Die Lager der Getränkehersteller sind gut gefüllt – im Gegensatz zu jenen Bereichen, wo die leeren Mehrwegflaschen zur Wiederbefüllung bereitstehen. Um weiter im gewohnten Maß produzieren zu können, benötigen die Getränkehersteller Leergut. Deshalb bitten die Verantwortlichen die Verbraucher um die Rückgabe der leeren Flaschen und Kästen, damit der Mehrwegkreislauf nicht ins Stocken gerät, wie man es aus Hitezsommern kennt. Engpässe seien ansonsten nicht zu erwarten. „Die Getränkeversorgung ist gesichert“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung, die unter anderem der Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels und der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels, herausgegeben hat.

Mehrwegflaschen aus Glas auf dem Vormarsch

„Leergut ist Mangelware“, stellt Klaus Widemann, Geschäftsführer von Schlör Bodensee Fruchtsaft in Radolfzell fest. Dafür seien mehrere Effekte verantwortlich. Nicht zuletzt durch die Fridays for Future-Bewegung seien PET-Flaschen in Verruf geraten, sagt er. Viele Verbraucher hätten wieder auf Glas und damit auf das Mehrwegsystem umgestellt. „Glas ist nachhaltig und im Kreislauf etabliert. Weiterer Vorteil ist das längere Mindesthaltbarkeitsdatum“, skizziert Widemann.

Die erste leere Kiste wird sofort zurückgebracht – versprochen.
Die erste leere Kiste wird sofort zurückgebracht – versprochen. | Bild: Buchholz, Michael

Die Nachfrage sei bereits durch das geänderte Umweltbewusstsein gestiegen. Und durch die Corona-Krise seien mehr Menschen zu Hause, hätten Getränke gehortet, ließen jedoch außer Acht, das Leergut wieder zurückzubringen. „Wir produzieren ganz normal. Vom Leergut ist es allerdings abhängig, wie wir befüllen können“, erläutert Widemann, der – wie all seine Kollegen auch – an die Verbraucher appelliert. Natürlich könnte Schlör zusätzlich leere Flaschen kaufen, aber: „In Deutschland wird kaum Glas produziert. Die Hersteller, die es gibt, arbeiten bereits am Anschlag“, erläutert Klaus Widemann.

„Wir rufen auch unsere Großkunden an, um die Situation zu entspannen.“ Das sagt Clemens Fleischmann, kaufmännischer Geschäftsleiter der Randegger Ottilien-Quelle.
„Wir rufen auch unsere Großkunden an, um die Situation zu entspannen.“ Das sagt Clemens Fleischmann, kaufmännischer Geschäftsleiter der Randegger Ottilien-Quelle. | Bild: Tesche, Sabine

„Das ist ein Riesenproblem“, bestätigt Clemens Fleischmann, kaufmännischer Geschäftsleiter von Randegger Ottilien-Quelle in Gottmadingen. Die Glashütten in Europa kämen kaum mehr nach, um den gestiegenen Bedarf zu decken. Um den aktuellen Leergutmangel etwas abzufangen, „kaufen wir wie blöd“, so Fleischmann. „Sechs große Lkw-Ladungen haben wir gerade wieder bestellt.“ Zum Teil werde bereits aus der Ukraine Leergut geliefert, weil die wenigen Anbieter im näheren Umkreis bereits ihre Kapazitätsgrenze erreicht hätten.

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Von diesen langen Lieferwegen, auch wenn er in der aktuellen Situation darauf zurückgreifen muss, hält Clemens Fleischmann nichts, denn er setzt auf das Prinzip der kurzen Wege und Nachhaltigkeit. Genau das hätten auch die Verbraucher verinnerlicht, deren Sympathie für familiengeführte Unternehmen, regionale Produzenten und Lieferanten sehr groß sei.

„Die Lager sind voll“, betont Clemens Fleischmann. Niemand müsse sich sorgen, keine Getränke mehr zu bekommen. Dennoch sollten die Verbraucher mithelfen, den Mehrweg- und damit verbunden den Produktionskreislauf aufrecht zu erhalten. Auf verschiedenen Kanälen bittet die Firma Randegger bereits die Verbraucher um Leergutrückgabe. „Wir rufen auch unsere Großkunden an, um die Situation zu entspannen“, so Fleischmann.

Brauereien verzeichnen Umsatzrückgänge

Im Gegensatz zu Mineralwasser- und Fruchtsaftproduzenten haben Brauereien aktuell größere Probleme. „Unser Produkt ist ein Genussmittel„, stellt Karl-Bernhard Ruppaner, Geschäftsführer der Konstanzer Ruppaner-Brauerei, fest. Bier werde in der Gemeinschaft und in geselligen Runden getrunken. Von Lebensfreude sei im Moment wenig zu spüren. „Der Umsatz mit der Gastronomie – wir sind hauptsächlich Gastrolieferant – ist zusammengebrochen“, berichtet Karl-Bernhard Ruppaner. „Wir mussten unsere Produktion stark zurückfahren.“

„Es gibt keinen Grund zum Hamstern“, stellt der Konstanzer Brauerei-Chef Karl-Bernhard Ruppaner fest. Die Getränkeproduktion laufe, aber er bittet die Verbraucher um Mithilfe: „Wir brauchen dringend Leergut.“
„Es gibt keinen Grund zum Hamstern“, stellt der Konstanzer Brauerei-Chef Karl-Bernhard Ruppaner fest. Die Getränkeproduktion laufe, aber er bittet die Verbraucher um Mithilfe: „Wir brauchen dringend Leergut.“ | Bild: Scherrer, Aurelia

Immerhin beliefert die Konstanzer Brauerei nach wie vor den Handel und die Getränkemärkte. Die Brauerei Ruppaner hat daher dasselbe Leergutproblem wie alle anderen. „Wir haben auch Engpässe. Zwei Lkw-Züge Leergut bräuchten wir“, so Ruppaner. Zusätzliches Leergut kaufen möchte er in der aktuell angespannten Situation nicht. Kurzarbeit hat er bereits angemeldet und versucht zusätzliche Kosten möglichst zu vermeiden.

Und jetzt ab mit den leeren Kisten zum Händler

„Es gibt keinen Grund zum Hamstern“, stellt auch er deutlich fest. „Unsere Biersorten sowie alkoholfreie Getränke können auch Privatleute in der heimischen Brauerei abholen“, so Ruppaner. „Wichtig aber ist: Wir haben ein Mehrwegsystem, das weiter funktionieren muss.“ Gerade beim Brauen sei es erforderlich, die Produktionslinie – Hopfen, Malz, Gärung – aufrecht zu erhalten. Deshalb bittet auch er die Verbraucher dringend, ihr Leergut abzugeben, damit der Produktionskreislauf nicht ins Stocken gerät. „Und wir hoffen, dass wir Richtung Sommer unsere Produktion wieder hochfahren können“, so Karl-Bernhard Ruppaner.