Die Kinderuni Hochrhein ist unverschuldet zwischen die verhärteten Fronten von Stadt und Gloria-Theater geraten. Gloria-Intendant Jochen Frank Schmidt und der kaufmännische Direktor Alexander Dieterle fühlen sich in der Pandemie von der Stadt im Stich gelassen. Deshalb haben die Gloria-Macher entschieden, alle städtischen Aufgaben abzugeben. Und darunter falle auch die Kinderuni. Nun steht die Zukunft der Einrichtung in den Sternen. Dazu erreichen die Redaktion mehrere Leserbriefe:

Selbstüberschätzung

„Die Betreiber des Gloria haben die Zusammenarbeit mit der grenzüberschreitenden Initiative ‚Kinder-Uni‘ beendet und stellen die Räume im Gloria nicht mehr für deren Vorlesungen zur Verfügung. Zur Begründung führt Jochen Frank Schmidt aus, man wolle sich nicht mehr von der Stadt ‚ausnutzen lassen‘ und werde ‚im Stich gelassen‘. Auch leiste sich die Stadt eine eigene kulturelle Veranstaltungsreihe, die als Konkurrenz betrachtet werde und auch im Gloria stattfinden könne.

Erneut lohnt es sich, sich mit den Tatsachen zu beschäftigen, bevor man sich ein Urteil bildet: Zwischen der Stadt und den Betreibern des Gloria wurde unter der Ägide des Bürgermeisters Weißbrodt – rückwirkend – ein Mietvertrag über das im Eigentum der Stadt stehende Gloria-Gebäude geschlossen. Das ‚Mietverhältnis‘ begann am 1. Januar 2011 und sollte am 31. Dezember, also nach 15 Jahren enden. Allerdings wurde den „Mietern“ ein Rechtsanspruch auf eine zweimal fünf-jährige Verlängerung eingeräumt. Damit endet das ‚Mietverhältnis‘ am 31. Dezember 2035, also 25 Jahre nach Beginn. Eine Gegenleistung der ‚Mieter‘ wurde nicht vereinbart; das Objekt wurde und wird von der Stadt mietfrei, also kostenlos, zur Verfügung gestellt. Vereinbart wurde des Weiteren, dass die Stadt das Gebäude und die technischen Anlagen auf eigene Kosten zu unterhalten hatte und hat.

Im selben Vertrag verpflichtete sich die Stadt, den Betreibern des Gloria einen Zuschuss in Höhe von 240.000 Euro in monatlichen Raten bis zum 31. Dezember 2020 zu bezahlen.

Die Stadtwerke Bad Säckingen GmbH haben die Gloria-Betreiber jahrelang mit einem hohen jährlichen Betrag gesponsert. Auch dabei handelte es sich um eine (indirekte) Unterstützung durch die Stadt, da der Gewinn der SWS – vermindert durch das Sponsoring – an die Stadt ausgekehrt wurde und der Allgemeinheit zu Gute kam.

Als die Gloria-Betreiber für den Kinobetrieb einen digitalen Projektor anschaffen mussten, beantragten sie bei der Stadt einen Zuschuss in Höhe von 15.000 Euro. Obwohl die Behauptung, der Kinobetrieb sei defizitär, weshalb der Zuschuss notwendig sei, nicht belegt war, wurde auch diese Subvention gewährt.
Zusammengefasst: Die Stadt unterstützt die Betreiber des Gloria mit der mietfreien Überlassung eines städtischen Gebäudes für die Dauer von 25 Jahren, unterhält das Gebäude aus Steuermitteln, hat zwei Subventionen in nicht unbeachtlicher Höhe geleistet und das Sponsoring durch die Stadtwerke Bad Säckingen toleriert. Da kann man sich schon fragen, wie Schmidt zu dem Ergebnis gelangen kann, die Stadt nutze die Gloria-Betreiber aus. Zumal diese während der Pandemie ja Leistungen aus den Töpfen des Bundes und/oder des Landes bekommen haben dürften. Zur Gesamtbeurteilung gehört auch, dass der Redakteur des ‚Sonntag‘, Daniel Gräber, die Gewinnsituation des Gloria (seinerzeit hervorragend) recherchierte und im ‚Sonntag‘ einen entsprechenden Artikel schrieb und dass die Gloria Betreiber im Jahr 2020 den Sponsor wechselten und seit dem Strom aus Schönau beziehen, Strom, mit dem ein städtisches Gebäude betrieben wird.

