„Die Händler spüren den Online-Handel, aber eine große Bedrohung ist er in Bad Säckingen zum Glück noch nicht“, so die Einschätzung von Elisabeth Vogt, Vorsitzende des Gewerbevereins Pro Bad Säckingen. Nur einige Geschäftsleute würden verstärkt darunter leiden. Verkaufen die Bad Säckingen Einzelhändler ihre Produkte auch online? „Bei uns hat gar nicht jeder Händler eine Webseite“, erklärt Vogt. Der Aufwand für einen Online-Handel ginge weit darüber hinaus, koste viel Geld und man müsse ihn pflegen. „Das Problem ist die Warenwirtschaft, der Händler muss seinen Warenbestand laufend aktualisieren und das ist nicht ganz einfach, wenn er das alles selbst machen muss“, erklärt Vogt.

So beschreibt es auch Irene Schwarz, die ein Geschäft für Bastelbedarf betreibt. Sie habe ihren Online-Handel im Zuge des Datenschutzgesetzes aufgegeben, aber auch wegen des enormen Aufwands. „Ich müsste jemanden einstellen, der sich darum kümmert“, sagt sie. Den globalen Online-Handel sehe sie als ganz große Konkurrenz, vor allem, weil der Kunde dort alles gratis zurückschicken könne. Der Verkauf im Fachhandel sei seit Jahren rückläufig, so Schwarz. Auch wenn sie keinen Online-Shop mehr betreibe, möchte sie aber bald wieder eine eigene Homepage haben.

„Bei uns hat gar nicht jeder Händler eine Webseite“ -Elisabeth Vogt, Vorsitzende des Gewerbevereins Pro Bad Säckingen
„Bei uns hat gar nicht jeder Händler eine Webseite“ -Elisabeth Vogt, Vorsitzende des Gewerbevereins Pro Bad Säckingen | Bild: Kanele, Susanne

Dennoch betreiben manche Händler in Bad Säckingen einen eigenen Online-Shop. Einer von ihnen ist das Schuhhaus Klever. In dessen Internet-Verkauf gibt es für die Kunden zwei Funktionen. Sie können sich seit 2015 im virtuellen Schaufenster Schuhe online reservieren und diese dann in einer Filiale ihrer Wahl anprobieren. Außerdem können sie sich seit einem Jahr Schuhe nach Hause liefern lassen. Der Verkauf wird im Haupthaus in Schopfheim vorbereitet. Hier werden alle Schuhe fotografiert, online gestellt, verpackt und versendet. „Man muss heute sein Angebot im Netz abbilden und dort aktiv unterwegs sein“, erklärt Geschäftsführer Stefan Klever.

Auch bei Klever Schuhe kann man Schuhe online bestellen oder reservieren lassen.
Auch bei Klever Schuhe kann man Schuhe online bestellen oder reservieren lassen. | Bild: Verena Wehrle

Ähnlich geht Stephan Ruthe von der gleichnamigen Parfümerie vor. „Du musst dort sein, wo der Kunde ist“, sagt er. 20 bis 150 Pakete, die online bestellt wurden, verlassen täglich seine Parfümerie in der Lohgerbe. Seinen Online-Shop betreibt er europaweit. Verpackt werden die Bestellungen in den Filialen in Wehr und Bad Säckingen. Der dafür notwendige höhere Vorrat im Lager komme auch den Kunden vor Ort zu Gute. Alle Mitarbeiter seien in den Online-Handel integriert. „Wenn mal Leerlauf im Geschäft ist, dann bearbeiten wir die Online-Bestellungen“, sagt der Einzelhändler. Doch Ruthe geht noch einen Schritt weiter: Er möchte bald auch Beratung per Nachrichtendienst Whattsapp anbieten. Für kleinere Betriebe sei es enorm wichtig, auf mehreren Kanälen zu agieren und nicht den Großen im Online-Handel alles zu überlassen, betont Ruthe, der die globalen Online-Riesen wie Amazon als „Raubtiere“ bezeichnet.

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Dass Online-Handel immer wichtiger für die „Kleinen“ wird, sagt auch Elisabeth Vogt: „Der Trend der Zukunft liegt darin, zweigleisig zu fahren – also Online-Shop und Handel im Laden“, sagt die Vorsitzende des Gewerbevereins. Dafür gebe es aber für die Händler auch die Möglichkeit, sich an vorhandene Online-Systeme anzuknüpfen, wie etwa Amazon.

Das Unternehmen trolleymaker stellt ihr Bonus-Karten-System my trolley smart city den Händlern und Gewerbetreibenden von Bad Säckingen vor. Mit dem System soll die Kaufkraft vor Ort gestärkt werden. Der Termin dafür ist am 10. Februar, um 19 Uhr. Der Ort wird noch bekannt gegeben.

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Neben dem Online-Handel gebe es in Bad Säckingen weitere Maßnahmen zur Kundenbindung. Derzeit sei die Stadt in Verhandlungen mit der Firma „trolleymaker“, die das Bonus-Karten-System „my trolley smart city“ in der Region umsetzen soll. Dabei bekommt der Kunde bei jedem Einkauf in einem Partnergeschäft vor Ort einen Bonus auf seine Karte und kann diesen bei seinem nächsten Einkauf wieder einlösen. Damit die Bürger vor Ort einkaufen und nicht online, wurden in Bad Säckingen etwa auch das Weihnachtsgewinnspiel oder der Stadtgutschein ins Leben gerufen.