Es gibt kaum eine Hochzeit, bei der die Augen trocken bleiben. Das weiß in der Trompeterstadt niemand besser als die Standesamtsleiterin Ursula Schöneich: "Heiraten ist eine sehr emotionale Sache." Allein 2018 gaben sich 175 Paare in Bad Säckingen das Ja-Wort – so viele wie noch nie in einem Jahr.

Einen großen Teil davon hat Ursula Schöneich selbst getraut. Und obwohl Trauungen für sie gewissermaßen Arbeitsalltag sind und sie in 35 Berufsjahren weit über 1000 Ehen geschlossen hat, ist für sie selbst jede Hochzeit für sich etwas Einmaliges – mit all den Höhen, Tiefen und Gefühlen, die damit verbunden sind. Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht sie eine sehr persönliche Jahresbilanz.

Die Hochzeit ist für Paare einer der schönsten Tage ihres Lebens – aber vor Überraschungen ist man an einem solchen Tag nie gefeit.
Die Hochzeit ist für Paare einer der schönsten Tage ihres Lebens – aber vor Überraschungen ist man an einem solchen Tag nie gefeit. | Bild: Patrick Pleul

Überraschungen sind immer möglich

Viele Trends in Sachen Heiraten hat Ursula Schöneich kommen und gehen sehen. Die Bandbreite der Feierlichkeiten ist extrem und reicht vom intimen Moment, bei dem das Paar mit der Standesbeamtin allein die Zeremonie abhält bis zum großen Schaulaufen vor hunderten Hochzeitsgästen in der Konzertmuschel im Schlosspark.

Natürlich entwickle man seine persönlichen Vorlieben, sagt Schöneich: "Ich mag es locker und im überschaubaren Rahmen, so dass auch noch etwas Raum für persönliche Gespräche am Rande ist."

Und bei denen auch mal Platz für die kleinen oder größeren Missgeschicke ist, die sich bei Hochzeiten häufig ereignen. Denn eine Hochzeit könne noch so gut geplant sein, vor Überraschungen sei man nie gefeit. Mal ist es kurios, mal lustig oder auch herzergreifend traurig.

Manchmal steckt hinter einem Hochzeitswunsch auch ein Schicksalsschlag

Und nicht selten habe sie selbst Mühe, ihre eigenen Emotionen im Griff zu behalten, sagt sie: "Es ist mir auch schon passiert, dass ich mitgeweint oder laut mitgelacht habe. Aber ich wäre wohl auch fehl am Platz, wenn ich keine Emotionen hätte."

Wenn eine besondere Geschichte oder ein Schicksalsschlag mit der Trauung verbunden ist – das seien die Momente, bei denen die Gefühle sie durchaus übermannen können.

"Ich habe zum Beispiel vergangenes Jahr drei Ehen geschlossen, bei denen ein Ehepartner nur wenig später aufgrund einer Krankheit gestorben ist." Gerade kurzfristig anberaumte Hochzeiten seien oft ein Indiz dafür, dass es für die Eheschließung einen ernsten Hintergrund gebe.

"Für viele ist dann die Hochzeit wie ein Anker. Teilweise ist es ein Grund, neue Kräfte zu mobilisieren", sagt Ursula Schöneich. Doch nicht immer gebe es das erhoffte Happy End. Und eben solche Geschichten gehen jedem Standesbeamten nahe.

Was nach einem Klischee à la Hollywood klingt, kommt tatsächlich immer wieder vor: Häufig vergessen Ehepaare, Ringe oder Brautsträuße mitzubringen.
Was nach einem Klischee à la Hollywood klingt, kommt tatsächlich immer wieder vor: Häufig vergessen Ehepaare, Ringe oder Brautsträuße mitzubringen. | Bild: Jörg Carstensen

Die drei amüsantesten Erlebnisse des vergangenen Jahres

Viel häufiger komme es aber vor, dass sie sich ein Schmunzeln verkneifen muss oder ihrem Humor freien Lauf lassen kann. Dann nämlich, wenn trotz intensiver Planung oder weil die Nerven am großen Tag blank liegen, das ein oder andere Missgeschick passiert Von dieser Sorte gab es auch in jüngerer Vergangenheit eine ganze Menge.

