Insgesamt 53 bestätigte Corona-Fälle meldete das Gesundheitsamt Waldshut am Montag, 23. März, um 18 Uhr für den Landkreis Waldshut. Das sind zehn neue Fälle im Vergleich zum Vortag und damit der höchste Anstieg bislang. Doch so erschreckend die aktuellen Zahlen sind, so wenig überraschend sind sie. Am vergangenen Wochenende konnten nämlich nicht alle Tests von den Laboren ausgewertet werden, weshalb die Zahlen am Sonntag nur ein unvollständiges Bild abgaben.

„Die Kapazität der Labore ist nach wie vor voll ausgeschöpft. An diesem Wochenende kam erschwerend hinzu, dass in einem Labor eine wichtige Maschine ausgefallen ist, so dass das Labor statt der üblichen 1000 Tests nur 300 Tests durchführen konnte“, teilte das Landratsamt Waldshut mit. Vom Gesundheitsamt Waldshut werden täglich etwa 40 Tests in ein Labor außerhalb des Landkreises geschickt. Hinzu kommen die Abstriche, die von niedergelassenen Ärzten genommen werden und über andere Labore ausgewertet werden.

Wer gilt als Kontaktperson eines Infizierten, wird vom Gesundheitsamt benachrichtigt und in Quarantäne geschickt?

„Als Kontaktperson gelten alle, die zum Erkrankten länger als 15 Minuten einen direkten Gesichtskontakt (face-to-face“ Kontakt) in einem Abstand von unter rund 1,5 Meter hatten“, erklärt Susanna Heim, Pressesprecherin des Landratsamts Waldshut. Das Gesundheitsamt verfolge alle relevanten Kontakte des Erkrankten, die er bis 48 Stunden vor Beginn der Krankheitszeichen hatte, nach. „Diese Personen werden kontaktiert und nach Risikoeinschätzung des Gesundheitsamtes in Quarantäne geschickt“, so Heim. Allerdings gebe es eine Ausnahme dieser Regelung: Bei Kontaktpersonen, die in strukturrelevanten Bereichen, wie beispielsweise Pflegedienste oder Feuerwehr, tätig sind, wird eine Ausnahmeregelung getroffen, so Heim: „Diese Personengruppe darf weiterhin unter geeigneten Schutzvorkehrungen arbeiten.“

Etwas anders sei das Verfahren bei Erkrankten, die in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten tätig waren oder diese besucht haben, erläutert Susanna Heim: „Da hier der Erkrankte, weil er eine Vielzahl von Begegnungen hatte, nicht abschätzen kann, wie viele davon unter zwei Meter und unter 15 Minuten waren, und das Gesundheitsamt nicht jeden Schüler, jedes Kind und jeden Lehrer nach dem Kontakt fragen kann, wird eine Risikoabwägung für die gesamte Gruppe vorgenommen und die Schule oder Kita sofort geschlossen. Das ist dann eine Anordnung und alle, die davon betroffen sind, erhalten ein Schreiben mit Verhaltensanweisungen.“

Wie viele Menschen im Kreis befinden sich aktuell in angeordneter Quarantäne?

Die Anzahl der Personen in angeordneter Quarantäne sei stets eine Momentaufnahme, erklärt Susanna Heim. Zum Stand 23. März, 11.45 Uhr sagt sie: „Bisher haben wir rund 600 schriftliche Quarantäneanordnungen verschickt. Zudem etliche Quarantäneanordnungen mündlich – per Telefon – ausgesprochen. Wir sind aktuell dabei, diese Zahl zu erfassen.“

Wer wird auf Covid-19 getestet? Welche Bedingungen müssen gegeben sein?

Susanna Heim erläutert: „Damit die Kapazitäten der Labore geschont werden, um gerade die Risikopersonen zu testen und entsprechend behandeln zu können, testet das Gesundheitsamt aktuell alle Personen, die einen relevanten Kontakt zu einem positiv getesteten COVID-19 Erkrankten hatten und zusätzlich an einer relevanten Grunderkrankung leiden oder aber in einer häuslichen Gemeinschaft mit einer schwerkranken Person leben.“

Welche Vorgaben haben niedergelassene Ärzte?

„Ich habe kein definiertes Abstrichkontingent vom Labor bekommen, das wird wohl spontan entschieden“, sagt der Wehrer Internist Dr. Günter Straub. Er beobachtet: „Der Wunsch der Patienten ist immens, der Aufwand wegen der Sicherheit auch. Private Wünsche der Patienten oder des Arbeitgebers werden vom Labor nicht gegen Geld und/oder guter Worte bearbeitet, da die Kapazitäten am Limit sind.“ Inzwischen frage das Labor mit dem Straub zusammenarbeitet auch nach, ob der Abstrich wirklich dringend sei und den Kriterien des Robert-Koch-Instituts erfülle, damit er ausgewertet werde, so Straub.

Wie aussagekräftig sind die Corona-Tests?

Mediziner und Gesundheitsamt weisen generell darauf hin, dass die Covid-19-Abstriche immer nur eine Momentaufnahme sind. Internist Straub erläutert: „Natürlich sind die negativen Testergebnisse relativ und keine absolute Sicherheit, besonders im frühen Erkrankungsstadium oder zu geringen Probenmaterial. Die ausreichend lange Quarantäne bringt im Zweifelsfall schon den besten Effekt.“ Ein falsch negativer Befund sei sogar riskant, denn er wiege den Probanden in ungerechtfertigter Sicherheit und er verbreite das Virus zumindest in seinem näheren erlaubten Kontaktbereich munter weiter „bis er dann erkennbar erkrankt.“

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