg Hieß. Er ist Oberarzt auf der Intensivstation des Kreiskrankenhauses Lörrach. Täglich kümmert er sich mit anderen Ärzten und Pflegekräften um Covid-19-Patienten die intensivmedizinische Betreuung brauchen und zum Teil beatmet werden müssen. Das Corona-Virus ist allgegenwärtig. Für Hieß steht fest: „Medizin ist kein klassischer Job. Man wird die Arbeit nicht los, wenn man frei hat.“ Covid-19 und die persönliche Auseinandersetzung sei auch an ihm nicht emotionslos vorbeigegangen, aber: „Das medizinische Personal, Ärzte und Pfleger sind hochmotiviert und es gibt eine große Bereitschaft sich auf die neue Situation einzulassen.“

Notfallpläne, veränderte Schichtmodelle, Einsatz an fremden Klinikstandorten und in unbekannten Teams sind einige Beispiele für Umstände, mit denen die Mitarbeiter nun umgehen müssen. Und das immer – und an erster Stelle – unter der Einhaltung aller Schutzmaßnahmen. „Ja, das ist absolut anstrengend“, bestätigt Wolfgang Bachbauer, der pflegerische Leiter der Intensivstation. Dauerhaftes Arbeiten mit Schutzmaske und -Kleidung sei zur Routine geworden: „Man muss sich immer wieder umziehen, schwitzt, das Atmen unter der Maske ist mühsam.“ Und doch lieben Bachbauer und seine Kollegen ihren Beruf, sind sich darüber bewusst, wie bedeutsam ihre Rolle ist.

„Medizin ist kein klassischer Job. Man wird die Arbeit nicht los, wenn man frei hat.“Dr. Jörg Hieß, Oberarzt, Intensivstation
„Medizin ist kein klassischer Job. Man wird die Arbeit nicht los, wenn man frei hat.“Dr. Jörg Hieß, Oberarzt, Intensivstation | Bild: Olheide, Monika

„Dem Team war klar, dass es nicht einfach werden wird. Aber die Anerkennung ist immens groß, das haben wir jetzt an den Ostertagen wieder gemerkt“, sagt Bachbauers Stellvertreter Mike Jacob. Kleine Präsente, Zeichen der Wertschätzung und des Danks aus der Bevölkerung seien es in großer Zahl gewesen. Er ergänzt: „Es tut gut und es hilft uns, durchzuhalten und weiterzumachen.“

Auch die psychischen Anforderungen an Mediziner und Pfleger sind größer geworden. Denn mit Covid-19 hat sich auch die Sterbebegleitung in den Kliniken des Landkreises Lörrach grundlegend verändert.

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„Der Tod ist ein Thema, mit dem wir auf der Intensivstation immer schon konfrontiert waren“, sagt Jörg Hieß. Der Oberarzt erklärt: „Normalerweise sind die Angehörigen da, wir sprechen mit ihnen, sie können den Patienten sehen, ihn berühren und den Prozess miterleben. All das unterstützt und begleitet von Pflegern und Ärzten.“ Jetzt sind Besuche von Angehörigen nicht mehr erlaubt, auch nicht, um sich persönlich ein letztes Mal zu verabschieden.

„Wir tun alles, was uns möglich ist und das möchte ich wirklich versichern: Wir lassen niemanden alleine sterben.“Wolfgang Bachbauer, pflegerischer Leiter der Intensivstation
„Wir tun alles, was uns möglich ist und das möchte ich wirklich versichern: Wir lassen niemanden alleine sterben.“Wolfgang Bachbauer, pflegerischer Leiter der Intensivstation | Bild: Olheide, Monika

„Das ist ein enorm harter Schritt und niemandem fällt es leicht“, betont der medizinische Geschäftsführer Hoch. Es sei aber nicht anders möglich. „Wir halten telefonischen Kontakt und nutzen Möglichkeiten der Videotelefonie, um den Angehörigen es zu ermöglichen, den Patienten zu sehen und mit ihm zu sprechen“, beschreibt Jörg Hieß. Für den Oberarzt ist aber ebenso klar: „Uns als Team fehlt der Kontakt zu den Angehörigen.“

