Des einen Genuss ist des anderen Ärger. Eine Fahrt auf den Panoramstraßen im Schwarzwald gibt vielen Motorradfahrern den besonderen Kick. Viele sind im Südschwarzwald, auch im Landkreis Waldshut, unterwegs. So weit ist nichts dagegen einzuwenden. Doch vermehrt beschweren sich Einwohner der Dörfer über Lärm, den die Biker vor allem mit ihren manipulierten Auspuffanlagen an ihren Maschinen verursachen.

Gegen den Motorradlärm will der Landkreis jetzt etwas tun. Der Kreistag berät am Mittwoch, 16. Oktober, über das Thema und eine möglichen Beteiligung an einem Aktionsbündnis.

Sie drehen den Hahn auf und fahren mit aufgemotzten Maschinen

Grundsätzlich seien Biker im Südschwarzwald willkommen, heißt es in der Sitzungsvorlage. Der zunehmende Motorrad-Tourismus bringe jedoch auch die Lärmbelästigung mit. Was Einheimischen und Touristen aufstoße. Dabei geht es um die schwarzen Schafe unter den Bikern. Sie drehen den Hahn auf oder fahren mit ihren auf „Sound“ getrimmten Zweirädern über Höhen und durch die Täler.

Geschwindigkeitsbeschränkungen und Radar zeigen kaum Wirkung

Laut Landratsamt zeigen Geschwindigkeitsbeschränkungen und Radar kaum Wirkung. Und, wer seine Maschine aufmotzen will, der tut es. Zudem könnten Motorradfahrer bei Messungen nicht zuverlässig identifiziert werden. Kreis und Gemeinden sind die Hände gebunden. Die einzige Möglichkeit sind Kontrollen der Polizei, die die Motorräder anhält und prüft. „Wir können Standgeräusche messen, wenn der Verdacht besteht, dass die Fahrzeuge zu laut sind. Das lässt auch Rückschlüsse über die Fahrgeräusche zu“, erklärt Polizeisprecher Mathias Albicker.

Gegen vorher zugelassene Auspuffanlagen kann man nichts machen

Er weist auf ein weiteres Problem hin. Häufig handle es sich um zugelassene Auspuffanlagen, die Lärm verursachten. Dies gelte für Autos gleichermaßen. Die Emissionsvorschriften seien in diesem Jahr bereits verschärft worden. „Aber die vorher zugelassenen Fahrzeuge genießen so etwas wie Bestandsschutz“, erklärt Albicker. 2019 habe die Verkehrspolizei bisher 20 Schwerpunktkontrollen im Kreis durchgeführt, dabei 71 Verstöße angezeigt.

Todtmoos und Schopfheim kämpfen schon lange gegen den Lärm

Allerdings verweist die Statistik allgemein auf „technische Mängel“. Wie viele tatsächlich ihre Auspuffanlage manipuliert haben, gehe daraus nicht hervor. „Aber das Problem ist auch bei uns bekannt“, sagt Albicker. Schwarzwaldgemeinden wie Todtmoos und Schopfheim im benachbarten Kreis Lörrach kämpfen schon lange gegen diese Lärmbelästigungen.

Mobil machen mit einem umfassenden Forderungskatalog

Der Landkreis orientiert sich am Vorbild der Region Nationalpark Eifel, wo die Kampagne „Silent Rider“ gestartet wurde. Mit einem umfassenden Forderungskatalog soll gegen den Motorradlärm begegnet werden. Der Landkreis will seine Städte und Gemeinden ins Boot holen, mit einer Stimme sprechen und setzt auf eine starke Lobby.

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