Gerade haben die Stadtwerke Bad Säckingen mit der vier Millionen Euro teuren Erweiterung des Heizwerks Süd die größte Einzelinvestition in ihrer Unternehmensgeschichte getätigt, schon steht das Unternehmen in den Startlöchern für das nächste Großprojekt: Im Herbst wird der kommunale Energieversorger den Ausbau des Wärmenetzes in der Altstadt beginnen, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Martin Ritter im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. Mit diesem Vorhaben soll die Altstadt in den kommenden Jahren praktisch auf eine CO2-neutrale Wärmeversorgung umgestellt werden. Und so ganz nebenbei hat das Unternehmen auch noch einen wichtigen Innovationspreis errungen.

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Bildunterschrift | Bild: Baier, Markus

Im Kessel der Stadtwerke Bad Säckingen ist gerade richtig Dampf, das wurde bei der Einweihung des erweiterten Heizwerks am Freitag deutlich. Was da am Rande des Brennet-Parks realisiert wurde, sei in mehrfacher Hinsicht ein Meilenstein – für das Unternehmen ebenso wie für die Kunden, die von einem noch leistungsfähigeren, dezentral strukturierten Angebot profitieren könnten.

Die Gebäudefläche verdoppelt, die Leistung der Anlage gar auf 4200 Megawattstunden verdreifacht. Das kann sich sehen lassen. Zudem spare das mit Biomethan betriebene Heizwerk im Vergleich zur Wärmeerzeugung mit Heizöl rund 3600 Tonnen CO2 ein. Dabei liege der Schwerpunkt der Anlage neuerdings auf der Stromproduktion, das heißt: „Wir können die Anlage dann starten, wenn der Strompreis am höchsten ist.“ Für die entsprechende Vermarktung haben sich die Stadtwerke die Stadtwerke Würzburg als Kooperationspartner an Bord geholt. Somit könnten in Zukunft also Strom für 4000 Haushalte und die Wärmeversorgung für 1000 Haushalte vom Heizwerk Süd aus produziert werden, so Ritter weiter.

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Die seit Jahren geplante Erweiterung des Wärmenetzes auf die Bad Säckinger Altstadt ist damit nicht nur mühelos möglich und sondern beinahe etwas wie die logische Konsequenz. Und sie soll laut Ritter auch in absehbarer Zeit beginnen: „Im Herbst werden wir in der Fischergasse mit den Arbeiten starten und uns im Rahmen des ersten Bauabschnitts über die Metzgergasse und den Spitalplatz in die Spitalgasse vorarbeiten.“ Die Kundenaquise laufe auf vollen Touren, wobei Ritter einräumt, dass die späteren Nutznießer von dem Vorhaben überzeugt werden müssten, denn es sei durchaus mit fünfstelligen Investitionskosten für Hausbesitzer verbunden.

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Im Zuge der Wärmenetz-Erweiterung werden auch Versorgungsleitungen verlegt. Zudem werden die ersten Maßnahmen umgesetzt, um die Altstadt barrierefrei zu machen, so Ritter. Etwa im Sommer kommendes Jahr soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein. Für die Gesamtmaßnahme sind etwa drei bis fünf Jahre veranschlagt.

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Bürgermeister Alexander Guhl zeigte sich von dem nun abgeschlossenen Bauvorhaben ebenfalls beeindruckt. Es stecke eine stringente Planung und Umsetzung dahinter. Das Heizwerk sei ein weiteres Leuchtturmprojekt, das dem ohnehin guten Namen der Stadtwerke in Sachen Wärmeversorgung nur zuträglich sein könne, so Guhl.

Dass das Unternehmen generell gut am Markt platziert ist, zeigt sich übrigens auch in anderer Hinsicht: Gerade wurden die Stadtwerke mit dem Innovationspreis „Top 100“ ausgezeichnet, um den sich etwa 10.000 Firmen beworben haben, wie Geschäftsführer Ritter sagt: „Überzeugt hat die Jury dabei nicht ein bestimmtes Produkt, sondern die Art, wie wir Innovation in die Arbeitsabläufe integriert haben.“ Den Preis hätten die Stadtwerke übrigens erst als zweites Unternehmen der Energiebranche erhalten.

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Quartierskonzept und Barrierefreiheit

  • Altstadtkonzept: Seit einigen Jahren wird an einem energetischen Quartierskonzept gearbeitet. Die Erweiterung des Wärmenetzes der Stadtwerke Bad Säckingen ist dabei ein Baustein. Erklärtes Ziel sei es laut Geschäftsführer Martin Ritter, „die Altstadt mit CO2-neutraler Wärme zu versorgen“, was allerdings auch bedingt, dass die Hausbesitzer bereit sind, ihre bisherigen Heizsystem zu ersetzen. Abgesehen davon sollen im Rahmen der Bauarbeiten auch Versorgungsleitungen erneuert und Leerrohre für die Breitbandversorgung verlegt werden. Ein weiterer Themenbereich ist die energetische Sanierung der größtenteils denkmalgeschützten Altstadthäuser.
  • Barrierefreie Altstadt: Die Schaffung einer barrierefreien Altstadt ist ein weiteres wichtiges Anliegen, das die Stadtverwaltung seit einigen Jahren vorantreibt. Ziel ist die Gestaltung nach den Bedürfnissen von Rollstuhl- und Rollatorfahrern sowie Sehbehinderten und Blinden. Dieses Vorhaben soll mit dem Altstadtkonzept verzahnt werden.
  • Zeitrahmen: Die konkrete Erweiterung des Wärmenetzes soll im Herbst in der Fischergasse beginnen, der erste Bauabschnitt erstreckt sich bis zur Spitalgasse und soll bis Sommer 2021 abgeschlossen sein, so Ritter. In diesem Zuge werden auch die ersten Maßnahmen in Sachen Barrierefreiheit umgesetzt, außerdem soll am Ende auch der seit langem geforderte Poller zur Sicherung des Spitalplatzes eingebaut werden. (msb)

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