„Dem Team war klar, dass es nicht einfach werden wird. Aber die Anerkennung ist immens groß.“Mike Jacob, stellvertretender pflegerischer Leiter der Intensivstation
„Dem Team war klar, dass es nicht einfach werden wird. Aber die Anerkennung ist immens groß.“Mike Jacob, stellvertretender pflegerischer Leiter der Intensivstation | Bild: Olheide, Monika

Wolfgang Bachbauer betont: „Wir lassen niemanden alleine.“ Die Pflegekräfte würden beim Sterbenden bleiben, mit ihm sprechen, und auch Kontakte zu den Angehörigen herstellen. Der pflegerische Leiter der Intensivstation ergänzt: „Wir tun alles, was uns möglich ist und das möchte ich wirklich versichern: Wir lassen niemanden alleine sterben.“

Sich auf Veränderungen einstellen und flexibel reagieren können, verbunden mit der ständigen Ungewissheit: Das ist es, womit sich das Team der Zentralen Notaufnahme in Lörrach arrangieren muss, schildert Samuel Hemmerling, Oberarzt und internistischer Leiter der Abteilung.

„Es ist häufig die Angst, sich mit Covid-19 anzustecken, die die Menschen abhält, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.“Dr. Samuel Hemmerling, Oberarzt, internistischer Leiter der Zentralen Notaufnahme
„Es ist häufig die Angst, sich mit Covid-19 anzustecken, die die Menschen abhält, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.“Dr. Samuel Hemmerling, Oberarzt, internistischer Leiter der Zentralen Notaufnahme | Bild: Olheide, Monika

„Ein Patient kommt ins Krankenhaus – ungeachtet warum – und niemand weiß: Ist er Covid-19 positiv oder nicht? Ich erlebe aber im gesamten Team, dass alle mutig auf die Patienten zugehen“, beschreibt Hemmerling. Zum Mut käme auch Vorsicht hinzu, denn von der Notaufnahme aus teilen sich die Patientenströme: „Wir trennen strikt Corona-Infizierte und Nichtinfizierte“, beschreibt Hemmerling.

Trennung von Patienten mit und ohne Covid-19

Ängste und Unsicherheiten gehen mit der Corona-Krise einher. Neben Corona läuft der Betrieb der Notaufnahme weiter. „Aber es ist zu beobachten, dass die Zahl der Patienten zurückgegangen ist. Und das macht uns Sorgen“, sagt Bernhard Hoch. Oberarzt Hemmerling erläutert: „Es ist häufig die Angst, sich mit Covid-19 anzustecken, die die Menschen abhält, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.“ Und dieses Zögern könne je nach Krankheit gefährlich werden.

Wie steht es um die eigenen Ängste?

Jeder Mitarbeiter der Klinik müsse für sich selbst und seine Familie einen Weg finden, mit der Corona-Krise umzugehen. Sie alle bestätigen, dass die Fälle von infiziertem medizinischen Mitarbeitern weltweit nicht spurlos an ihnen vorübergegangen sind.

„Die Bereitschaft länger zu arbeiten und mehr Schichten zu übernehmen ist unter den Mitarbeitern groß, was sehr beeindruckend ist. Wir sind unglaublich stolz auf unsere Teams.“Dr. Bernhard Hoch, Geschäftsführer Medizin
„Die Bereitschaft länger zu arbeiten und mehr Schichten zu übernehmen ist unter den Mitarbeitern groß, was sehr beeindruckend ist. Wir sind unglaublich stolz auf unsere Teams.“Dr. Bernhard Hoch, Geschäftsführer Medizin | Bild: Olheide, Monika

Auch in Lörrach gab es einige Fälle. Allerdings: „Ich fühle mich auf der Station sicherer, als beim Einkaufen“, sagt Wolfgang Bachbauer. Hier in der Klinik könne er sich selbst schützen, draußen sei er auf andere angewiesen. Diese Einschätzung teilen auch seine Kollegen, die zustimmend nicken. Bernhard Hoch ergänzt, er sehe es selbst oft, wie gerade beim Einkaufen unsachgemäße Verwendung von Mundschutz und Einweghandschuhen die Risiken eher noch erhöhen.

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