Die Forderung, die Stadt möge auf ihre eigene Kulturarbeit zu Gunsten des Gloria verzichten, vermag ich nicht zurückhaltend kommentieren. Diese Forderung entspringt einer Hybris, die nicht mehr rational begründet sein kann. Die Stadt hat mit Thomas Ays einen hervorragenden, auch für die Kultur verantwortlichen Mitarbeiter, der nicht auf Ratschläge von Schmidt und Dieterle angewiesen ist.

Bevor ich wieder einen intellektuell suboptimalen Kommentar lesen muss: Nein, ich befinde mich nicht auf einem Kreuzzug gegen das Gloria. Ich habe stets zum Ausdruck gebracht, dass mir die Leistung der Gloria Betreiber imponiere, ein hochprofitables Unternehmen in einem kleinstädtischen Umfeld realisiert zu haben. Allerdings habe ich es als meine (selbstverständliche) Aufgabe als Stadtrat gesehen, die Finanzen der Stadt verantwortungsvoll vor möglicherweise ungerechtfertigten Forderungen zu bewahren.
Abschließend: Es gäbe noch einiges zu sagen. Dass aber die Selbstüberschätzung der Gloria-Betreiber, die gerade über Crowdfunding erhebliche Beträge eingesammelt haben und in Badenweiler aktiv geworden sind, dazu führt, dass nun Kinder geschädigt werden, spricht für sich.“

Frank van Veen, Bad Säckingen

Undankbar

„Als ich in der Zeitung las, dass die Kinderuni nicht stattfinden kann im Gloria-Theater, kam bei mir die Frage auf wie undankbar die Macher des Gloria-Theaters sein können. Lieber Herr Schmidt und Herr Dieterle, haben sie eigentlich vergessen dass sie mehrere (ich glaube 10) Jahre mietfrei im Gloria Theater waren? Sprich: Sie hatten über mehrere Jahre keine Miete bezahlt und durch die Kooperation mit den Stadtwerken mussten sie keinen Strom zahlen. Es wurde für sie das Gloria umgebaut, ohne dass Kosten entstanden sind für sie.

Der Förderverein hat einen neuen Kinoprojektor besorgt. Jahrelang hatten sie gute Besuchszahlen, wurden großzügig durch Sponsoren aller Art unterstützt. Durch Crowdfunding konnten sie ebenfalls Geld generieren für umsonst! Ich finde es eine Unverschämtheit, dass nach so viel, was Bad Säckingen für das Gloria gemacht hat, sie sich das Recht rausnehmen, sich über die Stadt zu beschweren und noch Geld einzufordern. Hätten sie mal besser Rücklagen gebildet, wie es ein jeder Geschäftsmann machen muss, damit er über die Runden kommt.

Der normale Geschäftsmann muss noch Miete, Strom usw. bezahlen, alles was sie nicht mussten. Denken sie mal über Dankbarkeit nach, und fordern sie nicht nur ein. Ein bisschen Demut würde hier guttun! Im Bezug auf die Kinderuni zu kommen: Sie erhalten ja auch 1000 Euro für einen Tag. Reicht Ihnen das nicht?“

Daniel Glembotzki, Bad Säckingen

Talent für Fettnäpfchen?

„Das Gloria-Theater ist eine ganz außergewöhnliche Kultureinrichtung, die die Stadt Bad Säckingen viel weniger kostet als der Aufwand in anderen Städten für ähnliche Dinge. Andere Städte beneiden uns um das Gloria-Theater. Aber Bad Säckinger ‚Kleinkarierte‘ lassen es nun an der Unterstützung fehlen. Ist das ein Talent zum Fettnäpfchen?“

Bernhard Biendl, Bad Säckingen

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