Das wichtigste zu Beginn: Hemmungen davor, einen Defibrillator einzusetzen, muss niemand haben, denn die Handhabe ist denkbar einfach: "Die meisten Geräte funktionieren vollautomatisch, bei einigen muss man noch einen Knopf drücken", erklärt Thomas Dörflinger, Ausbildungsleiter des DRK Kreisverbands Säckingen. Außerdem werde der Benutzer per Sprachsteuerung von dem Gerät Schritt für Schritt angeleitet, wie er etwa die Sensoren am Körper des aufgefundenen Betroffenen befestigen muss.

Versehentliche Stromstöße sind ausgeschlossen

Dabei sei auch gewährleistet, dass man weder dem Betroffenen noch sich selbst oder anderen Helfern versehentlich schadet: Das Gerät misst dann aber auch den Herzschlag und kann feststellen, ob ein Herzkammerflimmern vorliegt.

"Nur wenn ein Herzkammerflimmern festgestellt wird, wird der Elektroschock überhaupt geladen", so Dörflinger weiter. Auf jeden Fall gebe es einen Warnhinweis, dass die Helfer bei dem Schock Abstand vom Patienten halten müssen.

Nur keine Hemmung: An der Puppe wird im Erste-Hilfe-Unterricht der Einsatz des AED geübt. Das baut Berührungsängste ab, sagt Kreisausbildungsleiter Thomas Dörflinger
Nur keine Hemmung: An der Puppe wird im Erste-Hilfe-Unterricht der Einsatz des AED geübt. Das baut Berührungsängste ab, sagt Kreisausbildungsleiter Thomas Dörflinger | Bild: Baier, Markus

Die Wahrscheinlichkeit, dass derartige Geräte zum Einsatz kommen, ist relativ hoch, wie Dörflinger vorrechnet: Etwa 200 Herzstillstände gibt es jeden Tag in Deutschland, in etwa 60 Prozent der Fälle ist der Betroffene in Gesellschaft. Wichtig ist zudem: "Der Einsatz eines AED in den ersten drei bis fünf Minuten kann die Überlebensrate eines Patienten um bis zu 70 Prozent steigern."

"Meiste Wiederbelebungserfolge erzielt der Ersthelfer"

Es komme also auf schnelle Hilfe durch den Ersthelfer an, sagt Daniel Arndt, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes beim DRK Kreisverband Waldshut: "Die Wiederbelebungserfolge erzielt in den meisten Fällen nicht der Sanitäter oder der Notarzt, sondern der Ersthelfer."

Und dennoch ist die Zahl der Fälle, in denen ein Defibrillator eingesetzt wurde, bislang verhältnismäßig gering. Thomas Dörflinger und Daniel Arndt können ad hoc höchstens ein bis zwei Fälle nennen, in denen AED von Ersthelfern benutzt wurden. Zu groß sei allem Anschein häufig noch die Hemmschwelle, die Geräte einzusetzen, oder die Unkenntnis, wo es überhaupt AED gibt.

"Der Einsatz der Geräte wird statistisch nicht erfasst. Allerdings fragen die Mitarbeiter der Leitstelle bei einem medizinischen Notruf nach, ob ein Gerät verfügbar ist, und geben Hilfestellung bei den ersten Reanimationsmaßnahmen", so Daniel Arndt.

In solchen Kästen befinden sich die Defibrillatoren.
In solchen Kästen befinden sich die Defibrillatoren. | Bild: Peter Kneffel

Außerdem ist die Arbeit mit einem AED inzwischen fester Bestandteil von Erste-Hilfe-Kursen, wie Thomas Dörflinger sagt: "Es gibt den Menschen einfach eine gewisse Handlungssicherheit, wenn sie das an einer Puppe geübt haben."

Netz der Geräte wird ausgebaut

Zudem wird seit Längerem ein regelrechtes Netz von Defibrillatoren in der Region aufgebaut. Zwischen 60 und 80 Geräte dürften geschätzt im Kreisgebiet verteilt hängen. An vielen öffentlichen Orten, in Einkaufsmärkten, Gemeindehallen oder auch Banken gibt es inzwischen Geräte.

Auch etliche Firmen hätten inzwischen AED angeschafft, die allerdings in der Regel nur genutzt werden, wenn Mitarbeiter einen medizinischen Notfall erleiden. Ein genauer Überblick über die Zahl der Geräte fehlt aber noch: "Die Leitstelle bemüht sich aktuell, ein genaues Kataster zu erstellen", sagt Daniel Arndt.

Nach Einschätzung von Thomas Dörflinger ist das AED-Netzwerk inzwischen auf einem relativ guten Stand. Allein in der Innenstadt von Bad Säckingen gibt es beispielsweise vier Geräte – in der Volksbank, in der Schwarzwaldapotheke, in der Fridolinsapotheke und im Rathaus: "Aber natürlich gibt es in gewissem Maß immer noch Luft nach oben."

Wünschenswert wäre, dass in jedem Dorf mindestens ein Defibrillator verfügbar sei. Fraglich sei jedoch, ob das überhaupt realistisch sei, so Dörflinger weiter: "Es handelt sich um Medizinprodukte, die auch regelmäßig gewartet werden müssen." In der Regel stellen die DRK-Ortsverbände Mitglieder, die die öffentlich zugänglichen Geräte betreuen.

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Im Übrigen gibt es noch etwas zu beachten: AED ersetzen nicht konventionelle Reanimationsmaßnahmen wie Herzdruckmassage und Beatmung. Das Ganze müsse im Zusammenspiel erfolgen, um wirklich Erfolg zu haben, rät Thomas Dörflinger: "Im Idealfall sollten an einer Reanimation drei Leute beteiligt sein: ein Ersthelfer, der reanimiert, einer, der den Notruf absetzt, und einer, der den AED holt."

Alle eingeleiteten Maßnahmen sollten auf jeden Fall so lange fortgesetzt werden, bis die Helfer vom DRK am Ort des Geschehens eintreffen.

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