Der Kampf um das Bundestagsdirektmandat im Wahlkreis Lörrach-Müllheim ist bei der Wahl am 26. September ein offenes Rennen. Nachdem Armin Schuster, der das Mandat fast drei Legislaturperioden inne hatte, 2020 an die Spitze des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe berufen wurde, hatte er sein Bundestagsmandat vorzeitig aufgegeben. Nun bewerben sich 13 Kandidatinnen und Kandidaten verschiedener Parteien um seine Nachfolge. Ernst zu nehmende Chancen dürften aber nur wenige haben, denn um direkt ins Parlament einzuziehen, ist die Mehrheit der Erststimmen erforderlich.

Der Wahlkreis zwischen CDU- und SPD-Mehrheit

Um seine Nachfolge geht‘s: Armin Schuster.
Um seine Nachfolge geht‘s: Armin Schuster. | Bild: Britta Pedersen

Vor zwölf Jahren errang Armin Schuster erstmals das Direktmandat im Kreis Lörrach-Müllheim, der neben dem Landkreis Lörrach auch den südwestlichen Teil des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald umfasst. Der Bundespolizist gewann seinerzeit mit knapp 38 Prozent der Stimmen die Mehrheit und holte damit das Mandat für die CDU zurück. Bei den drei Wahlen davor hatte die Sozialdemokratin Marion Caspers-Merk die Mehrheit der Stimmen geholt. Obwohl der Wahlkreis mit den Städten Lörrach, Weil am Rhein, Rheinfelden und Schopfheim lange als sozialdemokratische Hochburg galt, war die Zeit zwischen 1998 und 2005 die einzige Zeit mit einer SPD-Mehrheit. Dies liegt lange zurück. Bei der Wahl 2013 konnte Schuster deutlich zulegen: Mit 50,1 Prozent der Stimmen reichte es für ihn sogar zur absoluten Mehrheit. Auch 2017 war sein Vorsprung gegenüber dem SPD-Kandidaten überdeutlich.

Wahlergebnis 2017

Mit dem Ausscheiden des gut vernetzten und profilierten Armin Schuster werden die Karten am 26. September neu gemischt.

Diana Stöcker (CDU)
Diana Stöcker (CDU) | Bild: FOTOSTUDIO-WEISHEITINGER

Die CDU schickt mit Diana Stöcker die Bürgermeisterin von Rheinfelden ins Rennen. An den Bekanntheitsgrad von Armin Schuster kommt sie naturgemäß noch nicht heran. Auch die die derzeitigen bundesweiten Umfragewerte geben den Christdemokraten im Kreis kaum Rückenwind. Und nicht zuletzt steckt der CDU das desaströse Ergebnis der Landtagswahl vom Merz noch in den Knochen, als die Partei im Kreis mit nur noch 21 Prozent abgestraft wurde. Auch wenn die Vorzeichen bei der Bundestagswahl wegen der zwei Stimmen völlig andere sind: Den Nimbus der Unbesiegbarkeit hat die CDU im Südwesten längst verloren.

Gerhard Zickenheiner (Bündnis 90/ Die Grünen)
Gerhard Zickenheiner (Bündnis 90/ Die Grünen) | Bild: Barbara Ruda

Die größte Konkurrenz für die CDU-Kandidatin wird nicht von der SPD, sondern von den Grünen erwartet: Denn mit Gerhard Zickenheiner tritt die Partei mit einem amtierenden Bundestagsabgeordneten an, der sich bereits einen Namen in der Region gemacht hat. Der 60 Jahre alte Architekt aus Zell im Wiesental rückte 2019 ins Parlament und kandidiert nun erstmals ums Direktmandat. Auf der Landesliste der Grünen steht er auf Platz 23 – dies sollte für ihn auch zum Wiedereinzug ins Parlament reichen.

Takis Mehmet Ali (SPD).
Takis Mehmet Ali (SPD). | Bild: SPD Lörrach

Lediglich Außenseiterchancen, das Direktmandat von der CDU zurück zu erobern, hat die SPD mit ihrem Kandidaten Takis Mehmet Ali. Der 30-jährige, in Deutschland geborene Deutsch-Grieche ist Verwaltungsleiter einer sozialen Einrichtung und Dozent an der Dualen Hochschule. Ob er im Zweikampf zwischen CDU und Grünen mitmischen kann? Immerhin: Auf der Landesliste der SPD steht er auf Platz 22, bei einem passablen SPD-Ergebnis kann auch dies für einen Einzug in den Bundestag reichen.

Christoph Hoffmann (FDP).
Christoph Hoffmann (FDP). | Bild: Büro Hoffmann

Mit dem früheren Bürgermeister von Bad Bellingen Christoph Hoffmann (FDP) kandidiert ein weiterer aktueller Bundestagsabgeordneter. Der 63-Jährige sitzt seit 2017 im Bundestag, damals schaffte er mit Listenplatz 10 den Sprung ins Parlament. Diesmal steht er auf Platz 9, was seinen Wiederwahl sichern sollte. Eine Mehrheit der Erststimmen und somit das Direktmandat im Wahlkreis dürfte für ihn aber nicht erreichbar sein.

Eher geringe Chancen dürften die AfD-Kandidatin Martina Kempf (57) und der Linke Moritz Kenk (22) haben. Kempf ist Juristin und als Anti-Abtreibungs-Aktivistin in Erscheinung getreten, Physik-Student Kenk ist bislang ein politisch noch unbeschriebenes Blatt. Beide sind auch nicht über die Landeslisten ihrer Parteien abgesichert.

Völlig aussichtslos sind die Wahlaussichten der sieben Kandidatinnen und Kandidaten der Kleinstparteien: Alexander Riesener (Die Partei), Ulrich Kissel (Freie Wähler), Sabine Schumacher (Piraten), Zeki Ates (MLDP), Juliane Prentice (Die Basis), Severine Vollmer (LKR), Lea Stocker (V-Partei).