Blumberg – Jeder vierte Schüler beziehungsweise jede vierte Schülerin nutzen die Schulsozialarbeit, ergab eine Recherche des SÜDKURIER. Das gilt im Schnitt für die Realschule, die Werkrealschule Eichberg und die Grundschule Eichberg, die drei Schulen in der Blumberger Kernstadt, die eine Schulsozialarbeiterin haben.

Realschule ein Jahr mit Schulsozialarbeit

Prozentual am geringsten ist der Anteil bisher an der Realschule, die allerdings erst seit diesem Schuljahr eine Schulsozialarbeiterin hat, wobei nach einigen Wochen zu Beginn eine mehrmonatige Vakanz eintrat, bis im Febuar die aktuelle Schulsozialarbeiterin Marina Braunagel begann.

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An der früheren Scheffelschule und jetzigen Werkrealschule Eichberg, die 2004 als erste Blumberger Schule eine Schulsozialarbeiterin erhielt, komme rund ein Drittel der Schüler zu ihr, sagt Heike Schempp, an der Grundschule Eichberg mit der Ganztagsschule sieht es nach Einschätzung ihrer Kollegin Luisa Tersigni ähnlich aus.

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Die Einschätzung basiert auf der Statistik, die Schulsozialarbeiterin Heike Schempp für den Kommunalverband für Jugend und Soziales erstellen muss. Danach werde aber jedes Gespräch mit einem Jugendlichen zu einem bestimmten Thema, das mindestens zehn Minuten dauere, als ein Fall notiert, schilderte Heike Schempp am Donnerstag dem Haupt- und Finanzausschuss, als sie mit ihren Kolleginnen den Jahresbericht vortrug. Komme ein Schüler mit einem anderen Thema, werde der gleiche Schüler ein zweites Mal erfasst.

Die drei Schulsozialarbeiterinnen Luisa Tersigni (von links) an der Grundschule, Heike Schempp an der Werkrealschule und Marina Braunagel an der Realschule verstehen sich als Team. Unser Bild zeigt sie im Ganztags-Betreuungsbereich für die weiterführenden Schulen an der Werkrealschule. Bild: Bernhard Lutz
Die drei Schulsozialarbeiterinnen Luisa Tersigni (von links) an der Grundschule, Heike Schempp an der Werkrealschule und Marina Braunagel an der Realschule verstehen sich als Team. Unser Bild zeigt sie im Ganztags-Betreuungsbereich für die weiterführenden Schulen an der Werkrealschule. | Bild: Lutz, Bernhard

"Schulsozialarbeit ist immer Prävention", sprich Vorbeugung, berichtete Heike Schempp dem Ausschuss. "Wir machen viel Gruppenarbeit, viel Hilfe in Einzelfällen", dazu kommen Gespräche mit Schülern und Lehrern, sofern die Schulsozialarbeiterin von ihrer grundsätzlichen Schweigepflicht entbunden wird. Themen seien Konflikte von Jugendlichen untereinander, Konflikte in den Familien, Gewalt in Familien, mit bedingt durch Alkohol und unterschiedliche Ansichten über Erziehung.

Patchworkfamilien: Plötzlich mehr Großeltern und Tanten

Das Team der Schulsozialarbeit kooperiert mit dem Jugendamt, das alle sechs Wochen extra nach Blumberg komme. Schempp sprach von vielen Scheidungen und Patchworkfamilien, bei denen die Kinder plötzlich mehr Großeltern und sonstige angeheiratete Verwandte hätten.

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Die Sozialarbeiterinnen beschäftigen sich mit dem Thema Suizid und suizidalen Gedanken, Essstörungen, Sucht und Selbstverletzung, letztere beruhe auf tiefen psychologischen Störungen. "Natürlich haben wir auch alles, was mit Mobbing und Ausgrenzung zu tun hat", digital bis zu 24 Stunden pro Tag. Wenn Eltern ihren Kindern die Handys am Bett ließen, wären sie erstaunt, wenn sie wüssten, "was nachts alles passiert zwischen zwei und vier Uhr." Entsprechend gerädert kämen die Kinder morgens zum Unterricht. Speziell zu Cyber-Mobbing hätten sie diese Woche einen Austausch im Schwarzwald-Baar-Kreis gehabt mit Supervision.

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Bei der Aussprache dazu sagte Stadtrat Hannes Jettkandt, Sprecher der Freien Liste, Schulsozialarbeit sei eigentlich der falsche Begriff. Es sei Sozialarbeit dort, wo die Kinder sich lange aufhielten: in der Schule. "Wir sind alle froh, dass es die Schulsozialarbeit an den Schulen gibt", das entlaste die anderen dort Tätigen.

