Berufsfeuerwehrleute gehen ihrer Arbeit nach, wie jeder andere Berufstätige auch. Es gibt Dienstpläne, und wer im Dienst ist, geht im Notfall auch in den Einsatz. So kann Familienleben, wie bei jedem anderen Arbeitnehmer auch, geregelt stattfinden. Für ehrenamtliche Feuerwehrleute ist die Situation eine ganz andere. Beruf, Familie, Feuerwehr – alles muss unter einen Hut gebracht werden.

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Abends nach der Arbeit und an den Wochenenden. Und Tritt der Notfall ein, heißt es ausrücken. Ob mitten in der Nacht, oder wenn die Familie gerade feiert. Das Fazit zweier „Feuerwehrfrauen“ über den Alltag mit einem Feuerwehrmann: „Die Familie lebt mit.“

Ehrenamt Feuerwehr als Belastung

Alexandra Zimmermann und Martina Schapfel sind zwei gestandene „Feuerwehrfrauen“. „Wir wussten, worauf wir uns einlassen“, sagen sie. Den Einsatz aus freien Stücken ihrer Ehemänner bei der Freiwilligen Feuerwehr unterstützen sie: „Wenn die Partnerin nicht mitmacht, dann geht das nicht.“ Trotzdem ist das Ehrenamt Feuerwehr, das so viele Stunden kostet, immer wieder auch Belastung. „Es ist das Organisieren, sobald Kinder da sind“, sagen die beiden Frauen.

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Die Unplanbarkeit ist ein echtes Problem – für alle Beteiligten. Denn grundsätzlich ruft der Piepser immer dann zum Einsatz, wenn es nicht passt. Zum Beispiel, wenn die Männer sich gerade um die Kinder kümmern, weil die Frau auf Arbeit ist. Dann müssen sie Plan B oder C parat haben. Wenn es gar nicht anders geht, kann es auch vorkommen, dass die Kinder kurzerhand mit ins Feuerwehrgerätehaus genommen werden. Alexander Zimmermann, Abteilungskommandant in Bad Säckingen, und Sven Schapfel, Abteilungskommandant in Wallbach, schränken allerdings ein: „Das hängt natürlich von der Alarmmeldung ab und geht nur, wenn es nichts Ernstes ist.“

Auch Oma und Opa müssen helfen

Ohne Unterstützung von außen sind solche Situationen kaum zu meistern: „Bei uns ist das ganze soziale Umfeld eingebunden“, erzählt Martina Schapfel. Auch bei den Zimmermanns heißt einer der Pläne dann öfter „Oma und Opa“. „Man wächst da mit rein“, wissen die beiden Frauen. Trotzdem gibt es Tage, an denen das Organisieren stressig ist. Auch wenn die eigene Verabredung wegen eines Feuerwehrtermins abgesagt werden muss. Oder wenn die Männer nach Einsätzen am Wochenende erst einmal „gerädert“ sind und Schlaf brauchen.

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Alexandra Zimmermann erzählt, dass sie manchmal schon „hässig“ sei. Aber: „Wir wissen ja, dass unsere Männer für eine gute Sache unterwegs sind.“ Auch Martina Schapfel sagt: „Hin und wieder leidet die Familie darunter. Man steckt schon manchmal zurück. Aber wir wären ja auch froh, wenn die Feuerwehr kommt, wenn es bei uns brennt.“

Frauen helfen beim Weg zum Einsatz

So unterstützen die Frauen ihre Männer, wo und wie immer möglich. Auch bei einer Alarmierung. Martina Schapfel erzählt: „Ich regel das mit dem Piepser, damit sich mein Mann fertigmachen kann. Ich halt ihm dann auch die Haustüre auf.“ Beim Rausgehen gibt es ein „Fahr langsam“ mit auf den Weg. Und sie hält die Kinder zurück, weil die mit dem Papa auf Einsatz wollen.

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„Für die Kinder ist es etwas anderes. Sie sind ganz stolz, dass der Papa Feuerwehrmann ist“, weiß Alexandra Zimmermann. „Alle sind angesteckt. Das ist ja ein Virus. Egal ob Mädchen oder Jungs, sie wollen alle Feuerwehrchef werden“, lacht Martina Schapfel. Das hat auch mit der Gemeinschaft zu tun: „Die Feuerwehr ist wie eine Familie. Es haben sich Freundschaften gebildet. Wir sitzen alle in einem Boot“, sagt Alexandra Zimmermann. Die Frauen sprechen untereinander und halten sich bei Einsätzen auf dem Laufenden. Wenn der eigene Mann schon zuhause ist, wird gemeldet: „Deiner kommt auch gleich.“

Im Einsatz hilft nur Grundvertrauen

Was geht in den Frauen vor, wenn die Männer in den Einsatz gehen? Haben sie Angst? Beide Frauen verneinen das. „Da ist ein Grundvertrauen. Wir würden uns ja selbst im Wege stehen“, meint Alexandra Zimmermann. „Es kann immer und überall etwas passieren“, sagt Martina Schapfel. Beide wissen um die vielen Proben in den Abteilungen, die vielen Dienstvorschriften zur Sicherheit jedes einzelnen, und dass sich die Feuerwehrkameraden gegenseitig richtig einzuschätzen wissen. Das schafft Vertrauen.

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Sven Schapfel bestätigt: „Wir kennen uns, wir wissen, wer mit wem geht.“ Junge Kameraden, „die wilden Jungs“, arbeiten mit älteren und erfahrenen Kameraden zusammen. „Man achtet drauf, auch wer was macht. Das hängt auch immer von der Art des Einsatzes ab. Das brauch es schon auch Fingerspitzengefühl“, erzählt Alexander Zimmermann. Angst macht Alexandra Zimmermann etwas ganz anderes. Die Zahl der Einsätze, bei denen die Feuerwehr mit der Drehleiter anrückt, um für die Rettungskräfte Patienten aus Wohnhäusern zu transportieren, nimmt zu: „Ich hab immer Sorge, dass das irgendwann auch ein Angehöriger ist, jemand, den man kennt.“ Auch Türöffnungen von Wohnungen nehmen zu, wenn „Gefahr in Verzug“ ist.

Frauen helfen beim Verarbeiten des Erlebten

Je nach Einsatz kann die psychische Belastung groß sein und geht nicht spurlos an den Männern vorbei. „Wir merken schon, wie der Einsatz war, wenn sie zurückkommen“, sagt Martina Schapfel. Das Erlebte zu verarbeiten ist letztlich eine individuelle Sache. Nicht jeder spricht zuhause darüber. Manchmal hilft dann die „Familie Feuerwehr“. So wie vor einiger Zeit nach einem Suizid, als die Familien nach dem Einsatz zusammensaßen. „Wir Frauen haben das gerne mitgetragen. Wir sind froh, wenn unsere Männer die Situation so verarbeiten“, sagt Martina Schapfe