Der Klassiker: "Es ist ein totales Klischee, aber dass Eheringe und Brautsträuße vergessen, verlegt oder verloren werden. Aber das kommt immer wieder vor." Nicht immer gehe das aber so glimpflich ab wie bei einer Hochzeit im vergangenen Jahr: Ein Paar hatte einen der Ringe auf der Anfahrt verloren. "Eine der Mütter reagierte kurzentschlossen und hat ihren eigenen Ring für die Zeremonie angeboten", erinnert sich Ursula Schöneich. Dieser wurde umgehend angenommen, hat gepasst – die Trauung konnte mit dem Ersatzring fortgesetzt werden.

Eher ein Ärgernis für ein Brautpaar mit großer Hochzeitsgesellschaft war hingegen, dass die große Verwandtschaft des Bräutigams nicht rechtzeitig ankam: "Wir haben eine halbe Stunde an der Konzertmuschel im Schlosspark gewartet. Vergeblich", sagt Ursula Schöneich.

Dann wurde ohne Verwandtschaft geheiratet. Der Konvoi mit den aus Basel angereisten Angehörigen kam mit anderthalb Stunden im Schlosspark an, immerhin genau rechtzeitig, um dem frischgebackenen Brautpaar zu gratulieren: "Die Freude beim Bräutigam über die Ankunft seiner Verwandten hat sich dann aber eher in Grenzen gehalten."

Lieber nochmal nachmessen: In einem Fall war das Kleid der Braut etwas eng geraten. An Sitzen war auch für die Standesbeamtin nicht zu denken.
Lieber nochmal nachmessen: In einem Fall war das Kleid der Braut etwas eng geraten. An Sitzen war auch für die Standesbeamtin nicht zu denken. | Bild: Jens_Schierenbeck

Und dann war da noch das Paar, das eine echte Märchenhochzeit mit großer Gesellschaft und jeder Menge Extras im Schlosspark organisiert hat: "Da war wirklich alles genau aufeinander abgestimmt", sagt Ursula Schöneich.

Doch als sie das Paar aufforderte, auf den Stühlen Platz zu nehmen, erhielt sie nach anfänglichem Zögern von der Braut den Hinweis, dass sie sich nicht setzen könne, weil das Kleid zu eng sei. So musste eben die Zeremonie im Stehen abgehalten werden. Fazit: "Es lässt sich an solch einem Tag halt doch nicht alles aufs I-Tüpfelchen vorherbestimmen, auch wenn manche Paare das gerne tun würden."

Malerische Heiratsorte wie der Diebsturm im Schlosspark sind bei Hochzeitspaaren heiß begehrt.
Malerische Heiratsorte wie der Diebsturm im Schlosspark sind bei Hochzeitspaaren heiß begehrt. | Bild: Kanele/dpa

Trompeterstadt bei Heiratswilligen heiß begehrt

Dass sie und ihre vier Kollegen, die ebenfalls Hochzeiten in Bad Säckingen durchführen, von derartigen Geschichten berührt werden, dass man mit den Paaren lacht, weint oder mitfiebert, sei nur natürlich, sagt Ursula Schöneich.

Für sie selbst ist es zudem Anreiz, auch nach über drei Jahrzehnten und hunderten Hochzeiten jedes Paar für sich zu sehen. Das geht bei den persönlichen Gesprächen im Vorfeld los und zieht sich weiter bis zur persönlich gehaltenen Ansprache der Standesbeamten bei der Trauung.

Und interessant werde es dann, wenn sie Paaren Monate oder Jahre später wieder begegne und erfahre, wie es weiter gegangen ist.

Dennoch bedeute es auch ziemlich viel Arbeit, eheschließender Standesbeamter zu sein. Denn Hochzeitstag Nummer eins sei der Samstag. Hier gebe es bis zu vier Trauungen an einem Tag.