Ursula Pfeiffer, Sprecherin der SPD/FDP-Fraktion, bekräftigte dies. Es sei ein sehr sinnvolles Angebot: für die Kinder und die Eltern. Vor ein paar Jahren hätten sie darüber diskutiert, ob Schulsozialarbeit hier überhaupt nötig sei. Jetzt gehe es noch darum, wie viel Schulsozialarbeit nötig sei. Heike Schempp dankte dem Gemeinderat für seine positive Entscheidung.

Schulsozialarbeiterinnen entlasten die Lehrer

Über die Entwicklung der Ganztagsschule berichtete Schulsozialarbeiterin Luisa Tersigni, zugleich Leiterin der Nachmittagsbetreuung. Angefangen hätten sie im September 2016 mit 64 Kinder in der Betreuung sowie 24 Kinder in der verlässlichen Grundschule, im Schuljahr 2017/18 seien es 66 Ganztagsschüler und 22 Kinder in der verlässlichen Grundschule gewesen. Sie hätten auch mit Spätbetreuung von 15.30 bis 16.30 Uhr begonnen, zunächst mit 16 Kinder 2016, jetzt seien es 47 Kinder.

Viele Kinder haben ein Vesper als Mittagessen

Die Ganztagsschule wachse. Anfangs hätten sie die Kinder immer zu den Hausaufgaben gerufen, heute nutzten sie dafür einen Klatschrhythmus. Bei den Hausaufgaben hätten sie Montag bis Mittwoch drei Gruppen und Donnerstag und Freitag zwei Gruppen. Mittlerweile hätten sie auch sieben AGs. Beim Mittagessen hätten im Schuljahr 2016/17 insgesamt 35 Kinder in der Mensa gegessen, und elf ein Vesper mitgebracht, voriges Schuljahr aßen 31 Schüler in der Mensa, 56 hatten ein Vesper. Aus Platzgründen hätten sie entschieden, die Vespergruppe in die Schulaula zu verlegen. Gegessen werde in zwei Gruppen, die eine Gruppe habe jeweils Freispiel.

Ein Mensaessen kostet drei Euro

CDU-Sprecher Dieter Selig fragte, ob es Kinder gebe, die in der Mensa essen würden, dies aber aus finanziellen Gründen nicht könnten. Luisa Tersigni antwortete, dies werde ihnen öfters so gesagt, Geld sei oft ein Thema. Die drei Euro für ein Mittagessen seien völlig gerechtfertigt, sie hätten auch viele Eltern, die erklärten, ihr Kind sei wählerisch, es solle ganz bewusst ein Vesper essen.

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Enorm entwickelt, so Tersigni, habe sich die Ferienbetreuung: Waren es in den Herbstferien 2016 noch 16 Kinder, waren sie für die Sommerferien dieses Jahr mit 33 Anmeldungen ausgebucht. Sie würden sich dafür viel überlegen, einmal im Jahr gebe es außerdem einen Jahresausflug mit allen Ganztagsschülern. Für die Betreuung habe sie neun Kräfte: fünf in Teilzeit, zwei mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), zwei Jugendbegleiter. Wenn sie selbst im Januar in Elternzeit gehe, sollte man ihre Stelle nachbesetzen.

Stelle während Elternzeit nachbesetzen

Die Entwicklung der Ganztagsschule an den weiterführenden Schulen schilderte Marina Braunagel. Angefangen mit sieben Kindern im September 2017 waren es bis Ende Oktober schon 19 Kinder. Zurzeit sind es 25 Schüler, davon 15 Realschüler, einer nur donnerstags, und zehn Werkrealschüler. Sie hätten fünf Betreuer, darunter eine pädagogische Fachkraft, drei Ehrenamtliche und einen ehrenamtlichen Springer.

Bürgermeister Markus Keller dankte den Schulsozialarbeiterinnen und allen Beteiligten. Er habe das Gefühl, dass sich das Angebot verfestige. Keller nannte Marksteine: Die Verlässliche Grundschule seit 2014, die Ganztagsschule an der Grundschule seit September 2016 und seit Herbst 2017 auch an den weiterführenden Schulen. Zudem hätten sie auch einen Streetworker, der anwesend war, und auf die Jugendlichen zugehe. Mit Blick auf die Schulen betonte Keller, es dürfe nicht sein, dass der Personalmangel dazu führe, dass der Schulträger, sprich die Stadt Blumberg, zusätzliches Personal finanziere.