Leere Regale in den Einkaufsmärkten: Dieses Bild hat sich den Menschen in den vergangenen Wochen eingeprägt. Andere Sorgen hat die Getränkewirtschaft. Sie kämpft nicht mit einem Versorgungsengpass, mehr damit, dass zu wenige Pfandflaschen und nicht schnell genug zurück in den Kreislauf kommen. Getränkehersteller und -händler bekommen Probleme.

Lieler Schlossbrunnen kürzt Schichten

Im vergangenen Monat sind bei den Herstellern, Getränkefachhändlern und Lebensmittelmärkten in der Region Engpässe entstanden. Besonders betroffen sind die Mineralbrunnen. „Anfang März mussten wir Schichten einkürzen, weil kein Leergut zum Abfüllen da war“, berichtet Thomas Sattler, Geschäftsführer der Lieler Schlossbrunnen. Im März seien 17.000 Kisten verloren gegangen.

Clemens Fleischmann, kaufmännischer Geschäftsleiter der Randegger Ottilienquelle und Geschäftsführer des Arbeitskreises Mehrweg mit Sitz in Bonn, spricht sogar von einer Katastrophe: „Die Leute haben Leergut gehortet, es sind Engpässe in der ganzen Branche entstanden. So schnell können wir gar nicht bestellen, wie sie uns die Flaschen aus der Hand reißen.“

Neue Flaschen für über 200.000 Euro

Der Lieler Abfüller habe für über 200.000 Euro Leergut gekauft. Auch Randegger musste neue Flaschen für fast den gleichen Betrag bestellen. Dabei macht Fleischmann auf ein Problem aufmerksam: „Europaweit gibt es immer weniger Flaschenhersteller, die Glashütten arbeiten am Limit.“ Die 0,7-Liter-Flaschen seien mittlerweile aus der Ukraine gekommen. Das Lieler Unternehmen bei Lörrach hat Flaschen zum Teil aus Portugal kommen lassen. „Alle Brunnen kaufen Leergut„, bestätigt Sattler.

Fleischmann informierte seine Abnehmer derweil, dass Randegger nur noch so viele abgefüllte Flaschen abgibt wie er Leergut zurück bekommt.

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„Wir haben eine Absatzsituation, die sich mit einem heißen Sommer vergleichen lässt“, wird Markus Wolff, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB) in einer Pressemitteilung zitiert. Es werde deutlich mehr Mineralwasser verkauft als im Jahresdurchschnitt. Zugleich komme das Leergut langsamer zurück. Die Genossenschaft bittet deshalb darum, dass die Verbraucher das Leergut möglichst bald zurück bringen, damit die Mehrwegsysteme reibungslos funktionierten.

Sie hat den Mineralbrunnen und Partnern der Getränkebranche ein Logo zur Verfügung gestellt. Damit sollen die Verbraucher motiviert werden, das Leergut zügig zurückzubringen. Wolff sieht indes keine Veranlassung, Getränke zu horten. Die Getränkewirtschaft in Deutschland sehe keine Engpässe bei der Versorgung.

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„Uns Händler trifft es nicht so schlimm wie die Hersteller“, sagt Getränke-Betriebswirt Maximilian Wagner vom gleichnamigen Getränkeland in Waldshut-Tiengen. Engpässe gebe es jedoch auch hier. Ein Foto zeigt das halb leere Leergutlager im von Joachim Wagner geführten Tiengener Familienunternehmen, wo sonst 60 Prozent mehr an leeren Flaschen und Kisten stünden.

Kunde fragt nach einer ganzen Palette

Ein Kunde habe sogar nach einer ganzen Palette mit Mineralwasser gefragt, berichtet Wagner, von einem Ansturm am Anfang der Corona-Krise. Dafür müsse man, je nach Sorte, 250 bis 700 Euro bezahlen, rechnet er vor. Wenn einer täglich zwei Flaschen Mineralwasser trinkt, kämen auf eine kleine Familie sechs Flaschen pro Tag. Das wären drei Kisten pro Woche. Wagner rechnet weiter: „Eine Palette würde dann zehn Wochen halten, zwei Wochen später kommen sie in den Umlauf. Bis die Ware dann beim Hersteller ankommt, dauert es vermutlich 15 Wochen.“

Man hilft sich in der Not aus. Trotz der Engpässe. Wagner sei bei einem Safthersteller in Lauchringen in die Bresche gesprungen. „Er hat uns gesagt, dass er Aufträge, aber nicht annähernd so viel Leergut hat“, beschreibt Wagner, „wir haben ihm ein bisschen was gegeben, damit er abfüllen kann.“ Laut Sattler und Fleischmann habe sich die Lage zwar etwas entspannt. Aber der Appell gilt weiter.

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