Und es könnten noch viel mehr sein, sagt Ursula Schöneich: "Bad Säckingen ist als Hochzeitsort gerade auch bei Auswärtigen sehr beliebt." So beliebt, dass es im Sommer sogar danach ausgesehen habe, dass die 200-Hochzeiten-Marke dieses Jahr erstmals gebrochen werden könnte. Doch im November und Dezember nahm die Zahl der Trauungen spürbar ab.

Letztlich waren es 175 Hochzeiten, ein Drittel der Heiratswilligen kam von auswärts. Damit sei auch ein Wert erreicht, der bei fünf Standesamten gerade noch so zu bewältigen sei, "ohne dass das Ganze zum Fließbandgeschäft verkommt", so Ursula Schöneich.

Denn um den feierlichen Charakter einer Hochzeit nicht zu zerstören müsse mindestens ein zeitlicher Puffer für etwaige unvorhergesehene Vorkommnisse vorhanden sein. Und sie habe den Anspruch, jedem Paar eine persönliche Ansprache zu präsentieren.

Viel zu tun und jede Menge Spaß hatte Standesbeamtin Ursula Schöneich.
Viel zu tun und jede Menge Spaß hatte Standesbeamtin Ursula Schöneich. | Bild: Baier, Markus

Schon über 70 Anmeldungen

Dass der Trend, in Bad Säckingen zu heiraten, anhält, ist bereits deutlich absehbar. Allein für dieses Jahr gebe es bereits über 70 Anmeldungen. "Wie immer füllen sich die Samstage zuerst", stellt Ursula Schöneich beim Blick in ihren Kalender fest. Nach einem langsamen Start im Januar und Februar zieht die Zahl der Hochzeiten ab Frühjahr wieder deutlich an.

Für Ursula Schöneich bedeutet das, dass sie der Marke von 2000 geschlossenen Ehen während ihrer Zeit als Standesbeamtin ein gutes Stück näher kommt. Und dennoch: "Jede Hochzeit ist für sich etwas besonderes – und für die beiden Hauptpersonen ein einmaliges Erlebnis."

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Aus der Hochzeitsstatistik

  • Zahl der Eheschließungen: 175 Paare haben im Jahr 2018 in Bad Säckingen geheiratet, 24 mehr als im Jahr davor – und soviele wie noch nie. Lediglich im Jahr 2014 stand am Ende eine höhere Gesamtzahl (177). Damals wurden aber auch mehr Eheschließungen im Ausland in Bad Säckingen nachbeurkundet, erklärt Standesamtsleiterin Ursula Schöneich.
  • Trauorte: Ein Brautpaar hatte sich das Bootshaus zum Heiraten gesichert, mehrere große Hochzeiten fanden in der Konzertmuschel des Schlossparks statt. Die übrigen Termine verteilten sich auf Orangerie, Diebsturm und in den Wintermonaten auf das Schloss.
  • Auswärtige Paare: Über ein Drittel der Hochzeiter (37%) wählten sich Bad Säckingen als ihren Hochzeitsort, obwohl sie in einer anderen Gemeinde wohnhaft waren. Wesentliche Grund für eine Heirat in Bad Säckingen sind der malerische Schlosspark, der ein besonderes Ambiente bietet. Zudem gibt es mit der dortigen Konzertmuschel auch eine Örtlichkeit, die sich für große Hochzeiten eignet. Wie Standesbeamtin Schöneich erklärt gebe es aber auch bei den meisten auswärtigen Paaren eine persönliche Verbundenheit zur Stadt, etwa weil Kindheit, Schulzeit oder Berufsleben hier verbracht wurden.
  • Besonderheiten: In zehn Fällen stellte das Standesamt Brautpaaren die nötigen Unterlagen aus, damit diese im Ausland heiraten können. 2017 waren es nur vier. Im Gegenzug kamen drei Paare, die im Ausland geheiratet hatten, um im Nachhinein ihre Eheschließung beim Standesamt Bad Säckingen nachbeurkunden zu lassen. 26 Bad Säckinger Paare haben in ihrer Heimatstadt die Anmeldung der Eheschließung gemacht, dann aber auswärts geheiratet. (msb)