Der Schädel wurde am ersten Weihnachtsfeiertag 2018 am Waldparkplatz beim Bergsee von einer Familie unter kuriosen Umständen entdeckt. So beschrieb es die Polizei seinerzeit: Eine Person aus der Gruppe, die sich mit Pilzen auskennt und sich besonders für das Thema interessiert, bemerkte nur wenige Meter neben dem Parkplatz im Gebüsch eine helle Fläche, die dem Schirm eines Pilzes ähnelte. Als die Person nachschaute, welche Pilze dort denn mitten im Dezember wachsen, wurde der skelettierte Schädel entdeckt. So begann in den Weihnachtsfeiertagen 2018 die umfangreiche Spurensicherung am Parkplatz beim Bergsee.

Wenige Meter abseits des oberen Bergseeparkplatzes wurde am ersten Weihnachtsfeiertag 2018 der skelettierte Kopf eines Menschen gefunden. Letzte Fetzen eines Polizeiabsperrbandes zeugten noch lange von den Untersuchungen der Spurensicherung. Bild: Andreas Gerber
Wenige Meter abseits des oberen Bergseeparkplatzes wurde am ersten Weihnachtsfeiertag 2018 der skelettierte Kopf eines Menschen gefunden. Letzte Fetzen eines Polizeiabsperrbandes zeugten noch lange von den Untersuchungen der Spurensicherung. Bild: Andreas Gerber | Bild: Gerber, Andreas

Die monatelangen Ermittlungen finden jetzt mit dem Ergebnis der C-14-Kohlenstoffdatierung, auch Radiokarbonmethode genannt, ein Ende. Die Untersuchung ergab, dass der Schädel aus der Zeit von Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts stammen dürfte. Die gerichtsmedizinische Begutachtung des Schädels, eine Zahnstatuserhebung, die DNA-Mustererstellung und deren Abgleich hatten bereits nach wenigen Tagen ergeben, dass es sich um den Schädel einer Frau mittleren Alters handeln musste. Verletzungsspuren gab es keine, so die Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Was passiert nun mit dem Schädel?

Die Akten des Falles werden nun geschlossen. Doch was passiert mit dem Schädel? Bei dem Knochenfund handelt es sich um Teile eines Menschen. Wie Polizeisprecher Matthias Albicker auf Nachfrage mitteilte, sie rechtlich die Gemeinde, auf deren Gemarkung der Fundort, liegt zuständig. Das heißt, der Schädel werde nun in Absprache mit der Stadt Bad Säckingen bestattet. Wie das konkret geschehe, sei noch nicht klar. Die Abklärung müsse noch stattfinden.

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Torso-Leiche in Waldshut

Die Polizei glich den Bergsee-Schädel mit unzähligen ungeklärten Todesfällen innerhalb und außerhalb der Region ab. Geprüft wurden dabei unter anderem auch zwei Fälle, die in der Region vor Jahren für großes Aufsehen sorgten: Einer war der Fund eines Frauentorsos in Waldshut. So ging die Polizei der Möglichkeit nach, dass es sich bei dem Fund am Bergsee um den fehlenden Kopf der Waldshuter Torso-Leiche handeln könnte. Das konnten die Behörden jedoch aufgrund des unterschiedlichen Zahnschemas bald ausschließen.

Am Ortsende von Waldshut Richtung Schmitzingen wurde am 7. Dezember 2014 von einem Spaziergänger der in einem Plastiksack verpackte Torso einer Frauenleiche entdeckt. Bild: Roland Gerard
Am Ortsende von Waldshut Richtung Schmitzingen wurde am 7. Dezember 2014 von einem Spaziergänger der in einem Plastiksack verpackte Torso einer Frauenleiche entdeckt. Bild: Roland Gerard | Bild: Gerard, Roland

Oberschenkelknochen aus Kleindöttingen

Auch der zweite Fall führte nicht zum Erfolg: Die DNA eines Oberschenkelknochens einer Frau und die des Schädels vom Bergsee waren unterschiedlich. Der Oberschenkelknochen gehörte einer vermissten Frau aus dem schweizerischen Kleindöttingen. Der Knochen wurde 2013 in der Nähe des Wohnortes auf deutscher Seite gefunden. Weitere Untersuchungen in nationalen und internationalen Vermissten-, Tötungs- und Todesermittlungsverfahren verlief negativ. Zwischenzeitlich wurden laut Staatsanwaltschaft Teilübereinstimmung der DNA mit einem ausländischen Vermisstenfall gemeldet, aber auch hier ergaben sich letztlich keine weiteren Erkenntnisse.

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Wissenschaftliche Altersbestimmung

Die auch in der Archäologie angewandten C-14-Altersbestimmung brachte nun das Ergebnis, dass die Frau vor über 200 Jahren gelebt hatte. Wie sie gestorben ist, muss weiter unklar bleiben, da sich am gefundenen Schädel keinerlei Spuren von Gewalteinwrikung erkennen lassen. Daher kommt nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft auch durchaus auch ein natürlicher Tod in Betracht. Der Schädel könne vom Aushub eines Friedhofs oder von Bauarbeiten stammen.

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Bereits aufgrund des Zahnstatus war für die Ermittler eine historische Liegezeit denkbar. Wobei: Es war auch bald klar, dass der Auffindeort nicht der ursprüngliche Lagerungsort. Zeugenaussagen zufolge konnte der Rückschluss erfolgen, das der Schädel wahrscheinlich erst im Dezember an der Örtlichkeit gelagert worden ist. Anhaltspunkte für eine längere Lagerung im Erdgrab unmittelbar vor der Auffindung ergaben sich nicht.

Durch gerichtsmedizinische Untersuchungen wurde schnell klar, dass der Schädel zu einer Frauenleiche gehört. Auch konnte von den Gerichtsmedizinern ein Zusammenhang mit dem Leichen-Torso aus Waldshut und dem Oberschenkelknochen aus Kleindöttingen ausgeschlossen werden.
Durch gerichtsmedizinische Untersuchungen wurde schnell klar, dass der Schädel zu einer Frauenleiche gehört. Auch konnte von den Gerichtsmedizinern ein Zusammenhang mit dem Leichen-Torso aus Waldshut und dem Oberschenkelknochen aus Kleindöttingen ausgeschlossen werden. | Bild: Christian Charisius